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Große Koalition: Annegret Kramp-Karrenbauer (r.) bleibt Ministerpräsidentin. SPD-Herausf orderin Anke Rehlinger, bislang ihre Wirtschaftsministerin, gratuliert freundschaftlich.

Aufatmen in der Union

Landtagswahl Saarland: Rückenwind für Merkels Union

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Aufatmen in der Union: Im Saarland bleibt Annegret Kramp-Karrenbauer nicht nur Ministerpräsidentin – sie wird sogar deutlich gestärkt. Damit stützt sie Angela Merkel und erdet die SPD.

München– Das Saarland ist ein kleines Land. Manche lästerten über eine „bessere Landratswahl“ – und doch haben die 800 000 Wahlberechtigten ein wichtiges Signal nach Berlin geschickt. Am Sonntagabend herrscht Erleichterung bei der Union, Ernüchterung in der SPD, Enttäuschung bei den Grünen. Schon wenige Minuten nach der ersten Prognose ist klar: Das Ergebnis von Saarbrücken wird die politische Debatte verändern. Der Hype um Martin Schulz erfährt den ersten Dämpfer.

Schulz versteckt sich nicht. Während sich Angela Merkel – wie immer – nicht blicken lässt und ihren sichtlich erleichterten Generalsekretär Peter Tauber vorschickt, steht Schulz schon etwas mehr als eine halbe Stunde nach Schließung der Wahllokale auf der Bühne des Willy-Brandt-Hauses. Später gibt er noch Fernsehinterviews. Er wirkt weniger mitgenommen als mancher seiner Parteifreunde, die ihn in den vergangenen Wochen so in den Himmel gejubelt haben. Er sei nachmittags recht hoffnungsvoll angekommen, berichtet Schulz. Dann erklärt er ehrlich, man habe das Wahlziel nicht erreicht, um schließlich Annegret Kramp-Karrenbauer zu gratulieren. Das Votum sei ein klarer Sieg der Ministerpräsidentin. Das wirkt fair, ist aber nicht ganz selbstlos: Je mehr das Ergebnis mit saarländischen Besonderheiten erklärt wird, desto weniger kann sich Merkel in ihm sonnen. Schulz weiß, wie weit der Weg ins Kanzleramt ist. „Das ist ein Langstreckenlauf und kein Sprint.“ Dieses Bild bemüht er mehrfach an diesem Abend.

Tatsächlich stellt sich die Frage, was dieses Ergebnis wirklich aussagt: Kretschmann, Dreyer, Haseloff, Sellering – wie bei fast allen Landtagswahlen der vergangenen Monate wurde erneut der Amtsinhaber gestärkt – ganz gleich, von welcher Partei. Setzt sich die Reihe fort, wären in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen wieder zwei Sozialdemokraten dran.

Erste Analyen zeigen jedenfalls, dass vor allem Kramp-Karrenbauer am Sonntag ausschlaggebend war (siehe unten). Der Ministerpräsidentin wird zuweilen eine gewisse Ähnlichkeit mit Angela Merkel unterstellt – und zumindest in Sachen Nüchternheit kommt sie der Kanzlerin am Wahlabend sehr nahe. Jubelbilder? Emotionen? Fehlanzeige. „In den letzten Tagen wurde deutlich, dass Rot-Rot eine echte Option ist. Das hat mobilisiert“, berichtet die alte und neue Ministerpräsidentin aus dem Wahlkampf. „Die Wähler wollten, dass ich die Arbeit weiter mache und keine rot-rot-grünen Experimente.“ Das bestätigen auch die Nachwahlanalysen: Die Union punktete klar bei den bisherigen Nichtwählern – die Beteiligung stieg deutlich auf etwa 70 Prozent.

Nicht nur dieses Detail des Ergebnisses dürfte in den kommenden Wochen von den Strategen in den Parteizentralen genau ausgewertet werden. „Klar ist, die Wähler lehnen das Werben von Schulz um die Kommunisten ab“, sagt Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) unserer Zeitung. Tatsächlich belegen auch die Nachwahl-Befragungen von Infratest dimap, dass selbst unter SPD-Wählern eine Mehrheit für die Fortsetzung der Großen Koalition plädierte. „Wer die Große Koalition wollte, hat die Union gewählt. Wer Rot-Rot wollte, hat die Linke gewählt“, erklärt SPD-Genralsekretärin Katharina Barley das Ergebnis. Und ein sichtlich ernüchterter Justizminister Heiko Maas (SPD) stellt fest: „Die Bäume sind nicht in den Himmel gewachsen.“

Die heimliche Siegerin an diesem Abend heißt deshalb Angela Merkel. Angesichts magerer Umfragewerte war es ungemütlich geworden für die CDU-Chefin. Erst am Samstag schlossen sich parteiinterne Kritiker in Schwetzingen zu einem bundesweiten Verband zusammen: dem Freiheitlich-konservativer Aufbruch in der Union (FKA). Auch in der CSU scharrten manche schon wieder mit den Hufen. Jetzt gibt CSU-Vize Manfred Weber, schon immer eher ein Freund der Kanzlerin, die Marschroute vor. Das Signal aus dem Saarland sei klar, sagt Weber unserer Zeitung: „Wenn die CSU geschlossen und gemeinsam mit der Kanzlerin in den Bundestagswahlkampf startet, dann werden wir im Herbst erfolgreich sein. Und ich will erfolgreich sein.“ Deshalb sagt Weber: „Unsinnige Strategiedebatten müssen endlich der Vergangenheit angehören.“

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Landtagswahl im Saarland: Das Ergebnis in Karte und Grafiken

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