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Von der Wiesn in die Politik: Gabriele Weishäupl.

Das sind die Kandidaten für München-Bogenhausen

München - Sie haben die Wahl: Am 15. September entscheiden die Bürger, welche Politiker in den 17. Bayerischen Landtag einziehen dürfen. München ist aufgeteilt in acht Stimmkreise. Wir stellen ihnen die Kandidaten für Bogenhausen vor.

CSU: Robert Brannekämper

Er will einfach mehr. Da war es für Robert Brannekämper (46) fast schon egal, ob er für den Bundestag oder den Landtag kandidiert. Ins Rennen um den Bundestag schickten die CSUDeligierten schließlich Wolfgang Stefinger (27). So kam es, dass Brannekämper in einem Überraschungscoup Thomas Zimmermann (66) stürzte, der in Bogenhausen drei Mal hintereinander das Direktmandat geholt hatte. Parteifreunde hätten ihn gebeten, zu kandidieren, betont Brannekämper. „Die Funktionsträger wollten einen Generationenwechsel.“ Mit 46 gehört er zwar auch nicht mehr zu den ganz Jungen bei den Christsozialen, doch Brannekämpers Politikkarriere ist ohnehin nicht die klassische Geschichte mit Anfängen in der Jungen Union.

Erst mit 28 Jahren kam er zur CSU, aus einem bestimmten Grund: Der junge Architekt war leidenschaftlicher Ehrenamtler bei der Freiwilligen Feuerwehr und wollte kämpfen. „Es war nie Geld für das nötige Equipment da“, sagt er. Mit 31 wurde er in den Münchner Stadtrat gewählt, eine kleine Sensation, er hatte auf Platz 43 kandidiert. Inzwischen ist Brannekämper, der im Kommando der Freiwilligen Feuerwehr sitzt, im Rathaus Experte für Sicherheitsfragen und Stadtplanung.

Das sind auch die Themen, mit denen er im Wahlkampf punkten will. „München muss München bleiben“, sagt er – und fordert Grenzen für die Bebauung. „Keine Wohnhochhäuser, keine endlose Nachverdichtung.“ Das Problem müsse auch in der Region gelöst werden. Zum Beispiel macht sich Brannekämper für Regionalzüge stark, die ohne Halt zu den S-Bahn- Endhaltepunkten fahren und so das weitere Umland bedienen. Und: Er will, dass Stadt, Freistaat und Bund zusammenarbeiten, um mehr Dienstwohnungen gerade für junge Polizeibeamte zu schaffen.

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 Im Stimmkreis ist der Kandidat zuletzt bei einigen Radltouren unterwegs gewesen. Mit dem Fahrrad fährt er auch, so oft es geht, von Oberföhring, wo die familieneigene Haus- und Grundstücks GmbH sitzt, ins Rathaus. „Ich will ja keine Ratsherrenfigur haben“, sagt er und lacht. Politik müsse für die Menschen da sein, sagt Brannekämper, der sich schon mal Einzelschicksalen annimmt. „Die Leute merken, dass sich der Brannekämper kümmert.“ Das Ziel ist klar: Mindestens 31 Prozent der Erststimmen. So viele vereinte sein Vorgänger Thomas Zimmermann 2008 auf sich.

Caroline Wörmann

SPD: Hans-Ulrich Pfaffmann

Reingehängt hat er sich in allen drei Landtags-Wahlkämpfen. Jetzt ist Hans-Ulrich Pfaffmann im vierten – und letzten. „Ich gehe aber nicht von einer gmahden Wiesn aus“, sagt der 57-Jährige. Manchen machen 15 Jahre auf der Oppositionsbank mürbe. Pfaffmann aber hat nichts von seiner Beharrlichkeit und Betriebsamkeit eingebüßt. „Man muss halt eine innere Einstellung haben“, sagt er. „Dann geht das.“

Er habe „keinen Schmarrnjob“ – da helfen dem ausgebildeten Krankenpfleger seine Themen Sozialpolitik und Bildung. „Ich kann nicht akzeptieren, dass der Leistungsdruck so hoch ist, dass Schule keinen Spaß mehr macht“, brummt Pfaffmann. Mehr Lehrer, kleinere Gruppen, individuelle Förderung lautet sein Rezept. Das Gymnasium soll neun Jahre dauern, mindestens fordert er aber eine Wahlmöglichkeit, ob G8 oder G9.

Die Alten sind sein anderes großes Thema. Es brauche Lösungen gegen die Altersarmut – und „eine echte Solidarversicherung, die das Risiko Pflege abdeckt“. Die Altersgrenze ist auch bei ihm selbst Thema, 2018 will er aufhören. „Ich gehöre nicht zu denen, die man mit den Füßen voran aus dem Amt trägt“, sagt er bestimmt. Und doch: Sie nagen an ihm, die schlechten Umfragewerte der SPD, das gibt der fünffache Vater zu – gerade wegen des Spitzenkandidaten Christian Ude, dessen letzten OB-Wahlkampf er erfolgreich organisierte. Er sagt aber auch: „Ich erlebe eine andere Stimmung.“

Das sei auch und gerade in Bogenhausen so, wo man ihn kennt – und wo er trotzdem ein paar Wochen lang von Tür zu Tür gehen und sich vorstellen will. Im Stimmkreis setzt er sich dafür ein, die Betreuungssituation für Kinder zu verbessern, ein allgemein zugängliches Bürgerzentrum zu schaffen – und: Er will eine breite Bürgerbeteiligung für den geplanten Bürokomplex Bogenhausener Tor.

Energisch, so kennen Pfaffmann auch die Münchner Genossen, deren Vorsitzender er seit Mai 2009 ist. Manchem ist er da auch zu unbeirrt – was er mit dem Satz quittiert: „Ein Vorsitzender muss manchmal sagen, wo’s lang geht.“ Wo es beim Privatmensch Hans-Ulrich Pfaffmann langgeht? „Irgendwann will ich mit meiner Frau im Wohnmobil die gesamte Mittelmeerküste abfahren“, sagt er. Und noch einen Traum hegt er, für seinen Verein, die Löwen: „Die Sechzger-Familie“, sagt er, „braucht einfach ein eigenes Stadion.“

Caroline Wörmann

Grüne: Ludwig Hartmann

pische Grüne aus: Smarter Haarschnitt, gebräunt, Sakko. Doch Ludwig Hartmann ist durch und durch Grüner – und zudem in der Partei rasant aufgestiegen. 2008 zog er ins Maximilianeum ein, 2012 wäre er um ein Haar Bayerns erster grüner Bürgermeister geworden – in seiner Heimatstadt Landsberg. „Eine respektable Treppe“, findet er selbst.

Nun hat der 35-Jährige hinter Fraktionschefin Margarete Bause Listenplatz 2 und sagt selbstbewusst: „Ich bin zu 99,9 Prozent wieder drin.“ Drin, also im Maximilianeum, musste sich der Jungpolitiker erst beweisen. „Man muss sich seinen Platz erkämpfen.“ Geholfen hat ihm sein Thema Energiepolitik. „Ich wollte ein grünes Urthema – und hab es bekommen.“

Neben dem Atomausstieg und dem Ausbau regenerativer Energiequellen geht es ihm um den Umgang des Freistaats mit Flächen. 20 Hektar würden jeden Tag zubetoniert, ohne dass sich Gemeinden Gedanken machen. Für Hartmann ist das „der Ausverkauf der Heimat“. Er fordert etwa, in Gewerbegebieten in die Höhe zu bauen. Auch wenn Hartmann in Landsberg lebt, er kandidiert in München-Bogenhausen – für die harte Wahlkampfphase hat er sich in eine WG eingemietet.

Seinen Job in der Werbebranche hat er 2009 aufgegeben, um sich ganz der Politik zu widmen. „Fraktionschef zu werden ist schon ein Ziel“, sagt er. Jetzt aber geht er erst einmal auf Ochsentour – mit einem Elektro-Lastenfahrrad macht er Wahlkampf. Einen Gang runtergeschaltet hat er bei den Wahlplakaten. 2008 inszenierte er sich als König Ludwig II. mit dem Slogan „Wieder ein Ludwig für Bayern.“ „Das kam nicht überall gut an“, sagt der Werber. Jetzt lässt er Themenplakate aufhängen. Sie zeigen nicht einmal sein Konterfei.

Caroline Wörmann

FDP: Gabriele Weishäupl

An Haustüren wird sie garantiert nicht klingeln im Wahlkampf. „Wenn es um die Bekanntheit geht, hab ich bestimmt kein Problem“, sagt Gabriele Weishäupl. Stimmt. Die Frau war schließlich 27 Jahre lang das Gesicht des Oktoberfestes. Mit der Nominierung der 66-Jährigen als Landtagskandidatin landete die schwächelnde FDP einen Coup.

„Frau Wiesn sagt leise Servus“, schrieb der Focus. Nun ist sie mit großen Hallo wieder da. Und tritt unter anderem „für die Liberalisierung der Lebensarbeitszeit“ ein – ein Seitenhieb in Richtung rot-grüner Rathauskoalition, der sie als Tourismuschefin diente: „Ich hätte gern weitergemacht, aber es wurde mir nicht gewährt.“

Wer angenommen hatte, dass Weishäupl parteipolitisch nicht festgelegt ist, hat sich geirrt. „Die FDP war schon vor 40 Jahren meine Partei“, sagt sie. Mit ihrer Kandidatur – auf Listenplatz neun in Oberbayern – stelle sie nun die Erfahrungen ihres „erfolgreichen Berufslebens im Dienst der Wirtschaft und von Brauchtum und Tradition“ zur Verfügung. Den Mittelstand will sie fördern und, natürlich, den Tourismus. Sie fordert die vollständige Gleichstellung schwuler und lesbischer Lebenspartnerschaften – und das Familienanstatt des Ehegattensplittings. „Wo Kinder sind, muss Steuererleichterung her“, sagt Weishäupl. Das sei die Erfahrung ihres eigenen Lebens als alleinerziehende Mutter.

„Im Bierzelt herumschreien“ ist ihre Sache nicht. „Wehrhaft bin ich aber schon.“ Nur beim zweiten Stammstreckentunnel änderte sie ihre Meinung. „Ich bin niemand, der notwendige Infrastrukturprojekte boykottiert“, sagt Weishäupl, die bis dato den Südring favorisierte. Und die Finanzierung? „Da glaube ich meinem Minister Zeil, der sagt, das Geld kommt.“

Caroline Wörmann

Freie Wähler: Ingeborg Michelfeit

Sie ist das Gesicht der Tunnelgegner in Haidhausen: Ingeborg Michelfeit (62). Seit acht Jahren kämpft die Münchnerin mit der Bürgerinitiative gegen den Bau einer zweiten Stammstreckenröhre. Durch ihr Engagement kam sie in Kontakt mit den Freien Wählern (FW), für die sie nun – auf Platz 25 der Oberbayernliste – für den Landtag kandidiert.

Natürlich stehe das Tunnelthema auch im Wahlkampf „ganz oben auf der Agenda“, sagt Michelfeit, die sich alternativ für den S-Bahn-Südring einsetzt. Der S-Bahn-Ausbau sei „eines der entscheidenden Themen für die Zukunft des öffentlichen Nahverkehrs in der Region, gleichzeitig aber dürfe der Straßenverkehr nicht vernachlässigt werden. Michelfeit ist Mitglied des neuen Verkehrsarbeitskreises der FW, wo sie sich unter anderem für die Optimierung von Ampelschaltungen einsetzt. Obwohl Großstädterin, will Michelfeit der Entwicklung des ländlichen Raums mehr Aufmerksamkeit schenken. „Auch dort muss die Infrastruktur weiterentwickelt werden, sonst werden weiter Bahnhöfe geschlossen – und die Jungen ziehen in Scharen weg.“

Die Mutter zweier erwachsener Söhne treibt aber auch die Frage um, ob Schüler acht oder neun Jahre am Gymnasium lernen sollen. „Ich finde, dass jeder die Wahlfreiheit haben soll, ob er das Abitur im Schnelldurchlauf machen will oder nicht“, sagt Michelfeit.

Michelfeit ist eigentlich selbständige Unternehmensberaterin und Jobtrainerin. „Mein Job ist aber durch meine Kandidatur in den Hintergrund geraten“, sagt sie. Im Wahlkampf will sie ihre Kontakte im und über das Viertel hinaus nutzen – und die Menschen direkt ansprechen. „Ich werde aber nicht an Straßenkreuzungen und Lichtmasten rumhängen“, sagt sie und lacht.

Caroline Wörmann

Wer noch antritt

Im Stimmkreis 102 treten bei der Landtagswahl 2013 noch mehr Kandidaten an: Für die Linke ist Brigitte Wolf nominiert. Die 50-jährige Diplom-Informatikerin steht auf Platz eins der Kandidatenliste ihrer Partei. Sie sitzt zudem seit 2002 im Münchner Stadtrat.

Für die ÖDP geht der Softwareentwickler Gerd Lierhammer (50) ins Rennen. Für die Bayernpartei kandidiert erneut Richard Progl. Der 34-jährige Unternehmer sitzt bereits für seine Partei im Münchner Stadtrat – die Bayernpartei bildet dort seit Mai dieses Jahres zusammen mit den Freien Wählern und der ÖDP die Fraktion der „Bürgerlichen Mitte“.

Die Piraten schicken ihre stellvertretende München- Chefin Rebecca Wißner (28) ins Rennen.

Weiterer Kandididat im Stimmkreis Bogenhausen ist Frank-Uwe Hermann (Republikaner). wö

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