Links Malu Dreyer, Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, rechts Georg Anastasiadis, Chefredakteur des „Münchner Merkur“
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Links Malu Dreyer, Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, rechts Georg Anastasiadis, Chefredakteur des „Münchner Merkur“

Kommentar

Kümmern statt Gendern: Dreyer und Kretschmann vor Wahl-Erfolg - weil sie den richtigen Weg gehen

  • Georg Anastasiadis
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Das Superwahljahr 2021 beginnt in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz - wo sich die SPD zuletzt von der Bundespartei abgrenzt. Ein Kommentar von Merkur-Chefredakteur Georg Anastasiadis.

München - In ihrem Corona-Blues sehnen sich viele Menschen noch mehr als in „normalen“ Zeiten nach Führungspersönlichkeiten, denen sie vertrauen. Die Grünen in Baden-Württemberg und die SPD in Rheinland-Pfalz haben das Glück, bodenständige Amtsinhaber aufbieten zu können, denen praktische Lösungen im Zweifel wichtiger sind als das Parteibuch.

Während die Berliner SPD-Chefin Saskia Esken sich gar nicht genug dafür feiern kann, dass das Parteiprogramm jetzt durchgängig in Gender-Sprech abgefasst ist, konzentrierte sich ihre Mainzer Parteifreundin Malu Dreyer richtigerweise darauf, wie sie den Lebensalltag der kleinen Leute verbessern kann. Denn die verzweifeln nicht, weil es zu wenig Gender-Sternchen gibt. Sondern weil sie keinen Impftermin kriegen. Und in Stuttgart? Da gönnt der knorrige grüne Ministerpräsident Winfried Kretschmann mit seinem selbst zusammengerührten Ländle-Konservatismus jedem Bürger weiter sein Eigenheim.

Landtagswahl in Rheinland-Pfalz: Umfragen sehen die SPD mit Malu Dreyer vorn

Letzte Umfragen sehen die Kümmerer Kretschmann und Dreyer vor den Wahlen am Sonntag ganz weit vorn. Beide zeigen, wie linke Kandidaten Wahlen gewinnen können – nämlich nah bei den Menschen, in der Mitte. Dort, wo mit ihren pragmatischen Öffnungs-Ansätzen in der Coronakrise auch die gebeutelte FDP endlich wieder punktet. Die jeweiligen Parteizentralen wird das nicht hindern, die Länder-Wahlergebnisse in Triumphe der Bundesparteien umzudeuten.

Doch Vorsicht: In der Bundes-SPD sind, hinter dem Frontmann Olaf Scholz, heute ganz andere Leute tonangebend als in Mainz. Im Berliner Willy-Brandt-Haus schämt man sich für die Arbeiterpartei-Genossen von altem Schrot und Korn wie Wolfgang Thierse, die über so „altmodische“ Dinge wie Nation und Zusammenhalt reden statt über Identitätspolitik. Und auch an der grünen Basis teilen nur die Allerwenigsten die Begeisterung ihres betont moderat auftretenden Führungsduos Baerbock/Habeck für Schwarz-Grün. *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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