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Markus Söder schaffte es bis in die „New York Times“. 

Markus Söder schaffte es bis nach New York 

Landtagswahl Bayern: So denkt das Ausland über unsere Politik 

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Am Sonntag finden Landtagswahlen in Bayern statt. Doch auf die Ergebnisse der Wahlen warten nicht nur die politischen Beobachter in Deutschland. Auch das Ausland interessiert sich für unsere Politik. 

München – Im Sommer schaffte es Markus Söder bis nach New York – naja, zumindest eine Druck-Version von ihm. Die „New York Times“ stellte Bayerns Ministerpräsidenten damals in einem Porträt vor, ziemlich prominent, in der Samstagsausgabe. Auf dem Bild stand er etwas breitbeinig da und schaute grimmig durch zwei Reihen von Blasmusikern. Obendrüber stand: „Der Mann, den sie ‚Deutschlands Trump‘ nennen.“

Der Spitzname hat sich nicht durchgesetzt. Aber die Tatsache, dass ein bayerischer Politiker plötzlich auch die Menschen in New York interessiert, ist schon bemerkenswert. Seither hat das internationale Interesse an Bayern nicht abgenommen, im Gegenteil. Von der Landtagswahl berichten Journalisten aus der ganzen Welt.

Im Maximilianeum wird es am Wahlabend entsprechend kuschelig werden. Rund 1000 Medienvertreter haben sich angemeldet, darunter Teams von 50 ausländischen Medien. „Al-Dschasira“ ist genauso dabei wie das „Wall Street Journal“ und der Sender „Rai“ aus Italien. Vor fünf oder zehn Jahren berichteten zwar auch viele internationale Medien von der Wahl, sagt ein Landtagssprecher. „Aber diesmal sind es mehr.“

Landtagswahl in Bayern: „Was passiert, hat Konsequenzen für die Bundesregierung“

Das spüren vor allem die Parteien. In den Wochen vor der Wahl seien unglaublich viele Anfragen eingegangen, heißt es aus der CSU-Fraktion. Neben „BBC“ und „Daily Mail“ bat etwa die japanische „Yomiuri Shimbun“ um ein Interview, eine Zeitung mit der gewaltigen Auflage von fast 13 Millionen Exemplaren am Tag. Besonders groß ist das Interesse an den Grünen. „So viele Anfragen wie diesmal hat es noch nie gegeben“, sagt ein Sprecher.

Der Fokus auf die Bayern-Wahl hat verschiedene Gründe – einer ist ihre Tragweite. „Was in Bayern passiert, hat Konsequenzen für die Bundesregierung“, sagt Thomas Wieder – und zwar mehr als noch vor fünf Jahren.

Wieder schrieb lange über französische Innenpolitik, seit 2016 berichtet er für die Zeitung „Le Monde“ aus Berlin. Für die Wahl ist er extra nach München gereist. Der Streit zwischen Seehofer und Merkel, der absehbare Erfolg der AfD, der unerwartete Aufstieg der Grünen. „Bayern“, sagt er, „ist wie ein politisches Laboratorium.“

Das Ausland begreift diese Wahl auch als Fingerzeig für ein Europa, in dem sich populistische Tendenzen immer weiter durchsetzen. Wird es in Bayern auch so sein? Wie weit geht es am Ende nach rechts – oder nach links?

Lesen Sie auch: Neueste Umfrage: Grüne auf Rekordhoch, Dämpfer für die CSU.

Belgien über Markus Söder: „Der Mann, der Bayern verlor“

Den Aufstieg der Grünen hatte Wieder zunächst kaum auf dem Schirm. Auf den letzten Metern entdeckten interessanterweise gerade Frankreichs Medien die neue Kraft der Ökopartei, die sie als natürliches Gegengewicht zum Rechtsruck wahrnehmen. Die Pariser Tageszeitung „La Croix“ kommentierte kürzlich, die CSU treibe „einen Teil ihrer gemäßigten Wählerschaft zu den Grünen“. Ihr Fehler sei der Fehler vieler europäischer Regierungen, die „dem populistischen Druck fast überall in Europa zu sehr nachgeben“.

Am Ende geht es also doch um die CSU, die mal eine Ausnahmepartei in Deutschland war und jetzt mit der hausgemachten Misere kämpft. Das Brüsseler Magazin „Politico“ zeigt auf seiner aktuellen Ausgabe das Bild eines nachdenklichen Markus Söder, das Gesicht halb verdeckt. Titel: „Der Mann, der Bayern verlor.“ Und „Die Presse“ aus Wien beschrieb das Herumlavieren der CSU zwischen Merkel-Kritik und Koalitions-Scheinfriede als „Tragikomödie“, die am Ende nur einem nutzt: den Grünen.

Landtagswahl in Bayern als Maßstab: Wie sehr hat sich Europa verändert?

Am Freitag veröffentlichte die „New York Times“ wieder einen Text über Bayern, diesmal eine Reportage aus München, ein Stimmungsbild. Normalerweise, schreibt die Autorin, würde so eine Wahl in den USA niemanden interessieren. Aber Rechtspopulismus und Migration hätten Europa verändert. „Und diese deutsche Wahl wird zeigen, wie sehr.“ 

Landtagswahl Bayern 2018: Hier finden Sie am Wahlabend alle Zahlen und Ergebnisse

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