Beängstigendes Verschwinden von Mutter (41) und Tochter (16): Wie vom Erdboden verschluckt

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Auf ein Eis mit Ludwig Hartmann: der Favorit in München-Mitte im Wahlkampf.

Der tiefe Fall der Partei 

Krise vor der Landtagswahl: Jetzt bangt die CSU um ihre Direktmandate

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Die Polit-Karte von Bayern war lang tiefschwarz: Die CSU holte jedes Direktmandat zwischen Tölz und Hof. Jetzt setzen die Grünen dazu an, Stimmkreise zu gewinnen. Für CSU-Größen ist das dramatisch.

München – Hans Theiss ist Kardiologe. Er durchleuchtet mit Schläuchen die Herzen seiner Patienten. Vielen rettet er damit das Leben. Nun soll er das für die CSU machen. Zumindest im Stimmkreis 109 München Mitte, im Herzen der Stadt, in dem er Direktkandidat ist. Sein Konkurrent: Ludwig Hartmann von den Grünen. Es dürfte eine aussichtslose Operation werden.

Der Stimmkreis wurde neu geschaffen, weil München wächst. Anders als die CSU. Sie verliert – laut Umfragen wöchentlich. Schon von Anfang an, so murmelt man in der CSU, wurde dieser Stimmkreis so zugeschnitten, dass er einige strukturell kaum konservative Viertel bündelt: „Unsere bad bank“. Die Hoffnung: Hier verlieren, überall anders gewinnen.

Hans Theiss sucht Distanz zum CSU-Ton.

Doch irgendwie bewahrheitet sich nur die erste Hälfte. Was nicht an Theiss liegt. Der 41-Jährige, Schwabinger, blau-verspiegelte Sonnenbrille, offenes Hemd, mit Kickbox-Weltmeisterin Christine Theiss verheiratet, macht einen ungewöhnlichen Wahlkampf. An diesem Vormittag steht er im sonnigen Glockenbachviertel in München, einem Szeneviertel: Nachtleben, Currywurstbuden, Cafés, alternative Gegend. Kein CSU-Land, das weiß Theiss. Er sagt: „Es wird schwer.“ Doch er kämpft. „Die Partei kann mehr. Und sie wird Volkspartei bleiben. Egal wie viel Prozent sie holt“, sagt er und macht sich Mut.

Hartmann: „Wir starten aus einer Pole-Position“

Auf seinen Wahlplakaten leuchten pinke Herzen neben seinem Gesicht mit den blauen Augen und dem verschmitzten Lächeln. Das CSU-Logo versteckt sich klein in einer Ecke. „Ich zähle mich zu den Liberalen in der CSU“, sagt Theiss. Keine Tracht, keine Oberlandthemen. Drogenkonsumräume soll es in der Stadt geben, ist er überzeugt. Dafür stimmte kürzlich der Stadtrat geschlossen. Theiss spricht vieles offen aus, was sich andere in der Partei hinter verschlossenen Türen an den Kopf werfen dürften. Dass die Partei große Fehler gemacht habe, im Frühjahr, mit der Sprache beim Flüchtlingsthema zum Beispiel. Als Theiss am Christopher-Street-Day am Münchner Marienplatz vor Tausenden feiernden Menschen das so ähnlich auf einer Bühne sagte, gab es Applaus und „erstaunlicherweise wenig Buh-Rufe“.

Trotzdem führt er ein aussichtsloses Rennen. Hauptkonkurrent: der Fraktionschef der Grünen. „Wir starten aus einer Pole-Position, die Resonanz beim Haustürwahlkampf ist großartig“, sagt Ludwig Hartmann. Dennoch traut er der Stimmung noch nicht. Obwohl er in ganz Bayern Termine hat, steht er am Samstagmorgen wieder ab 7.30 Uhr am Mariahilfplatz. Hartmann hat sich einiges einfallen lassen, was dem Lebensgefühl in Westend, Glockenbachviertel und Haidhausen entspricht. Er verschenkt Eis aus einem mobilen Eiswagen, stellt Liegestühle auf. „Ich will Sonne tanken“, steht darauf.

Ludwig Spaenle, der Münchner CSU-Chef: Droht sein Aus?

Ludwig Spaenle droht das endgültige Aus.

Dieser Stimmkreis 109 – eine Art grünes gallisches Dorf, trotz Theiss’ Operation? Weil die CSU bayernweit so dramatisch sinkt, wanken längst sechs bis acht weitere Stimmkreise in Bayern. Schwabing ist darunter, auch nicht gerade konservativ bis auf die Knochen. Hier tritt Ludwig Spaenle, der Münchner CSU-Chef, seit 24 Jahren im Landtag, zu einer dramatischen Schlacht an. Nach seiner Demission aus dem Kabinett droht ihm das totale politische Aus, sollte er diesen Stimmkreis nicht holen. Ein Einzug über die Liste ist wegen der CSU-Werte kaum drin. Das Portal „election.de“, das die Daten aller 91 Stimmkreise errechnet, sieht in Schwabing einen Grünen-Politiker mit einer Zwei-Drittel-Wahrscheinlichkeit vorn. Spaenle rackert wie besessen. Der Ex-Kultusminister, 57, klebt Tag für Tag persönlich Plakate, die dann über Nacht wieder zerstört werden.

Gute Chancen auch für Freie Wähler

Knapp führen die Grünen auch im Münchner Süden und in Milbertshofen, in Nürnberg-Nord und in Würzburg-Stadt, wo der in Fachkreisen hochgeschätzte junge CSU-Sozialpolitiker Oliver Jörg kandidiert. In Forchheim scheinen die Freien Wähler um Thorsten Glauber zu führen. Im Landtag wird auch geraunt, Freie-Wähler-Chef Hubert Aiwanger könne in Landshut gewinnen, das geben die Daten des Portals sowie einer weiteren Wahlkreisstudie aber nicht her.

Die Zahl der unsicheren Stimmkreise seit September steigt jede Woche. Hinzu kommen zwei wackelige Promi-Bezirke: Staatskanzleichef Florian Herrmann hat in Freising die Grünen im Nacken, ebenso Innenminister Joachim Herrmann in Erlangen – dass er, der mal als Ministerpräsident gehandelt wurde, ganz aus dem Landtag fliegen könnte, macht selbst gestandene CSU-ler fassungslos.

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