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Natascha Kohnen im Landtag.

Bittereböse Zahlen

Von der AfD eingeholt: Was die neue Umfrage für die SPD bedeutet

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Es ist ein Paukenschlag: Im Bayerntrend des BR liegen die Grünen inzwischen klar vor der SPD als zweitstärkste Kraft im Freistaat. Das Ansehenstief der Staatsregierung scheint mit dem Machtwechsel zu Markus Söder dagegen überwunden.

München – Plötzlich stand die blonde Frau mit dem Fransenkostüm ganz im Mittelpunkt. „Ich heiß’ Natascha Kohnen und ich weck gern Emotionen – mit Gejodel wär ich populär“, trällerte das Double auf der Bühne am „Nockherberg“. Die echte Natascha Kohnen, die für die SPD als Spitzenkandidatin in den Landtag zieht, saß im Publikum und wusste nicht genau, ob sie nun lachen oder weinen sollte. Auf der einen Seite fiel die Parodie ziemlich böse aus, auf der anderen war der Auftritt genau das, was die Bayern-SPD dringend brauchen konnte: vor Millionenpublikum im Scheinwerferlicht stehen.

 Etwas mehr als zwei Monate später kann Kohnen nun das Ergebnis sehen. Nur dürfte diesmal die Laune deutlich schlechter ausfallen. Sicher nicht nur, aber doch auch wegen des Auftritts beim Kabarettspektakel kann die SPD-Chefin einen deutlichen Bekanntheitsschub verbuchen. Im Januar kannten sie lediglich 39 Prozent der Befragten des Bayerntrends, diesmal waren es schon 51. Doch Kohnen dürfte das kaum trösten: Denn ihre SPD stürzt um vier Prozentpunkte ab und liegt nur noch bei zwölf (!) Prozent, gleichauf mit der AfD und klar hinter den Grünen, die weiter bei 14 Prozent stehen. „Trotz größerer Bekanntheit ist es Natascha Kohnen nicht gelungen, den Abstand zum Ministerpräsidenten zu verringern“, sagt Andreas Bachmann, Redaktionsleiter des BR-Magazins „Kontrovers“, das die Umfrage bei Infratest in Auftrag gab. „Das muss der SPD-Spitzenkandidatin zu denken geben.“

Mit Umfragen ist das so eine Sache: Immer wenn die Demoskopen falsch lagen, beteuern die Politiker, sie würden künftig nicht mehr allzu viel auf solche Erhebungen geben – um sie dann beim nächsten Mal doch wieder genau zu studieren. Das gilt vor allem für den Bayerntrend, der im Freistaat als detaillierteste Befragung gilt. Kurz vor der Landtagswahl orientieren viele Parteien ihre Strategien an den Zahlen.

Nicht einmal jeder Dritte weiß, wer Ludwig Hartmann ist

Die Grünen nehmen trotz ihrer guten Zahl in der Sonntagsfrage eine ganz besondere Hausaufgabe mit. Noch immer sind ihre beiden Spitzenkandidaten vielen Bayern kein Begriff. Nicht einmal jeder Dritte weiß, wer Ludwig Hartmann ist. Seine Kollegin Katharina Schulze ist zumindest 41 Prozent der Bayern ein Begriff. Bekanntester Oppositionspolitiker bleibt Hubert Aiwanger.

In einer eigenen Liga: Markus Söder ist deutlich bekannter als die Konkurrenz. Foto: dpa

Arbeit bleibt auch für die CSU: Mit 41 Prozent, die es derzeit auf die sogenannte Sonntagsfrage gibt, wäre die Partei am 14. Oktober sicher nicht zufrieden. „Die Sonntagsfrage misst aktuelle Wahlneigungen und nicht tatsächliches Wahlverhalten“, stellt BR-Redakteur Bachmann zwar klar. Es handele sich um „einen Zwischenstand im Meinungsbildungsprozess der Wahlbevölkerung, der erst am Wahlsonntag abgeschlossen ist“. Doch auch dieser Zwischenstand spiegelt noch nicht jene Entwicklung wider, die sich Söder mit seiner Regierungserklärung erhofft haben dürfte. Immerhin: Söder selbst sehen die meisten Bayern (56 Prozent) als guten Ministerpräsidenten, sogar Anhänger von AfD, FDP und SPD sind mit ihm mehrheitlich zufrieden.

Das ist der größte Kritikpunkt an der Staatsregierung

Damit steigt auch die Zufriedenheit mit der Staatsregierung. Im Januar hatte vor allem Horst Seehofer unter dem Eindruck der schwachen Bundestagswahl und der anschließenden schwierigen Koalitionsverhandlungen gelitten. Nun sind zwei Drittel der Befragten mit der Regierungsarbeit zufrieden. Gute Noten gibt es vor allem für die Wirtschafts- und Sicherheitspolitik. Größter Kritikpunkt bleibt die staatliche Wohnungspolitik: Lediglich 13 Prozent sind mit den Bemühungen der Staatsregierung zufrieden, 82 Prozent hegen Unmut. Kein Wunder, dass die Opposition mit dem GBW-Untersuchungsausschuss versucht, das Thema lange am Köcheln zu halten.

Besonders deutlich wird das gute Abschneiden Söders im Vergleich zur Konkurrenz bei der Frage, wen sich die Bayern als Ministerpräsident wünschen. Söder gewinnt gegenüber Kohnen nicht nur klar mit 62 zu 20 Prozent, er hat den Vorsprung in den vergangenen sechs Monaten noch deutlich ausgebaut. Interessant: Selbst unter SPD-Anhängern gewinnt Kohnen mit 47 zu 36 Prozent nur knapp. Insgesamt sind die Bayern übrigens deutlich zuversichtlicher: 61 Prozent blicken positiv in die Zukunft, deutlich mehr als im Januar. Es ist der beste Wert seit zweieinhalb Jahren.

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