1. Startseite
  2. Politik
  3. Landtagswahlen

„Bei Inhalten ist die Söder-Regierung blank“: Dieser Ebersberger will für die Grünen in den Landtag

Erstellt:

Von: Michael Acker

Kommentare

„Ich will, dass mein kleiner Sohn die Schönheit unseres Landkreises und die letzten bayerischen Alpengletscher noch erleben kann“. Thomas von Sarnowski.
„Ich will, dass mein kleiner Sohn die Schönheit unseres Landkreises und die letzten bayerischen Alpengletscher noch erleben kann“. Thomas von Sarnowski. © Rossmann

Der Ebersberger Thomas von Sarnowski (34) ist am Mittwochabend von den Grünen im Ebersberger Landkreis zum Kandidaten für die Landtagswahl im nächsten Jahr nominiert worden.

Bei der Landtagswahl 2018 haben Sie den Einzug ins Parlament knapp verpasst. Mittlerweile sind Sie Landesvorsitzender der Grünen und werden bestimmt entsprechend über die Liste abgesichert. Damit scheint ein Einzug ins Parlament doch sicher, oder?

Wir Grüne haben sehr viele kompetente Kandidierende von der Biobäuerin bis zum Pfleger im ganzen Land. Über die genaue Reihung der Listenplätze entscheiden die Delegierten auf unserer Bezirksversammlung – und über die Landtagsmandate am Ende der Wähler. Im bayerischen Wahlsystem sind Überraschungen ohnehin vorprogrammiert, weil die Wähler ihre Zweitstimme frei auf der Liste vergeben können. Als Landesvorsitzender bin ich viel unterwegs im ganzen Land und spreche mit vielen Menschen darüber, wie wir zukunftsfähige Arbeitsplätze schaffen, wie wir die Bahnprobleme lösen, wie wir unsere schöne bayerische Natur und Heimat erhalten. Das ist eine gute Grundlage, dass der Einzug gelingt.

Beim jüngsten BR-Bayerntrend hat Ihre Partei um zwei Prozent auf 18 Prozent zugelegt. CSU und Freie Wähler hätten aber weiterhin eine komfortable Mehrheit. Wo genau wollen die Grünen angreifen, um das zu ändern?

Wir greifen die Söder-Regierung da an, wo sie blank ist: bei den Inhalten. Seit Jahren wurschtelt sich die CSU durch und ignoriert die drängenden Aufgaben unserer Zeit. Wir wollen die Krisen auch hier in Bayern endlich bewältigen und dafür sorgen, dass die Menschen jetzt und in Zukunft ein gutes Leben haben. Wir wollen erstens Erneuerbare Energien ausbauen, damit Strom und Heizen sicher und günstig werden. So entlasten wir die Menschen in Bayern. Eine klimaneutrale Energieversorgung ist ja schon lange kein rein ökologisches Anliegen mehr. Es geht um unsere Sicherheit, unsere Freiheit und unseren Wohlstand. Zweitens sorgen wir dafür, dass Bayern auch in Zukunft wirtschaftlich stark und stabil bleibt – im Einklang mit unserem Klima. Und drittens stärken wir den sozialen Zusammenhalt und machen Bayern gerechter, indem wir in – Stichwort 9€-Ticket – günstiges Bahnfahren, Bildung und bezahlbaren Wohnraum investieren. Der Bayerntrend bestärkt, dass sehr viele Menschen in Bayern genau das wollen.

„CSU geht es offenbar nur um die Macht“

Sollten sich der CSU nach der Wahl zwei mögliche Koalitionspartner anbieten, nämlich die Freien Wähler und die Grünen, wird sich Ministerpräsident Söder wohl wieder für die Freien Wähler entscheiden.

Wir kämpfen dafür, dass nach der Landtagswahl kein Weg zu einer Regierung an uns vorbeiführt – denn saubere, bezahlbare Energie aus Sonne und Wind für unsere Betriebe und jedes Haus gibt es nur, wenn Grüne regieren, das beweist die Bundesregierung nach 16 Jahren unionsgeführtem Stillstand gerade jeden Tag. Glücklicherweise ist es nicht die CSU, sondern es sind die Wähler, die entscheiden, welche Mehrheiten in Bayern möglich sind. Das substanzlose Ausschließen anderer demokratischer Parteien ist das typische alte Denken von Söder. Worum es in der Politik wirklich geht, sind Inhalte und Konzepte dafür, wie die Menschen hier in Bayern gut leben können – jetzt und in Zukunft. Söders CSU geht es offenbar nur um die Macht. Die Menschen in Bayern haben eine bessere Regierung verdient; eine, die nicht nur mit dem Finger auf andere zeigt, sondern eine, die Verantwortung übernimmt und Bayern verbindet, anstatt es zu spalten. Das wollen wir Grüne ab 2023 in der Regierung für Bayern tun.

Söder scheint omnipräsent zu sein, er ist jeden Tag bei irgendeiner Grundsteinlegung oder einem Apfelmarkt im Land unterwegs. Wie im Wahlkampf umgehen mit einem, der sogar Bilder seines Mittagessens über die sozialen Kanäle verbreitet und nach Umfragen bundesweit zu den beliebtesten Politikern gehört?

Die beliebtesten Politiker in Deutschland heißen immer noch Baerbock, Habeck und Özdemir, weil sie liefern, weil sie ehrlich sind und Haltung zeigen und weil sie ihre Politik erklären. Söder ist immer nur dann ganz vorne, wenn es darum geht, etwas anzukündigen und Schlagzeilen zu produzieren: Zum Beispiel hat er 2019 vor den Kameras Bäume umarmt und 30 Millionen Bäume und 100 Windräder in den Staatsforsten versprochen – passiert ist nichts. Die Menschen in Bayern brauchen keinen Ankündigungsminister, sondern eine Politik, die die großen Aufgaben entschlossen anpackt. Das bekommen sie mit uns Grünen.

„Bei großen Themen darf man sich nicht wegducken“

Was macht Thomas Huber (CSU), seit zwei Perioden Stimmkreisabgeordneter im Landtag, richtig?

Thomas Huber bemüht sich sehr, im Landkreis präsent zu sein. In der Landtagsfraktion ist er kein Hardliner: Als Söder, Dobrindt und andere 2018 mit aufhetzenden Begriffen wie „Asyltourismus“ und „Migration als Mutter aller Probleme“ am rechten Rand fischten, hat Huber sich zwar nicht öffentlich dagegen aufgelehnt, aber intern hat er was gesagt und auch selbst keine solchen Worte verwendet. Das war anständig. Und Huber setzt sich, wie übrigens auch die Ebersberger Abgeordnete Doris Rauscher von der SPD, für soziale Themen ein.

Was macht er falsch? Was würden Sie als sein Nachfolger sofort ändern?

Bei großen Themen im Landkreis darf man sich nicht wegducken. Zum Thema Bürgerentscheid zu den fünf Windrädern im Ebersberger Forst war von Huber nichts zu hören, dabei hat monatelang keine Frage die Bürgerinnen und Bürger mehr umgetrieben. Wir Grüne haben uns den Diskussionen gestellt und für ein Ja geworben. Im Ergebnis hatten wir eine deutliche Mehrheit für die Windräder im Forst. In der aktuellen Energiekrise können wir jetzt doppelt froh sein, denn mit den Windrädern schützen wir unser Klima und machen uns mit unserem eigenen sauberen Windstrom endlich unabhängig vom teuren russischen Gas.

„Noch können wir verhindern, dass noch mehr Steuergeld in Milliardengrab versenkt wird.“

Das gleiche gilt für die Verkehrswende. Zu monströsen Straßenneubauten wie den Umfahrungen Weißenfeld und Schwaberwegen sage ich klar Nein, die zerstören unsere Landschaft und bringen letztlich nur mehr Verkehr und Stau. Und beim zweiten Stammstrecken-Tunnel München muss man ehrlich sein zu den Menschen: Er soll jetzt erst um das Jahre 2037 fertig sein und nutzt damit vielen heutigen Pendlern aus dem Landkreis nichts mehr, weil sie dann schon in Rente sind. Damit bleiben auch zahlreiche andere wichtige Projekte auf der Warteliste, ob viergleisiger Ausbau nach Markt Schwaben oder zwei Gleise bis Ebersberg. Noch können wir verhindern, dass noch mehr Steuergeld in diesem Milliardengrab versenkt wird. Ich stehe für eine Neuorientierung der Planungen. Das müsste sofort nach der Wahl angegangen werden. Der S-Bahn-Südring lässt sich viel schneller und günstiger zur zweiten Stammstrecke ausbauen – so bleiben Milliarden übrig, mit denen wir den Investitionsstau auf den S-Bahnaußenästen lösen können.

Und mit Ihnen wird das alles besser?

Ich stehe dafür, dass wir ab dem ersten Regierungstag endlich konsequent den Klimaschutz anpacken. Das sind wir unseren Kindern schuldig. Ich will, dass mein kleiner Sohn die Schönheit unseres Landkreises und die letzten bayerischen Alpengletscher noch erleben kann. Dafür müssen wir jetzt handeln!

Die Fragen stellte Michael Acker.

Noch mehr Nachrichten aus der Region Ebersberg lesen Sie hier. Übrigens: Alles aus der Region gibt‘s auch in unserem regelmäßigen Ebersberg-Newsletter

Auch interessant

Kommentare