+
Männliches Küken in der Uni Leipzig. Veterinärmediziner der Universität Leipzig forschen intensiv an einer Alternative zur massenhaften Tötung männlicher Küken. Foto: Peter Endig

Neues Verfahren soll Kükenschreddern bis 2017 überflüssig machen

Bei der Eierproduktion kommt es nur auf die Legehennen an. Die männlichen Küken werden bisher millionenfach aussortiert und getötet. Bundesagrarminister Schmidt will das ändern.

Leipzig (dpa) - Um das millionenfache Töten von männlichen Eintagsküken zu beenden, setzt Bundesagrarminister Christian Schmidt auf ein neues Verfahren zur Geschlechterbestimmung im Ei. Noch im Mai solle an der Universität Leipzig mit der Entwicklung für den praktischen Einsatz begonnen werden.

Das sagte der CSU-Politiker bei einem Informationsbesuch in Leipzig. "Mein Ziel ist, dass wir bis 2017 kein Kükenschreddern mehr haben werden." Bisher kommen in Deutschland jedes Jahr Millionen Küken, die männlich sind und keine Eier legen, lebendig in einen Häcksler oder werden vergast.

Das Verfahren der Leipziger Wissenschaftler ermöglicht es, 72 Stunden nach dem Legen das Geschlecht des Embryos im Ei zu bestimmen. Nur die weiblichen Tiere könnten dann auch ausgebrütet werden. Bisher wird das Geschlecht erst nach dem Schlüpfen von Experten bestimmt und die männlichen Küken werden dann aussortiert.

Eine neue gesetzliche Regelung, damit die Bestimmung im Ei bei den Legehennenproduzenten auch eingesetzt wird, ist nach Angaben des Agrarministers nicht nötig. Sobald es ein Verfahren gebe, dass das Töten der Küken überflüssig mache, greife das Tierschutzgesetz, sagte Schmidt.

Geplant sei, ab Mai mit der Entwicklung praxistauglicher Maschinen für die Großanwendung zu beginnen. Zeitgleich solle zum Jahresende mit der technischen Nutzung in Brütereien begonnen werden. Bis Ostern 2017 soll sie ohne Ausnahme eingesetzt werden. Dafür investierte das Ministerium nach eigenen Angaben bisher zwei Millionen Euro in das Forschungsprojekt.

Mehreren Bundesländern geht das nicht schnell genug. So kündigte Nordrhein-Westfalens Umweltminister Johannes Remmel (Grüne) an, über den Bundesrat schnellstmöglich das Kükentöten zu verbieten. Er warf Bundesagrarminister Schmidt vor, sich hinter Absichtsbekundungen und Forschungsvorhaben zu verstecken. Auch sein niedersächsischer Amtskollege Christian Meyer (Grüne) kritisierte, mit reinen Forschungsaufträgen sei es bei diesem Thema nicht getan.

Lob für das Leipziger Projekt kommt von Geflügelproduzenten. Es sei wichtig, dass die angewendete Methode für die Tiere schonend sei, erklärte der Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft. Die Geschlechterbestimmung im Ei scheine am besten geeignet. Es könne ein großes ethisches Problem gelöst werden, sagte Rudolf Preisinger, Geschäftsführer eines führenden Geflügelzuchtunternehmens am Montag. "Kein Mensch will Tiere am ersten Tag töten."

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

US-Regierung öffnet Tür für massenhafte Abschiebungen
Washington - Vor ein paar Wochen nahmen Beamte in den USA hunderte illegale Einwanderer fest. Nun verschärft die Regierung die Regeln. Jetzt droht noch mehr Menschen die …
US-Regierung öffnet Tür für massenhafte Abschiebungen
Kommentar: Keine Abschiebungen mehr nach Afghanistan?
Fünf rot-(rot)-grün regierte Bundesländer wollen keine Afghanen mehr zur nächsten Sammelabschiebung nach München schicken. Für solche Entscheidungen ist aber immer noch …
Kommentar: Keine Abschiebungen mehr nach Afghanistan?
Fahrverbote für viele Dieselfahrzeuge in Stuttgart ab 2018
Die Luft in der Feinstaubmetropole Stuttgart soll sauberer werden. Deshalb soll es 2018 erstmals Fahrverbote für Dieselautos geben. Besser wäre eine blaue Plakette für …
Fahrverbote für viele Dieselfahrzeuge in Stuttgart ab 2018
Trump verurteilt antisemitische Vorfälle als „schrecklich“
Washington - Vorurteile, Intoleranz und Antisemitismus: Dagegen sprach sich Donald Trump beim Besuch eines afroamerikanischen Museums entschieden aus.
Trump verurteilt antisemitische Vorfälle als „schrecklich“

Kommentare