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Eine Staatsflagge von Bayern steht im Plenarsaal des Landtags in München

Landtagswahl 2013 in Bayern

Verwandtenaffäre: Wem sie genutzt, wem geschadet hat

München - Die CSU geht als großer Sieger aus der Landtagswahl in Bayern hervor. Sogar jene Minister, die in die Verwandtenaffäre verstrickt waren, haben zum Teil Stimmen hinzugewonnen.

Die Verwandtenaffäre im Landtag hat einigen betroffenen Abgeordneten bei der Landtagswahl kräftig geschadet, anderen dagegen überhaupt nicht - im Gegenteil. Manche der betroffenen Parlamentarier konnten sogar ordentlich zulegen.

Den größten Absturz bei den Erststimmen musste der frühere Chef des Haushaltsausschusses, Georg Winter (CSU), hinnehmen. Er sackte in seinem Stimmkreis Augsburg-Land/Dillingen von 51,4 im Jahr 2008 auf nur noch 43,2 Prozent ab. Dennoch gewann Winter das Mandat deutlich. Winter hatte einst, bevor der Landtag die entsprechenden Regeln verschärfte, seinen Söhnen noch schnell Mitarbeiter-Jobs verschafft.

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CSU-Fraktionsvize Alexander König wurde für den Kauf einer teuren Luxuskamera abgestraft: Er sackte in seinem Stimmkreis Hof von einst 46,8 auf nur noch 40,0 Prozent der Stimmen ab. Dennoch verteidigte er damit sein Direktmandat deutlich. König hatte - formal zulässig - eine 6000 Euro teure Kamera gekauft und über den Landtag abgerechnet.

Pressestimmen zur Wahl: "Der Super-Horst"

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Den betroffenen Kabinettsmitgliedern, die zeitweise enge Verwandte als Mitarbeiter in ihren Abgeordnetenbüros beschäftigt hatten, schadete dies bei der Wahl nicht: Agrarminister Helmut Brunner legte bei den Erststimmen um 9,5 Prozentpunkte zu, Kultusstaatssekretär Bernd Sibler steigerte sich von 47,4 auf 56,0 Prozent. Finanzstaatssekretär Franz Josef Pschierer legte von 46,5 auf 51,3 Prozent zu, Innenstaatssekretär Gerhard Eck legte um 3 Punkte zu. Und auch Kultusminister Ludwig Spaenle steigerte sich um 3,4 Punkte.

Schwaben-CSU bekam Folgen der Affäre durchaus zu spüren

Auch dem ehemaligen SPD-Fraktionsgeschäftsführer, Harald Güller, der seinen Stiefsohn beschäftigt hatte und deshalb von seinem Posten zurückgetreten war, schadete die Affäre nicht. Er konnte sein Erststimmenergebnis in Augsburg-Stadt-West um 2,3 Punkte ausbauen.

Allerdings spürt die Schwaben-CSU die Folgen der Affäre durchaus: Während die Partei in allen anderen Stimmkreisen zulegte, musste sie in drei Kreisen Verluste bei den Gesamtstimmen hinnehmen: darunter in Winters Stimmkreis und im Stimmkreis Donau-Ries, den der über die Affäre gestürzte Ex-Fraktionschef Georg Schmid viele Jahre innehatte. Zudem musste die CSU Verluste im Stimmkreis Neu-Ulm hinnehmen, in dem zum ersten Mal Justizministerin Beate Merk antrat. Trotzdem holte Merk, die wegen des Falls Gustl Mollath bundesweit in die Schlagzeilen geraten war, das Direktmandat deutlich.

dpa

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