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Ministerpräsident Markus Söder im Interview mit münchen.tv.

Ministerpräsident im TV-Interview

Miese Umfragewerte für die CSU in Bayern: Söder schiebt Seehofer indirekt die Schuld zu

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Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hat dem Sender münchen.tv ein Sommerinterview gegeben. Auch die schlechten Werte seiner Partei vor der Landtagswahl waren Thema.

Eine frische Sommerbrise wehte Markus Söder am Freitag beim Sommerinterview mit dem Sender münchen.tv ins Gesicht. Er saß mit Landtagskorrespondent Timo Miechielsen an einem Blau-Weiß gedeckten Tisch vor der Staatskanzlei in München, Brezen und Radieschen dekorativ angerichtet und ein goldgelbes Weißbier griffbereit.

Doch so idyllisch wie die Interview-Szenerie sieht es derzeit nicht aus bei der CSU in Bayern. Laut einer am Donnerstag veröffentlichten Umfrage käme die Partei des Ministerpräsidenten Söder nur auf 39 Prozent, meilenweit entfernt von der von ihm unbedingt zu verteidigenden absoluten Mehrheit. „Das kann Ihnen nicht reichen“, stellte TV-Journalist Miechielsen fest.

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Doch Söder hatte eine Erklärung parat: „Ja, sehen Sie, die aktuellen Umfragen sind ja im Endeffekt Berliner Werte. Sie sind geprägt von der aktuellen Diskussion um die Asylfrage und die Verunsicherung der Menschen.“ Die Mehrheit der Menschen würden Lösungen in der Asylfrage erwarten. „Gleichzeitig möchten sie aber, dass das irgendwie ohne Streit stattfindet.“ Das sei nicht leicht. Doch jetzt habe man Ergebnisse erzielt, „und jetzt wird sich das verändern.“

Seehofer vs. Söder

Das klang ganz danach, als mache Söder seinen Vorgänger und mittlerweile in Berlin weilenden Horst Seehofer für die miserablen Umfragewerte der CSU in Bayern mit verantwortlich. Dabei war Seehofer oft unterstellt worden, er zettele den verheerenden Asylstreit mit Kanzlerin Angela Merkel gerade deshalb an, um der CSU in Bayern die absolute Mehrheit zu retten. 

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München.tv-Reporter Miechielsen hakte nach: „Wenn Sie sagen, Berlin ist schuld, dann heißt das Horst Seehofer.“ Söder redete sich heraus: „Ich hab nicht gesagt, Berlin ist schuld, sondern ich hab gesagt, es sind Berliner Werte.“ Und überhaupt seien die schlechten Umfragewerte ja im Prinzip nicht der Rede wert, nur ein vorübergehendes Phänomen: „Das ist doch ganz normal. Nach so einer Debatte der letzten zwei Wochen glaub ich nicht im Ernst, dass man solche Ergebnisse erzielen kann, wie man es sich vielleicht wünscht.“ Und außerdem: Die CSU führe ja trotzdem immer noch „überragend weit“: „Es gibt ja, wenn ich ehrlich bin, nicht mal jemanden, der ernsthaft herausfordert mich als Ministerpräsident“, sagte Söder selbstbewusst.

Söder: Das darf sich nicht wiederholen

Doch eine kleine Rüge in Richtung Asylstreit gab es dann schon noch von Söder: „Der Stil und die Umgangsform bei dem Thema kann sich nicht wiederholen - das gilt für mich, das gilt aber auch für viele andere.“ 

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Erst Anfang der Woche hatte Söder - der zuvor nicht mit markigen Worten in Sachen Asyl gespart hatte und von “Asyltourismus“ und „Belehrungsdemokratie“ gesprochen hatte - eine überraschende Kehrtwende gemacht und Reue für seine Wortwahl gezeigt. „Warum so kleinlaut auf einmal?“, wollte Miechielchen wissen. „Das ist nicht kleinlaut, das ist eine Frage des Respekts. Ich würde mir wünschen, das würden alle tun“, entgegnete Söder.

Zum Thema: Nach heftiger Kritik: Söder will bestimmten Begriff nicht mehr verwenden

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