Wagner-Deal offenbar fix: FC Bayern holt Stürmer aus Hoffenheim

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Florian Kraus (Grüne) will in den Landtag einziehen.

Stimmkreis 101

Das sind die Kandidaten für München-Hadern

München - Sie haben die Wahl: Am 15. September entscheiden die Bürger, welche Politiker in den 17. Bayerischen Landtag einziehen dürfen. München ist aufgeteilt in acht Stimmkreise. Wir stellen ihnen die Kandidaten für Hadern vor.

CSU: Georg Eisenreich 

Georg Eisenreich ist erst 42. Und doch schon ein alter Hase im politischen Betrieb. Der Haderner beginnt nach der Wahl seine dritte Legislaturperiode im Maximilianeum.

Eisenreich setzt voll auf Bildung, nennt die Schulpolitik seinen „großen Schwerpunkt“. Einen Schwerpunkt, den er bei der rot-grünen Stadtregierung nicht erkennen kann. „2030 werden 7000 Plätze an den Gymnasien fehlen!“, sagt er. „Das wären sieben ganze Gymnasien!“ Die Stadt aber tue viel zu wenig.

Er versucht auch als Abgeordneter, auf konkrete Projekte im Stimmkreis Einfluss zu nehmen. So hat er das Konzept für den „Bildungscampus Westpark“ mitentworfen, das Erasmus-Grasser-Gymnasium und das Gymnasium Fürstenried West könnten in einem Neubau ihren Ganztagsbetrieb abwickeln, das Gebäude wäre von Anfang an behindertengerecht. 800 Schüler könnten hier unterrichtet werden – und das schon in fünf Jahren, so sein ehrgeiziger Zeitplan.

„Wir können keine Ganztagsangebote schaffen“, sagt er. „Wir können nur alle Anträge genehmigen.“ Und da kämen viel zu wenige – weil keine Räume da wären. Und für die ist die Stadt verantwortlich. „München mus erheblich mehr Geld in die Hand nehmen!“, sagt er. Und fordert eine neue Ganztagsschule für das Westend.

Eisenreich nennt CSU-Stadt-Chef Ludwig Spaenle und OB-Kandidat Josef Schmid seine „Freunde“. Im Landtag gilt er als sachlicher Arbeiter, einer aus der ersten Reihe ist er nicht.

Ein wenig spöttisch wird der Rechtsanwalt, wenn er auf die SPDler zu sprechen kommt, die sich bei ihren Wahlkämpfen oft arg auf ihr vermeintliches Kernklientel in den dicht bebauten Vierteln konzentrieren. „Man muss schon für alle da sein“, sagt er. „Sich um alle kümmern.“

Eisenreich kümmert sich zum Beispiel um die Stadtentwicklung in Obersendling. „Früher gab es große Industrieflächen“, sagt er. Und jetzt gehe die Stadt falsch vor. „Viele Bürger haben das Gefühl, sie sind nur noch die Empfänger von Entscheidungen und dürfen nicht mehr mitreden.“ Eisenreich hat ein Forum mitgegründet, in dem Bürger sich treffen und darüber diskutieren. Politik muss sich vom Stil ändern, sagt er. Und, dass man doch auch Schulen bauen müsse, wo man Wohnungen baue. Da ist sie wieder, die Bildung.

SPD: Andreas Lotte 

Auf der Schwanthalerhöhe ist Andreas Lotte bekannt. Das erzählt der Stadtrat, der jahrelang im Bezirksausschuss saß, nicht nur. Das kann man auch erleben, wenn man mit ihm vor einem Café an der Parkstraße sitzt. „He Lotte“, ruft ein Passant – und schimpft in derben Worten über die SPD.

Lotte, 40, spricht ruhig und argumentiert klar. Hier auf der Schwanthalerhöhe wirbt der Stadtrat mit seinem Herzensthema: dem Mieterproblem. Im alten Arbeiterviertel fürchten sich viele vor Verdrängung. Und doch bekommt der Befürworter von starkem Mieterschutz auch hier Widerspruch, zum Beispiel beim Thema Neubauten. „Wenn ihr noch mehr Wohnungen baut, kommen doch noch mehr Menschen“, würden die Leute ihm oft sagen, erzählt Lotte. Er aber ist überzeugt: Ohne Wohnungsbau wird es nicht gehen. Die Wohnungspolitik war auch schon im Stadtrat sein Thema. Dort hat er eher im Hintergrund gewerkelt, sich in Stadtrats-Sitzungen nur selten zu Wort gemeldet.

Mit seinen Mieterthemen fremdelt Lotte ein wenig in den äußeren Bereichen seines Stimmkreises. „In Hadern ist das weniger ein Thema“, räumt er ein. „Schon, weil es mehr Eigentümer gibt.“ Lotte erzählt, dass die Menschen in Forstenried-Fürstenried mehr Grünflächen haben wollen. „Auf der Schwanthalerhöhe hat das noch nie jemand gesagt, obwohl es hier kein Grün gibt“, wundert sich Lotte.

Ein anderes Thema ist für den studierten Betriebswirt die Gerechtigkeit auf dem Arbeitsmarkt. „Der Staat muss eine Vorbildfunktion übernehmen“, sagt Lotte immer wieder. Das gelte etwa für Bauten, die der Staat in Auftrag gibt. „Wer Zuschüsse vom Staat bekommt, soll soziale Richtlinien einhalten müssen.“

Lotte ist der Nachfolger von Ludwig Wörner, der seit 1998 dem Landtag angehörte und aus Altersgründen aufhört. Die Parteibasis hat den Kandidaten mit einem klaren Ergebnis nominiert. 2009 kamen alle acht SPD-Kandidaten aus München in den Landtag. „Ein Naturgesetz ist das aber natürlich nicht“, betont Lotte.

Und so tingelt er seit vielen Wochen mit seinem italienischen Motor-Dreirad von Haustür zu Haustür, hat sehr viele Plakate kleben lassen („Lotte hört zu“), versucht die Menschen von seinen Themen zu überzeugen, auch in Forstenried oder Fürstenried. Nur auf der Schwanthalerhöhe erkannt zu werden, ist eben noch nicht genug.

Freie Wähler: Sascha Freitag

Politisch interessiert ist Sascha Freitag schon immer. Mit einer bestimmten Partei konnte er aber nie viel anfangen. So stieß er auf die Freien Wähler. „Die sind offen für viele Ideen.“

Auch für die von Freitag. „Ich bin selbst Vegetarier“, sagt er. „Wir sollten alle mehr auf die Tiere und die Natur achten. Jeder sollte sich bewusst machen, was er tut!“ Ihn würden „Themen interessieren, die ursprünglich mit Rot-Grün verbunden wurden“.

Seit zwei Jahren ist Sascha Freitag jetzt politisch aktiv, er sitzt im Gesamtelternbeirat für die Grund- und Mittelschulen. Dass manche Lehrer über die Sommerferien arbeitslos sind und erst danach wieder eingestellt werden, findet er ein Unding. „So etwas soll es in Zukunft nicht mehr geben!“

Freitag, der einst bei Ludwig Beck am Marienplatz gelernt hat, will eine neue Kultur im Umgang von Wählern und Politikern befördern. „Mich kann jeder anrufen“, betont er. „Ich bin ein sehr öffentlicher Mensch.“ Im Internet könne man verfolgen, was er denke und tue. „Und ich frage die Leute, was ihnen wichtig ist.“

Im Wahlkreis ist er zum Beispiel gegen den Stäblistraßen-Durchstich. „Mal sehen, ob die Politik jetzt Wort hält“, sagt er. In den Landtag wird Freitag nicht einziehen, Listenplatz 29 in Oberbayern ist aussichtslos. Sascha Freitag will trotzdem weiter Politik machen. Er sei eben anders als andere Politiker, sagt er. „Ich will mich nicht unterbuttern lassen oder einfach alles nur noch so machen wie eine Partei es will.“

Grüne: Florian Kraus

Florian Kraus ist nicht unbedingt das, was man sich unter einem typischen Grünen vorstellt. Eher ist er ein Grüner der neuen Generation, weit weg von den ideologischen Debatten der 80er- oder 90er-Jahre. Kraus, 37, ist Partner in einer schicken Kanzlei in der Nähe des Odeonsplatzes, sieht dem Fußball-Trainer Jürgen Klopp erstaunlich ähnlich und sagt: „Ich bin in der katholischen Kirche politisiert worden.“

Kirche und Grüne gegeneinander auszuspielen, sagt Kraus, davon halte er „überhaupt nichts“. Der Kandidat nennt sich selbst einen „Befürworter der schwarz-grünen Koalition“. Rot-Grün sei in Bayern ohnehin keine Machtoption. „Und Berührungsängste habe ich keine.“ In der CSU, betont Pfeiffer, der Katholik, gebe es „sehr viele Christen“.

So kann er sich Schnittmengen vorstellen, sogar bei manchen eher linken Herzensthemen, der Flüchtlingspolitik etwa. „Mit dem Ende des Camps am Rindermarkt ist das Problem nicht gelöst!“, betont Kraus. Viele CSU-Mitglieder, glaubt er, würden Flüchtlinge „auch aus der Sicht christlicher Nächstenliebe sehen“. Auf seinen Plakaten steht „Mehr Freiheit wagen!“ – das gelte auch für Flüchtlinge, die Landkreisgrenzen nicht überschreiten dürfen. Eine andere Forderung: die Kennzeichnung von Polizeibeamten.

Kraus, der im Westend lebt, hat für die Landtags-Grünen im NSU-Untersuchungsausschuss gearbeitet. Wenn es sehr gut läuft, könnte Kraus, der auf Platz 16 der Liste steht, nach den Wahlen an vorderer Front im Maximilianeum dabei sein. Dann will er manches heiße Eisen anfassen. Zum Beispiel den Verfassungsschutz. „Das Landesamt muss nicht reformiert, sondern komplett neu gegründet werden!“ V-Leute will Kraus ganz abschaffen.

FDP: Daniel Föst

Billigflugverbot, Heizpilzverbot, Plastiktütenverbot, Rauchverbot im Biergarten, Motorrollerverbot... Neulich hat Daniel Föst Parteifreunden eine lange Liste mit Verboten vorgelesen. Verbote, die Grünen-Politiker schon gefordert haben. Er hat dafür viel Applaus bekommen, so erzählt es Föst. Er selbst will für das Gegenteil einer Verbotskultur stehen: Für eine Politik, die dem Einzelnen viel Entscheidungsfreiheit lässt.

Seit zweieinhalb Jahren ist Föst, 36, Chef der Münchner Liberalen. Jetzt zieht es ihn ins Maximilianeum. Das dürfte klappen, vorausgesetzt die FDP schafft es in den Landtag. Föst steht auf Platz 5 der Liste. Vor allem in Forstenried, Fürstenried und Hadern ist er derzeit viel unterwegs. Föst fordert Investitionen in die Infrastruktur, den Autobahnsüdring will er mit einem Tunnel schließen.

Im Wahlkampf dürfte er vielen aus einem ganz anderen Grund aufgefallen sein: Föst hat eine Handy-Nummer plakatiert, unter der er tatsächlich erreichbar ist. Viele hätten mit ihm reden wollen, sagt er. „Beleidigungen waren die absolute Minderheit.“ Insgesamt, erklärt Föst, der gerne jugendlich spricht, den Menschen, laufe es in Bayern doch „bombe“. Die FDP sei wichtig, „weil die CSU einen braucht, der auf sie aufpasst“.

Föst will auch klassische FDP-Themen besetzen, „Ladenöffnung statt Ladenschluss!“, steht auf einem Plakat. Wirtschaft müsse in der Schule wichtiger werden, er wirbt für vergünstigte Krankenversicherungstarife für Existenzgründer. „Wir wollen ein gründerfreundliches Umfeld“, sagt Föst. „Das bedeutet aber nicht immer nur Hightech. Es geht auch um den, der den Job gekündigt hat, um eine Currywurst-Bude aufzumachen.“

Wer noch antritt

Von der ÖDP bis zu den Piraten – die Kandidaten der Kleinen:

-ÖDP: Für die Öko-Partei ÖDP tritt Thomas Prudlo an. Der 41-Jährige spielt in der kleinen Partei in München seit langem eine zentrale Rolle und war einst auch Bundesgeschäftsführer der ÖDP.

-Bayernpartei:Andreas Gmeinwieser (42) wirbt für die Bayernpartei um Stimmen. Der Trambahnfahrer möchte sich zum Beispiel für den Erhalt der bairischen Sprache auch in Großstädten und gegen „staatliche Bevormundung“ (Rauchverbot) einsetzen.

-Die Linke: Die Linkspartei verpasste 2008 nur knapp den Einzug ins Maximilianeum und erreichte 4,4 Prozent der Stimmen. Diesmal glaubt kaum einer, dass die Linken eine Chance haben. In Altstadt-Hadern tritt Erich Utz als Kandidat an. Der 54-jährige Jurist nennt als seine Ziele unter anderem die „Umverteilung zugunsten der sozial Schwachen“ und eine „gute medizinische Versorgung ohne Zuzahlung“.

-Piratenpartei: Für die Freibeuter wirbt Tobias Grömcke um Stimmen.

Felix Müller

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