+
„Online und offline ein Renner“: Das sagt Vorstandsmitglied Christian Baumeister über das von ihm gestaltete Partei-Plakat mit der bayerischen Muslima. Darauf steht auf Arabisch: „Bayern ist schön“.

Satire im bayerischen Landtagswahlkampf 

Die Partei fordert: „Baut ein zweites Schloss Neuschwanstein“

  • schließen

Christian Baumeister nennt sich „Wahlsiegkoordinator“. Er spricht für „Die Partei“, die mit Satire Politik macht - und mit mehr als unkonventionellen Ideen.

Augsburg– Wenn „Die Partei“ eine Bierpreisbremse fordert, ist das harmlos-witzig. Wenn sie dafür plädiert, dass Deutschland nicht mehr Flüchtlinge als das Mittelmeer aufnehmen darf, regt sie zum Nachdenken an. Und zum Aufregen: Die „Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative“ – wie sie offiziell heißt – provoziert mit den Mitteln der Satire. Seit der Gründung 2004 durch den ehemaligen „Titanic“-Chefredakteur Martin Sonneborn parodiert „Die Partei“ Rhetorik und Auftreten der anderen. Das wird im Gespräch mit dem selbst ernannten „Wahlsiegkoordinator“ Christian Baumeister (53) deutlich. Der Filmemacher aus dem Kreis Augsburg pendelt ständig zwischen Ernsthaftigkeit, Übertreibung und Ironie.

Herr Baumeister, Sie haben ein Plakat gestaltet, das eine Muslima mit Hijab in Weiß-Blau zeigt. Darunter steht auf Arabisch: „Bayern ist schön“. Welche Reaktionen bekommen Sie darauf?

Das Plakat ist online und offline ein Renner. Die Resonanz ist zu 90 Prozent positiv – sogar eine SPD-Landtagskandidatin und einer Grünen-Kreisrätin haben es gelobt. Manchmal wird es beschädigt, oft verschwindet es – wohl weil es die Leute daheim haben wollen. Das Wichtigste ist aber: Viele Menschen bitten uns um diese Plakate, weil sie sagen: Bei uns hängt nur die AfD. Sie wollen dem entgegenwirken.

Und was soll uns die bayerische Muslima sagen?

Wir zeigen, wie schön Bayern ist, und dazu gehören schöne Menschen. Wir haben nichts gegen Araber, auch wenn sie verschleiert sind. Sie bringen ja eine Menge Geld mit. Wenn sie sich hier ihr Knie operieren lassen und die Frauen währenddessen shoppen gehen, sind wir doch alle zufrieden. Es ist diese Zweischneidigkeit: Wenn du Geld mitbringst, kannst du kommen – egal wie du aussiehst. Aber wenn du kein Geld hast, hat man sofort Angst vor dir. Dann ist die Kultur in Gefahr.

Warum sollte man „Die Partei“ wählen?

Weil sie sehr gut ist. Weil sie sozialer ist als die SPD. Und weil sie mittlerweile die einzige seriöse Partei ist.

Flüchtlinge sterben im Mittelmeer, der Klimawandel wird spürbar, rechte Populisten erstarken: Die Lage ist doch zu ernst für eine Spaß-Partei und Satire-Politik.

Die Spaß-Partei sind nicht wir, sondern die FDP. Wenn es zwei Möglichkeiten gibt, nehmen wir die dritte. Weil wir die Probleme komplett enthemmt angehen, können wir sie auch lösen. Sie müssen doch da hin gehen, wo die Menschen sind. Deshalb machen wir auch Wahlkampf auf der Datingplattform Tinder. Ich glaube, dass Satire die einzige erfolgversprechende Möglichkeit ist, an denkende Menschen ranzukommen. Welches andere Plakat fällt denn noch auf? Die anderen sind viel zu sehr in ihren eigenen Verstrickungen gefangen. Nur wenn man Inhalte überwindet, schafft man Freiraum, um Dinge neu anzugehen.

Inhaltsleere kann doch kein Ziel sein.

Sicher nicht, aber Ruhe schafft Kreativität. Nicht umsonst haben wir eine Faulenzerquote in der Partei. Nur wenn Sie Müßiggang haben, kommen Sie auch auf Ideen.

Wie erklären Sie das Menschen, die für viel Arbeit schlecht bezahlt werden und am Existenzminimum leben müssen?

Nehmen Sie unser Plakat „Pfand rauf, Armut runter“. Es suggeriert, dass Armut von denen bekämpft wird, die fleißig am Altglascontainer hängen. Damit greifen wir aber nur eine Argumentation der aktuellen Politik auf: Wenn Jens Spahn dem Pflegenotstand begegnet, indem er sagt, Teilzeitkräfte müssten drei Stunden mehr arbeiten. Wir geben den Menschen einen Denkanstoß und zeigen, dass Ursachenbekämpfung nicht mehr stattfindet. Angela Merkel hat bei einem Besuch in Augsburg gesagt, die Ursache der Flüchtlingskrise seien die Schlepper. Dann müssen wir also nur die Schlepperbanden stoppen, und das Problem ist gelöst? Wir trauen uns nie in die hinterste Ebene, weil dort wird’s anstrengend.

Okay, Sie versuchen, andere Parteien zu entlarven. Haben Sie auch eigene politische Inhalte?

Wir sind die Partei der extremen Mitte. Links und rechts von uns wird es keine andere geben. Ansonsten sind wir unglaublich liberal. Wir lassen die Leute einfach machen und glauben, dass sie auch ohne Gängelung und noch mehr Gesetze gut durchs Leben kommen.

Aber jetzt mal konkret: Die Wohnungsnot ist groß – gerade im Raum München.

Müssen alle in München wohnen? Man kann doch ein bisschen umstrukturieren. Ein anderes Beispiel dafür: In Füssen jammert man über die vielen chinesischen Touristen, die nach Neuschwanstein kommen. Wir sagen: Lasst uns ein zweites Schloss Neuschwanstein in der Oberpfalz bauen. Der Chinese merkt’s sowieso nicht. Und wir könnten doppelt so viele Touristen durchschleusen.

Und Sie meinen, Sie werden so ernst genommen?

König Ludwig wurde damals auch nicht ernst genommen. Heute sind wir gottfroh, dass wir dieses Ding haben.

Ein Gedankenspiel: Für was setzen Sie sich im Landtag als Erstes ein?

Wir sind keine Partei des Konjunktivs. Wir werden einziehen, 60 Prozent plus ist das Ziel. Die Partei wird vorschlagen, den Ministerpräsidenten zu stellen. Mit uns können alle leben. Und wir holen Horst Seehofer und die anderen Altlasten, die nach Berlin abgeschoben wurden, zurück. Dann ist dort auch Frieden. Und wir wollen die Flüchtlinge so weit fit machen, dass sie – wenn sie Bayern jemals wieder verlassen müssen – es in einem BMW oder Audi tun können.

Aktuelle Umfragen zur Bayern-Wahl: CSU bei 33 bis 35 Prozent

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Donald Trump mit erneutem Affront gegen Palästinenser
Nach der Verlegung der US-Botschaft nach Jerusalem sendet Präsident Trump erneut eine klare Botschaft an die Palästinenser. Infos aus Washington im News-Ticker.
Donald Trump mit erneutem Affront gegen Palästinenser
Schwarz-Orange kommt: Enttäuschtes grünes Spitzenduo tritt in Video gegen Söder nach 
Nach der Landtagswahl in Bayern sind die Machtoptionen klar. Zwischen CSU und Freien Wählern könnte es schnell zum Deal kommen. Oder haben die Grünen doch noch eine …
Schwarz-Orange kommt: Enttäuschtes grünes Spitzenduo tritt in Video gegen Söder nach 
CDU und SPD vor Hessen-Wahl: „Wer solche Eigentore schießt, hat es nicht besser verdient“
Die Umfragen lassen ahnen, dass CDU wie SPD in Hessen herbe Verluste drohen. Die Situation vor der Hessen-Wahl am 28. Oktober kommentiert Georg …
CDU und SPD vor Hessen-Wahl: „Wer solche Eigentore schießt, hat es nicht besser verdient“
Hunderte protestieren gegen Poggenburg-Auftritt in Hamburg
In Hamburg haben sich mehrere Hundert Demonstranten gegen den Auftritt des AfD-Politikers André Poggenburg versammelt. Die AfD distanzierte sich von dem Auftritt.
Hunderte protestieren gegen Poggenburg-Auftritt in Hamburg

Kommentare