Andre Poggenburg
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Landatsgwahl in Sachsen-Anhalt: Ex-AfD-Chef Poggenburg teilt ominöse Wahlbetrugs-Vorwürfe.

Fake-Account?

Wahl in Sachsen-Anhalt: AfD-Anhänger verbreiten Theorie von angeblichem Wahlbetrug

  • Kathrin Reikowski
    VonKathrin Reikowski
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AfD-Anhänger:innen verbreiten die These vom Wahlbetrug in sozialen Netzwerken - die Argumente erinnern an Donald Trumps Wähler:innen in den USA.

Magdeburg - Das Wort „Wahlbetrug“ ist am Sonntagabend Trend auf Twitter. Nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt kursiert im Kurznachrichtendienst die These, Stimmen für die AfD seien von den Grünen nahestehenden Wahlhelfern „entwertet“ worden. Anlass ist offenbar unter anderem der Tweet eines Users, der schreibt: „Heute als Wahlhelfer in Sachsen-Anhalt. Macht euch keine Sorge, unser ganzes Team ist darauf vorbereitet der fckafd keine Chance zu lassen und gegebenenfalls die Stimmen zu entwerten. Wählt grün, denn nur so geht demokratie und Umweltschutz.“

Geteilt wurde der Tweet vom ehemaligen AfD-Vorsitzenden in Sachsen-Anhalt, André Poggenburg. Mit seinem Kommentar suggeriert er, er habe hier eben einen Wahlbetrug aufgedeckt. Und unter einem ARD-Live-Video mit dem Politikexperten Jörg Schönenborn finden sich „Stop the Steal“-Kommentare - der Slogan Donald Trumps aus der US-Präsidentschaftswahl. Allerdings ist an den Vorwürfen auch im Falle Sachsen-Anhalts wohl kaum etwas dran.

Wahlbetrug nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt? Keine Belege in sozialen Medien

In einem Live-Video des Youtubers Oliver Flesch versammelten sich am späten Sonntagabend knapp 4000 Menschen, um über einen möglichen Wahlbetrug zu diskutieren. Flesch ist für das rechtsextreme Magazin PI-News sowie den AfD-nahen Deutschlandkurier tätig. Seine Thesen in einem über einstündigen Video: Der hohe Briefwahlanteil würde Manipulationen begünstigen. Ein Argument, das Politikwissenschaftler nicht teilen.

Was er schuldig bleibt: Einen Beleg für einen Wahlbetrug. Doch auch ohne Beleg, ohne Argumente, die Teilnehmer:innen seines Videos sind sich sicher: „Wir werden betrogen, wo es nur geht“, schreiben sie. Oder auch: „AfD-Wählerstimmen per Briefwahl wurden einfach verbrannt.“

Fleschs zentraler Vorwurf am Ende ist dann doch ein rein politischer - und keiner, der auf eine illegale Handlung zielen würde: Die CDU habe sich nach vorne gebracht, weil sie sich als einzige AfD-Alternative positioniert habe.

Vorwürfe zu Wahlbetrug in Sachsen-Anhalt sind fake

Twitter-Nutzer enttarnen das Bild des angeblichen Wahlhelfers aus dem Tweet allerdings schnell. Es stammt nicht aus einem Wahllokal in Sachsen-Anhalt, es ist kein Bild von der Landtagswahl 2021. Das Bild stammt aus einem amerikanischen Wahlbüro und wurde bei der Auszählung der Stimmen nach der US-Präsidentschaftswahl 2020 aufgenommen, mehrere Artikel wurden damit illustriert. Bei dem von Poggenburg zitierten Twitter-Account könnte es sich um einen Troll-Account handeln - einen User, der bewusst aus der Anonymität mit Falschbehauptungen Stimmung macht. Ein Indiz dafür wäre, dass der Account erst vor Kurzem angelegt wurde, und dass der Name an andere Stimmungsmacher erinnert.

„Stop the Steal“ bei Betrug im Wahlbüro, Manipulation durch Briefwahl - die Thesen kennt man aus den USA. Schon Monate vor der Bundestagswahl scheinen sich allerdings jetzt auch in Deutschland Menschen in den sozialen Netzwerken in Stellung zu bringen, um Ähnliches vorzubringen. (kat)

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