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Söder im Sinkflug

„Nicht nur als Priester - auch als Mensch“

„Ich brenne vor lauter Missständen“: Darum will ein Kirchenmann Markus Söder zum TV-Duell herausfordern

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Immer wieder kracht es zwischen CSU und den Christen im Land. Jetzt will ein Kirchenmann Ministerpräsident Markus Söder sogar zum TV-Duell herausfordern. Warum, das hat er Merkur.de erklärt.

München - Da könnte man doch tatsächlich nochmal von „bayerischen Verhältnissen“ sprechen: Eigentlich schwächelt die CSU in den Umfragen seit Monaten, von absoluter Mehrheit kaum noch eine Rede. Aber auf das bei Wahlen in Deutschland längst Tradition gewordene TV-Duell müssen die Bayern wohl trotzdem verzichten. Der BR will keine Neuauflage vor der Wahl im Oktober.

Kein Schlagabtausch vor dem Wahltag also? Offenbar macht Not auch in dieser Hinsicht erfinderisch. Denn nun will ein Kirchenvertreter einspringen und sich mit Söder vor laufenden Kameras duellieren. „Wenn Herr Söder keinen Gegenpart zu einem TV-Duell findet: Ich bin gerne sein kirchliches Gegenüber und rede Klartext“, postete der Fürther Dekan André Hermany am Freitag auf Facebook.

„Mein Gott, ich brenne vor lauter Missständen“ - das ärgert Söders „Herausforderer“

Auf welchen Feldern er „Klartext“ sprechen wollen würde, erklärt Hermany Merkur.de am Samstag auf Anfrage - die Liste ist lang: Der Dekan nennt unter anderem „den dummen Kreuzerlass“, den Umgang mit Flüchtlingen im Freistaat, den Pflegenotstand, hohe Mieten, einen Mangel an demokratischen Werten und die aktuelle Abschiebepraxis Bayerns. 

„Mein Gott, ich brenne vor lauter Missständen“, sagt Hermany. „Nicht nur als Priester, auch als Bürger und Mensch. Übrigens konfessionsübergreifend - ich bin katholisch, aber nicht blöd“, erklärt er mit einem Augenzwinkern.

Dass er keinen großen Namen hat, ist dem Mitarbeiter des Erzbistums Bamberg bewusst. „Ich bin eine kleine Flamme. Aber die brennt auch, aus Überzeugung“, meint Hermany. Trotzdem oder gerade deswegen könne ein Duell seinen Reiz haben: „Söder gegen No Name. Das wäre mal was anderes“, postete er auf Facebook. 

Sein Angebot eines TV-Gespräches ist übrigens durchaus ernst gemeint, wie Hermany Merkur.de versichert: „Selbstverständlich bliebe mein Angebot bestehen. Annehmen wird es ein Herr Söder aber kaum“, mutmaßt er. Hermany scheute sich übrigens auch vor seinem Vorstoß nicht, politisch klar Stellung zu nehmen: Bei einem Gottesdienst Ende Juli sprach er zum Thema Menschenrechte - die Fürther Nachrichten berichteten unter der Überschrift „Katholischer Dekan attackiert CSU-Flüchtlingspolitik“ über die Predigt.

Zuletzt immer wieder Streit zwischen CSU und den Kirchen

Die bayerische Staatsregierung war zuletzt immer wieder mit Vertretern der großen christlichen Kirchen aneinander geraten. Prominentestes Beispiel ist Söders „Kreuzerlass“. Der Ministerpräsident hatte seinen Standpunkt kundgetan, dass das Kreuz „kein Zeichen einer Religion“ sei - und Gegenwind unter anderem von Kardinal Reinhard Marx erhalten.

Auch bei anderen Anlässen reihten sich kirchliche Organisationen in den Protest gegen Regierungspläne ein. Beispiele sind die Demonstrationen gegen das umstrittene bayerische Polizeigesetz, aber auch die „#ausgehetzt“-Demo, bei der mehrere zehntausend Menschen in München gegen hetzerische Misstöne aus der Politik auf die Straße gingen. Im Fokus damals vor allem: CSU-Chef Horst Seehofer, Landesgruppen-Chef Alexander Dobrindt und Söder selbst.

Der BR hatte vor kurzem den Verzicht auf ein TV-Duell angekündigt. Der Grund klingt skurril - aber nachvollziehbar. Ministerpräsident Markus Söder fehlt ein klarer Konkurrent. Die Spitzenkandidatin der derzeit zweitstärksten Partei, Katharina Schulze von den Grünen, hat mit 33 Jahren noch nicht das nötige Alter erreicht, um zur Regierungschefin im Freistaat gekürt zu werden. Und überhaupt liegen mit Grünen, SPD und AfD drei Parteien in den Umfragen relativ gleichauf - dabei aber mehr als 20 Prozentpunkte hinter Söders CSU.

Lesen Sie auch: Kritik nach Söders Besuch in Wallfahrtskirche - Grüne: Präsentiert sich als Auserwählter

fn

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