Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) spricht während einer Pressekonferenz
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Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff ist erneut der Spitzenkandidat der CDU.

Die Gesichter der Parteien

Spitzenkandidaten der Landtagswahl 2021 in Sachsen-Anhalt - viele neue Gesichter

  • Robert Märländer
    vonRobert Märländer
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Vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt hat sich das Karussell der Kandidat:innen kräftig gedreht. 2021 sieht das Personal anders aus als vor fünf Jahren.

Magdeburg - Fünf Parteien sind derzeit im Landesparlament vertreten, vielleicht ist es nach der Landtagswahl 2021 in Sachsen-Anhalt eine mehr. Die Mehrheiten im Bundesland sehen deutlich anders aus als im bundesweiten Trend und geben den Parteien womöglich Anlass für Kopfzerbrechen. Während sich der CDU-Spitzenkandidat große Hoffnungen machen darf, weiter Ministerpräsident zu bleiben, sind die Details einer neuen Regierungskoalition noch völlig offen.

Die Umfragen prognostizierten weniger als ein halbes Jahr vor der Wahl ein weitgehend identisches Wahlergebnis zu 2016. Im Moment regiert Schwarz-Rot-Grün, wobei dieses Bündnis eher als eine Anti-AfD-Koalition zu verstehen ist. Ein Bündnis aus Überzeugung ist es nicht.

Die Spitzenkandidaten der großen Parteien für die Landtagswahl 2021 in Sachsen-Anhalt

Sechs Parteien haben gute Aussichten, in den Landtag einzuziehen. Bis auf die CDU gehen 2021 alle von ihnen mit neuen Spitzenkandidat:innen ins Rennen. Bevor Sie Ihren Stimmzettel ausfüllen, zeigen wir Ihnen, wen die Parteien dieses Mal in die erste Reihe stellen.

CDU-Kandidat Reiner Haseloff ist haushoher Favorit bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt

Seit 2011 ist Reiner Haseloff der Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt. Seine CDU steht dort relativ gut da. Zwar ist ein Wahlergebnis um die 30 Prozent, das die Umfragen zu Jahresbeginn prognostizierten, für eine Volkspartei kein Anlass zur ausgelassenen Freude. Grundsätzlich führt aber kaum ein Weg an Haseloff vorbei, wenn es um die nächste Koalition geht. Ein Bündnis mit AfD oder Linkspartei - die sich wohl wieder auf Platz zwei und drei einrichten können - bleibt für die CDU im Grunde ausgeschlossen. Für den Ministerpräsidenten lautet deshalb eine wichtige Frage: Was passiert, falls es im letzten Moment doch nicht für ein Bündnis mit SPD, Grünen oder vielleicht der FDP reicht? In einem komplizierten Wahljahr wäre es für die CDU ein verheerendes Signal, wenn der Spitzenkandidat keine bürgerliche Mehrheit organisieren kann.

AfD-Kandidat Oliver Kirchner könnte Oppositionsführer bleiben

Oliver Kirchner führt die AfD in den Wahlkampf für die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt.

Die 20-Prozent-Marke wird die AfD bei der Landtagswahl 2021 wohl wieder deutlich hinter sich lassen. Demnach dürfte Oliver Kirchner seine Rolle als Oppositionsführer im Landtag behalten. Seit 2016 gehört er dem Parlament an und ist seit 2018 der Fraktionsvorsitzende der AfD. Eine Regierungsbeteiligung dürfte trotz der Umfragewerte weiterhin ausgeschlossen sein. Dass es eine breite Front gegen die AfD als Koalitionspartner gibt, liegt nicht zuletzt an Personen wie ihrem Spitzenkandidaten. Oliver Kirchner war Mitglied der Gruppierung „Der Flügel“, die am rechten Rand der Partei operierte. Bei der letzten Landtagswahl führte noch der Rechtsausleger André Poggenburg die AfD an.

Linke-Kandidatin Eva von Angern hat wohl keine Machtoptionen bei der LTW in Sachsen-Anhalt

Eva von Angern tritt für Die Linke als Spitzenkandidatin an.

Im Osten bleibt Die Linke stark, auch wenn das in Sachsen-Anhalt nicht mehr ganz so deutlich spürbar ist. Für Spitzenkandidatin Eva von Angern bleibt nach der Landtagswahl 2021 wohl eine doppelte Oppositionsrolle übrig - einerseits gegenüber der Regierung und andererseits gegenüber der AfD. Seit 2002 hat sie einen Sitz im Landtag und rückte im Dezember 2020 zur Co-Vorsitzenden der Linke-Fraktion auf. Rund 16 Prozent sagte man ihrer Partei zu Beginn des Jahres voraus. Falls sich daran nicht viel ändert, führt Eva von Angern Die Linke in einen Landtag, der fast genauso aussieht wie vor der Wahl. Das Wunschergebnis sieht für Die Linke natürlich anders aus. Der letzte Spitzenkandidat Wulf Gallert trat nach einem solchen Ergebnis vom Fraktionsvorsitz zurück.

SPD-Kandiatin Katja Pähle droht bittere Landtagswahl in Sachsen-Anhalt

Die SPD-Fraktionsvorsitzende in Sachsen-Anhalt, Katja Pähle, steht auf Listenplatz 1 für die Sozialdemokraten.

Der Absturz der Sozialdemokraten scheint vor der Landtagswahl 2021 in Sachsen-Anhalt gestoppt. Die schlechte Nachricht für die SPD lautet, dass sie sich seit der letzten Wahl auf einem Wert von nur rund 10 Prozent stabilisiert hat. Von einer Volkspartei kann man in diesem Bundesland nicht mehr sprechen. Trotzdem setzt die SPD mit der Kandidatin Katja Pähle auf bewährtes Personal. Pähle ist seit 2016 die Fraktionsvorsitzende im Landtag. Dass ein Ergebnis wie im Jahr 2016 für die SPD nach wie vor ein Desaster wäre, ist klar. Damals gab die Spitzenkandidatin Katrin Budde ihre Ämter auf, da es nur noch für 10,6 Prozent der Wählerstimmen gereicht hatte.

Grünen-Kandidatin Cornelia Lüddemann fehlt bundesweiter Aufwind

Cornelia Lüddemann führt die Grünen in eine Wahl, bei der wohl weniger zu holen ist als in vielen anderen Bundesländern.

Im Jahr der Bundestagswahl fliegen die Grünen in vielen Regionen sehr hoch und gelten als der große CDU-Konkurrent. Bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt darf ihre Spitzenkandidatin Cornelia Lüddemann aber nicht mit diesem Trend rechnen. Ob es überhaupt zu einem zweistelligen Ergebnis reicht, ist ungewiss. Lüddemann übernahm den Fraktionsvorsitz nach der vorherigen Wahl im Jahr 2016. Der Posten der grünen Ministerin in der Landesregierung ging an Claudia Dalbert, die sich in diesem Jahr nicht mehr für einen Listenplatz beworben hat. Als Ministerin stünde die frühere Spitzenkandidatin aber noch bereit, falls die Grünen wieder mitregieren.

FDP-Kandidatin Lydia Hüskens kämpft um Wiedereinzug in den Landtag

Lydia Hüskens will nach zehn Jahren mit der FDP zurück in den Landtag von Sachsen-Anhalt.

Mit einer neuen Spitzenkandidatin will die FDP in Sachsen-Anhalt die 5-Prozent-Hürde überwinden. Zuletzt war die Partei zweimal in Folge an diesem Ziel gescheitert. 2021 darf Lydia Hüskens die Liberalen in den Wahlkampf führen. Trotz der langen Abwesenheit ihrer Partei hat Hüskens bereits eine längere Vorgeschichte im Landtag von Sachsen-Anhalt. Dort hatte sie bereits von 2002 bis 2011 einen Sitz. Inzwischen ist sie amtierende Landesvorsitzende. Nachdem bei der letzten Wahl nur 0,1 Prozentpunkte für den Einzug in den Landtag fehlten, dürfte es für die FDP auch dieses Mal wieder knapp werden. (rm)

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