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Martin Sonneborn.

Satire oder rechtswidrig?

„Irre Splitterpartei“: Sonneborn reagiert auf Kritik nach Wahlplakat mit abgetrenntem Söder-Kopf

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Ein Wahlplakat von „Die Partei“ sorgt bei der CSU für Aufregung. Der abgetrennte Kopf von Markus Söder ist zu sehen. Nun spricht „Die Partei“-Chef Martin Sonneborn.

Update vom 11. Oktober 2018 - 10.50 Uhr: Ein umstrittenes Wahlplakat der Satirepartei „Die Partei“ sorgt aktuell für Diskussionen. Auf dem Bild ist die „Die Partei“-Politikerin Andrea Kübert zu sehen, die einen blutenden Kopf von CSU-Politiker Markus Söder hält. Kübert trifft für „Die Partei“ bei der Bayernwahl am Sonntag als Landtags-und Bezirkstagskandidatin an. Wegen des Plakats, das mit der Überschrift „Christliche Werte hochhalten!“ versehen ist, prüft die CSU nun rechtliche Schritte. im Gespräch mit dem Stern hat nun „Die Partei“-Chef Martin Sonneborn auf die Kritik reagiert.

Er meint zur rechtlichen Prüfung der CSU: „Eine moralisch derart verkommene, irre, regionale Splitterpartei, die aus durchsichtigen Motiven heraus seit Jahren das komplette Land in Geiselhaft nimmt und eine seriösere Politik verhindert, sollte sich hier mit Kommentaren zurückhalten. Ich warte sehnsüchtig auf den Wahltag, der die Ein-Parteien-Herrschaft in Bayern beendet.“ Er habe außerdem keine Angst vor einem Strafverfahren wegen des Plakates, er vertraue in Zeiten eines verschärften Polizeiaufgabengesetzes darauf, „dass ein bayerischer Dorfpolizist, der solch ein Plakat entdeckt, das Problem einfach direkt vor Ort mit der Handgranate erledigt.“

Auf die Frage, wie es zu dem drastischen Motiv kam, meint Sonneborn: „Unsere bayerische Spitzenkandidatin Andrea Kübert hat wie üblich vor dem Schlafengehen in der Bibel gelesen. Eine ihrer Lieblingsgeschichten ist die von Judith und Holofernes. Und der Bogen, sagt sie, von der mutigen, keuschen, atemberaubend schönen Frau und dem tumben Imperator zu ihr und Söder läge auf der Hand.“ Außerdem will er mit seiner Partei „Die Partei“ auch weiterhin an Wahlen teilnehmen. „Die Partei“ habe bei einer Sonntagsfrage in Berlin gerade vier Prozent erreicht und läge damit in Bayern nur fünf Prozent hinter der SPD: „So lange die Sozialdemokraten noch zu Wahlen antreten, machen wir das auch.“

Wahlplakat der Satirepartei „Die Partei“ zeigt abgetrennten Söder-Kopf

Würzburg - Ein Wahlplakat der Satirepartei „Die Partei“ zeigt deren Würzburger Kandidatin. Sie ist blutverschmiert und hält den abgetrennten Kopf des Ministerpräsidenten Markus Söder mit der Hand hoch. Der Wahlslogan lautet „Christliche Werte hochhalten!“, und ist als Seitenhieb auf die Christlich-Soziale-Union gemeint, der der Ministerpräsident angehört. Das umstrittene Plakat sei unter anderem direkt vor dem Würzburger Dom angebracht, wie br.de berichtet.

„Nicht witzig, sondern das Letzte“

Ist das noch Satire? Darüber sind sich „Die Partei“ und die CSU nicht einig. Der CSU-Landtagsabgeordnete Oliver Jörg äußerste sich gegenüber br.de mit einer klaren Meinung: „Schäbig und völlig deplatziert“ sei das Plakat und überschreite „jegliche Grenzen des Anstands“. 

Angeblich leitete die CSU sogar juristische Schritte ein - es sei eine Strafanzeige gegen Unbekannt wegen Volksverhetzung und Beschimpfung von Bekenntnissen, Religionsgesellschaften und Weltanschauungsvereinigungen gestellt worden. Das berichtet br.de und beruft sich auf die Würzburger Main-Post. Von CSU-Politiker Jörg sei dies aber nicht bestätigt worden, auch Generalsekretär Markus Blume habe darüber keine Auskunft gegeben.

„Die Partei“ fürchtet keine rechtlichen Konsequenzen

„Die Partei“ hält dagegen: Das Plakat unterliege der Freiheit der Kunst und der Satire. Andrea Kübert von „Die Partei“ versicherte gegenüber br.de, dass sie keine juristischen Konsequenzen fürchte. Sie nahm Bezug auf das bekannte Motiv der Judith mit dem enthaupteten Kopf des Holofernes aus der Bibel und tat den Schritt juristisch gegen das Plakat vorzugehen als „Akt der Verzweiflung“ ab. Für „Die Patei“ habe das Ganze im Moment eher positive Folgen: Sie erhalte eine Menge Aufmerksamkeit. Es könnte also gut sein, dass die CSU der Satirepartei mit ihrer Reaktion eher in die Hände gespielt als geschadet hat - und deren Plan somit aufginge.

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