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Liedermacher Roland Hefter singt den Anti-AfD-Song „Mia ned“. Millionen haben ihn schon im Netz gesehen, Tausende ihn geteilt. 

Interview

„Mia ned“-Liedermacher: „Die AfD-Anhänger leben in einer dunklen Welt“

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Kurz vor der Landtagswahl in Bayern geht ein Anti-AfD-Song viral. „Mia ned“, heißt er. Ein Interview mit Liedermacher Roland Hefter. 

Der Münchner Liedermacher Roland Hefter gehört zur Initiative „Künstler mit Herz“, die derzeit insbesondere über Facebook gegen die Wahl der AfD in Bayern mobilisiert. Sein Lied „Mia ned“ wurde innerhalb von einer Woche zu einem viralen Erfolg. Auf Facebook erzielte es schon weit über zwei Millionen Aufrufe, auch auf YouTube erreichte es schon Hunderttausende. 

Interview mit Roland Hefter über „Mia ned“

Sie haben mit den "Künstlern mit Herz" zur Landtagswahl ein Lied gegen die AfD aufgenommen. Inwiefern passt die AfD denn nicht zum bayerischen Lebensgefühl? 

Hefter: So ein kaltes Bayern, wie es die AfD will, wollen wir nicht haben. Wenn man die Gespräche verfolgt von den AfD-Anhängern in den Wirtshäusern, die sind alle in einer dunklen Stimmung. Da wird nicht gelacht, da wird nur geschimpft. Das hat mit einem fröhlichen, weltoffenen Bayern nichts zu tun. Die leben wie unter Wolken, in einer dunklen Welt. 

Die Werte der AfD sind bei neuesten Bayern-Umfragen auf zehn Prozent gesunken. Hatte das Lied einen Einfluss auf den schwächelnden Trend? 

Wir hoffen das natürlich, aber nicht nur das Lied, sondern genauso auch die anderen Beiträge, die auf der Seite "Künstler mit Herz" gepostet werden. Da sind ja ganz viele Prominente dabei, die sich gegen die AfD aussprechen. Das Lied ist nur ein Baustein der ganzen Bewegung. 

Wie erklären Sie sich diesen viralen Erfolg des Videos? 

Es ist ein Thema, das die Leute umtreibt. Es beschäftigt die Leute, die Angst davor haben, dass wir einen Rechtsruck bekommen in Bayern. Und es beschäftigt die AfD-Anhänger, die Angst haben, dass ihr Programm entlarvt wird. Das ist super, weil es gegen die Politikverdrossenheit mobilisiert und wir so eine höhere Wahlbeteiligung bekommen. Wir haben ganz bewusst positive Stimmung auf den Weg gebracht, mit Angst kann man nichts bewegen. 

Bei dem Liedtext geht es gar nicht um die Flüchtlingspolitik. Wieso haben Sie das nicht thematisiert? 

Klar hätten wir das ansprechen können, aber dann wäre alles nur um die Flüchtlinge gegangen und dann macht man es der AfD zu leicht. Es gibt ganz viele Leute, die einfach nur sagen "scheiß Flüchtlinge" oder "scheiß Islam" und deswegen die AfD wählen. Es ist aber ganz wichtig aufzuzählen, für was die AfD noch steht. Es geht ja um viel mehr bei dieser Partei. 

Wie waren denn die Rückmeldungen aus dem AfD-Wählerlager? 

Unabhängig von Beleidigungen, die an mir abprallen, ärgern mich drei falsche Vorwürfe. Dass ich es nur machen würde, um Erfolg zu haben, wir von anderen Parteien finanziert werden würden und die Behauptung, dass alles gelogen sei. Das Video hat nichts gekostet, nur Arbeitszeit. Von den Kameraleuten, dem Cutter bis zu den Schauspielern haben alle professionell und ohne Bezahlung mitgewirkt. Und wir lügen auch nicht über die AfD-Forderungen. Das steht alles im Programm zur Bundestagswahl 2017 drin und kann von uns belegt werden. Wir haben das genommen, weil das bayerische Wahlprogramm bewusst schwammig formuliert ist. Ich mache nun am Wochenende ein weiteres Video und unterstreiche dabei mit einem Marker die Stellen, auf die ich mich im Lied beziehe. 

Der AfD wird vorgeworfen, dass sie komplexe politische Herausforderungen auf radikale Forderungen zuspitzt. Sie selbst spitzen aber auch zu in Ihrem Lied. Etwa wenn Sie singen, dass Frauen aus AfD-Sicht den Männern gefügig sein sollen. 

Ich kann natürlich nicht das ganze Parteiprogramm vertonen. Ich muss versuchen, 1-2 Seiten in einen Satz zu kriegen. Im Grunde aber ist es die Konsequenz aus dem, was im Parteiprogramm steht. Die Stelle klingt vielleicht krass, ich kann es Ihnen aber sogar vorlesen. (Hefter sucht im AfD-Wahlprogramm) Da steht zum Beispiel drin: "Schwerwiegendes Fehlverhalten gegen die eheliche Solidarität muss bei Scheidungsfolgen wieder berücksichtigt werden." Also im Grunde: Wenn man Sex verweigert, ist es ein Scheidungsgrund und hat Auswirkungen auf die Schuldfrage. Wir wollten das AfD-Parteiprogramm nicht verharmlosen, sondern ein bisschen plakativer darstellen, um die Leute wachzurütteln. 

Gibt es eine Forderung der AfD, die Sie besonders schlimm finden? 

Das allerschlimmste im Parteiprogramm ist, dass sie die Seenotrettung abschaffen wollen. Das finde ich so unmöglich, Menschen bewusst absaufen zu lassen, nur um andere abzuschrecken, nicht nach Europa zu kommen. Das finde ich sowas von furchtbar, unmenschlich und unchristlich. Und natürlich die Verharmlosung des Dritten Reichs. Wir "Künstler mit Herz" haben da viele Zitate gesammelt aus Reden von AfD-Politikern. Es gibt anscheinend wirklich Leute in der AfD, die sich das Nazi-Deutschland zurückwünschen. 

Die ersten Punkte im Liedtext betreffen aber auch die CSU oder andere bürgerliche Parteien: Ablehnung von Frauenquoten, Kritik am Konzept von Inklusionsschulen oder das Thema Kohleenergie... 

Es gibt natürlich Kräfte in der CSU, die sich davon angesprochen fühlen könnten. Es gibt aber genauso Leute in der Partei, die fortschrittlich denken. Das Lied richtet sich in diesem Fall an das AfD-Wahlprogramm, aber wir "Künstler mit Herz" sind einfach generell gegen den Rechtsruck in der Politik. Wenn sich die CSU oder auch andere Parteien angesprochen fühlen, dann ist das schön. 

Gibt es von Ihnen eine Wahlempfehlung zur Landtagswahl? 

Bayern soll nicht weiter nach rechts rutschen, egal in welcher Konstellation. Außerdem wünsche ich mir persönlich, dass die CSU nicht weiter AfD-Punkte ins Programm holt, sondern wieder das Christliche mehr in den Mittelpunkt stellt. Und ich würde mir wünschen, dass die AfD genauso verschwindet, wie die Republikaner früher. Dass es einfach nur eine Phase ist.

Hier können Sie das Video „Mia ned“ ansehen

Das Interview führte Marcel Görmann

Lesen Sie auch: Herr Söder, kriegen Sie die AfD klein?

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