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Freunde – und Wettbewerber: Markus Söder lacht mit Ilse Aigner. Bei einem Posten lässt er ihr wohl den Vortritt.

Chefsessel in Reichweite

Ilse Aigner rückt dem Fraktionsvorsitz näher

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München - Nach Lage der Dinge ist Ilse Aigner unter den großen Gewinnern des wilden Wahlabends im Landtag. Die Oberbayerin hat in ihrem Bezirk ein gutes Ergebnis eingefahren - und greift jetzt nach dem Fraktionsvorsitz.

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Es ist kurz nach 18 Uhr, das Bündel Mikrofone wedelt schon unter ihrer Nase. „Was sagen Sie, Frau Aigner?“, schallt ihr entgegen. Frau Aigner sagt auch was, ja, es bricht förmlich aus ihr raus: „Jetzt brauch i erstmal a Bier!“ Sie wendet sich zum Tresen und lässt die Radioleute vorerst stehen.

Das Bier wird wohl kein Frustbier werden. Nach Lage der Dinge ist Ilse Aigner unter den großen Gewinnern des wilden Wahlabends im Landtag. Die Oberbayerin hat in ihrem Bezirk ein gutes Ergebnis eingefahren, im Heimatstimmkreis Miesbach sogar ein sehr gutes. Und vieles sieht danach aus, dass sie, obwohl Berlin-Reimport, die nächste Landtagsfraktion leiten wird. So murmeln es viele über die Landtagsflure.

Pressestimmen zur Wahl: "Der Super-Horst"

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CSU-Fraktionschef – auf den ersten Blick ein eher langweiliger Job ohne Ministertitel. Aber mit ungefähr Ministergehalt und mit sogar weit mehr Einfluss. In einer Alleinregierung ist der Vorsitzende der Fraktion der wichtigste Ansprechpartner, bei Bedarf auch Gegenspieler, des Regierungschefs. Ein Generalist, nicht reduziert auf ein Fachgebiet. Deshalb wollen Aigner und Finanzminister Markus Söder, derzeit die aussichtsreichen Seehofer-Kronprinzen, diesen Job.

Jubel und Tränen: Landtagswahl Bayern in Bildern

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Viele Indizien sprechen dafür, dass Aigner das schmucklose Büro im Landtag, Blick auf den Innenhof, beziehen darf. Ministerpräsident Horst Seehofer kann nach einer ungeschriebenen Regel den Fraktionschef vorschlagen. Er tendiert, so wird ihm nachgesagt, stark zur Oberbayerin. Beide kommen gut klar, ihr Wechsel in die Landespolitiker war seine Idee. Seehofer will herausgehobene Posten auch anhand der persönlichen Wahlergebnisse vergeben – da steht Aigner seit gestern Abend besonders gut da. Auch die noch amtierende Interims-Fraktionschefin Christa Stewens setzt auf Aigner. Am Donnerstag rutschte ihr im Fernsehen sogar das Wort „Nachfolgerin“ raus.

Aigners Terminplan ist wohl genau darauf abgestimmt. Nach Informationen unserer Zeitung will sie ihr Berliner Ministeramt vorzeitig zurückgeben, wahrscheinlich noch diesen Monat. Zum Vergleich: Alle anderen Bundesminister amtieren nach der Wahl am nächsten Sonntag noch einige Wochen weiter. Einer von ihnen (Peter Altmaier oder Peter Ramsauer) müsste dann ihr Ressort kommissarisch mit übernehmen. Aigner könnte mit der Rückgabe länger warten, wenn sie ins bayerische Kabinett einrücken wollte – das bildet sich erst Mitte Oktober. Der Fraktionschef wird schon Ende September gewählt. Den Termin legt Stewens fest. Und Seehofer sagt am Wahlabend, die Personalien würden ohne Streit zügig nach der Bundestagswahl entschieden. „In Harmonie“, sagt er.

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Söder macht Anstalten, sich mit dem Verbleib zu arrangieren. Er startete letzte Woche einen Vorstoß, die Kompetenzen seines Ministeriums zu erweitern. Söder beansprucht das Megathema Digitalisierung. Er wolle „Finanzminister plus“ werden, deutet das ein hoher Parteifreund. Gegen den nun bärenstarken Seehofer mit einer Kampfkandidatur gegen Aigner aufzumucken, wird Söder wohl nicht wagen.

Inoffiziell gilt im Rennen eine Pause bis 22. September, 18 Uhr. Die bayerische Personalie soll den Endspurt im knappen Bundestagswahlkampf der Union nicht belasten. Aigner wird die etwas unfreundliche Drohung zugeschrieben, jedem persönlich den Kopf abzureißen, der vorher über ihre Berufung laut spreche. „Jetzt wird gar nichts spekuliert“, sagt sie offiziell.

Die Mehrheit dürfte aber stehen. Knapp am Kopf-Abriss vorbei schrammt Erwin Huber, der Ex-Parteichef. „Ich will jemanden sehen an der Spitze der Fraktion, der die Geschlossenheit stärkt“, sagt er leicht verklausuliert: „Das kann nur jemand bekommen, der mannschaftsdienlich arbeitet.“ Genau das wird Aigner stets nachgesagt.

Christian Deutschländer

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