Wählerwanderung und Briefwahl

Nach Landtagswahl: Datenanalyse verrät mögliche Gründe für Scheitern der CDU in Rheinland-Pfalz

  • Philipp Fischer
    vonPhilipp Fischer
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Für die CDU wurde der Wahlauftakt für das Superwahljahr 2021 zu einem Debakel. Eine erste Datenanalyse zeigt jetzt mögliche Gründe für das Scheitern der Partei auf.

Mainz - Die CDU befindet sich aktuell in einer Abwärtsspirale. Nach den Schlagzeilen rund um schlechtes Corona-Krisen-Management folgten mehrere Korruptionsskandale einzelner Bundestagsabgeordneter. Die schlechten Wahlergebnisse scheinen die erste Watschn der Wähler für den Wirbel um die CDU in den vergangenen Wochen zu sein - das legt zumindest eine erste Datenanalyse der Wahlergebnisse aus Rheinland-Pfalz nahe.

Nach verlorener Landtagswahl: CDU sucht nach Fehlern

In der CDU läuft mittlerweile eine intensive Ursachenforschung. Eine Datenanalyse der Wahlergebnisse von dem Landeswahlleiter in Rheinland-Pfalz gibt erste Hinweise, woran es gelegen haben könnte. Die Gründe für die Niederlage scheinen dann aber doch ziemlich bekannt. Denn kurz vor den Landtagswahlen wurden mehrere Korruptionsfälle in der Masken-Affäre aufgedeckt. Daneben gibt es auch noch windige Deals mit Aserbaidschan. In der Folge traten mittlerweile drei Politiker aus der Unionsfraktion aus und die Fraktion forderte eine sogenannte „Ehrenerklärung“ von jedem.

Wie von vielen Beobachtern vermutet, hatten die Korruptionsskandale wohl eine direkte Auswirkung auf das Wahlergebnis in Rheinland-Pfalz. Das zumindest deutet eine erste Datenanalyse der Wahlergebnisse an. Nach der Auswertung von Briefwahldaten kommen die amtlichen Wahlstatistiker zum Schluss, „dass Wählerinnen und Wähler, die ihre Wahlentscheidung erst zu einem späteren Zeitpunkt getroffen haben, sich häufiger für die SPD und die Freien Wähler und seltener zugunsten der CDU entschieden“. Aktuelle Ergebnisse wie die Masken-Affäre dürften also maßgeblich einen Einfluss auf die Wählerentscheidung gehabt haben.

Landtagswahl Rheinland-Pfalz: Wähler wanderten von CDU zu Freien Wählern

Viele CDU-Wähler dürften wohl unter anderem aufgrund der Maskenaffäre die Freien Wähler gewählt haben. Dadurch gelang es der Partei erstmals erfolgreich in den Landtag einzuziehen. Für den CDU-Spitzenkandidaten Christian Baldauf hinterließ diese Wählerwanderung einen empfindlichen Schaden. Die Datenanalysten schlussfolgern, dass „beide Parteien im Wettbewerb um ähnliche Wählergruppen stehen“. Besonders in den ländlichen Regionen waren die Freien Wähler erfolgreich, oft auch in Orten, in denen früher mehrheitlich die CDU gewählt worden ist. Der Landesvorsitzende der Freien Wähler, Stephan Wefelscheid, sieht das etwas anders: „Wir sind aber kein Wurm-Fortsatz der CDU. Der Zuwachs speist sich aus allen Parteien.“

Politikwissenschaftlicher Uwe Jun von der Universität Trier ist wiederum der Auffassung, dass die Freien Wähler sehr wohl von der Schwäche der CDU profitierten. „Die Freien Wähler haben zwei Dinge gut gemacht: Sie haben die kommunalen Aspekte gut in den Vordergrund gestellt. Aber sie haben eben auch offensiv das Corona-Management der Bundesregierung kritisiert. Und haben damit eben auch Wähler der CDU zu sich ziehen können“, sagte Jun der dpa. Weitere Wähler verlor die CDU an die SPD. Diese konnte so zum Beispiel im Landkreis Vulkaneifel die Mehrheit gewinnen, in dem seit 1979 bei Wahlen immer die CDU vorne lag.

Die Ampel-Parteien bereiten mittlerweile einen Fahrplan für die Bildung einer neuen Regierung in Rheinland-Pfalz vor. Bei der SPD laufen derzeit die Vorbereitungen für eine Landesvorstandssitzung am Montagabend. Der Landesvorstand der FDP will spätestens am Mittwoch über das weitere Vorgehen beraten. Die Grünen haben bereits ihre Koalitionsbereitschaft signalisiert. (phf)

Rubriklistenbild: © Michael Kappeler/dpa

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