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Erdogan und Orbán für Putin „hilfreich“: Litauens Außenminister zweifelt an Einstimmigkeit in Nato und EU

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Von: Franziska Schwarz

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Ukraine-Krieg: Russlands Präsident Wladimir Putin nimmt am 25. Mai an Beratungen im Kreml teil.
Russlands Präsident Wladimir Putin © Sergei Guneyev/Imago

Der litauische Außenminister Landsbergis hat sich in einem Interview zu einem Nato-Beitritt Schwedens und Finnlands sowie den EU-Sanktionen gegen Russland geäußert.

Vilnius - Beratungen über den Ukraine-Krieg und mögliche Schritte gegen den Aggressor Wladimir Putin: Nach Bild-Informationen hat Litauens Außenminister Gabrielius Landsbergis am 27. Mai „hochrangige Experten“ zu diesem Thema in sein Land geladen. Die Zeitung war nach eigenen Angaben vor Ort und interviewte den 40-jährigen Politiker beim „geheimen Anti-Putin-Gipfel“. Der sagte: „Der Kampf ist noch lange nicht gewonnen.“

Alles hänge davon ab, wie viele und welche Waffenlieferungen die Kämpfer von Wolodymyr Selenskyj nun erhalten - vor allem, wenn sie im aktuell schwer umkämpften Donbass erfolgreich sein wollen, so Landsbergis.

Litauens Außenminister im Ukraine-Krieg: „Erdogan ist für Putin hilfreich“

Doch die internationale Kriegs-Diplomatie kommt aktuell kaum voran. Der ungarische Regierungschef Viktor Orbán bremst beim geplanten EU-Ölembargo im Zuge der Russland-Sanktionen. Beim Thema Nato-Beitritt Schwedens und Finnlands blockt der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan. Sind sie „Putins trojanische Pferde im Westen?“, fragte die Bild Landsbergis.

„Nun, sie sind für Putin auf jeden Fall hilfreich“, antwortete der. „Ich weiß nicht, ob Ihre Bezeichnung passend ist, aber sie helfen Herrn Putin sehr stark, durch Finanzierungen und indem sie die Möglichkeit verringern, die Region Baltikum besser abzusichern.“

Ein Nato-Beitritt der beiden Länder wäre jedoch sehr hilfreich und würde auch das Baltikum gegen russische Aggressionen absichern, zeigte sich Landsbergis sicher und fügte hinzu: „Aber das wirft wieder die Frage auf, ob das Konsens-Prinzip in der Nato und in der Europäischen Union noch funktioniert.“

Ukraine-Krieg: „Für Putin bestünde der nächste natürliche Schritt in der Eskalation in der Nato“

Was würde Putin tun, falls er mit seiner Invasion in die Ukraine erfolgreich wäre? „Für Putin bestünde der nächste natürliche Schritt in der Eskalation in der Nato“, prognostizierte Landsbergis. Und weiter: Die baltischen Staaten sind am nächsten gelegen, verwundbar und in einer Position, in der er denken könnte, es wäre einen Versuch wert.“

Angesprochen auf angebliche Nato-Absprachen über Panzer-Lieferungen antwortete Landsbergis: „In den Formaten, denen ich beiwohne, wurde so etwas definitiv nie besprochen. Ich habe gehört, dass Waffenlieferungen – selbst von schweren oder fortschrittlichen Waffen – nicht als Eskalation oder Nato-Teilnahme an dem Krieg betrachtet werden.“

Ukraine-Krieg: Litauens Außenminister Gabrielus Landsbergis bei einem AP-Interview im Mai 2022
Litauens Außenminister Gabrielus Landsbergis im Mai 2022 © Mariam Zuhaib/AP/dpa

Litauen auf Seite Deutschlands im Ukraine-Krieg: „Geduld mit Berlin“

Beim Außenministertreffen des Ostseerats am 25. Mai wertete Landsbergis Deutschlands bisherige Rolle im Ukraine-Krieg übrigens anders als seine norwegische Amtskollegin Anniken Huitfeldt. Der 40-Jährige sagte, er habe zu Beginn des Kriegs die Menschen in Litauen gebeten, „Geduld“ mit Berlin zu beweisen. „Das ist immer noch meine Position“, sagte er bei einer Pressekonferenz mit Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne).

Huitfeldt hingegen sagte bei der Veranstaltung, sie sei sowohl Baerbock persönlich als auch Deutschland „sehr dankbar“ dafür, nach dem russischen Angriff die eigene außenpolitische Strategie geändert zu haben.

Die Außenminister von Estland, Lettland und Litauen waren am 6. Mai in die Ukraine gereist, um ihre Solidarität und Unterstützung zu demonstrieren. Die drei baltischen Staaten gehören seit 2004 der Nato und der EU an. Die kleinen Ostseeanrainer grenzen an Russland und teils auch an dessen Verbündeten Belarus. (frs mit Material von dpa und AFP)

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