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Landwirtschaftsverwaltung: Der Minister mistet aus

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Ausmisten in der Verwaltung: Bis 2019 muss das Agrarministerium noch 850 Stellen sparen. © dpa

München - Mit einer schlankeren Verwaltung will Agrarminister Brunner die Landwirtschaft in Bayern für die Zukunft stärken. Vor allem soll Personal abgebaut werden.

Wie wird aus der Not eine Tugend? Wie sollen weniger Mitarbeiter ein gleichbleibendes Arbeitspensum bewältigen – oder am besten ein

Werbung für Bayern

Minister Brunner will den Export bayerischer Agrarprodukte durch eine neue Marketingagentur ankurbeln. „Unsere Bauern produzieren weit mehr als im Freistaat verkauft wird – vor allem bei Milch und Käse. Selbst wenn man so viel isst wie ich, können Sie nicht alles selbst verbrauchen“, scherzte er. Diese Produkte will er „auf dem Wochen- und auf dem Weltmarkt“ stärker bewerben. Die Marketingagentur könne aber nur gegründet werden, wenn die Agrarwirtschaft mitmacht. Die Agentur sei die bayerische Antwort auf das Ende der CMA, der zentralen Marketingagentur der Agrarwirtschaft.

größeres? Mit dieser Frage schlägt sich Bayerns Agrarminister Helmut Brunner seit Amtsantritt vor zwei Jahren herum. Ein Sparplan aus den 90ern zwingt die Behörde, jede dritte Stelle abzubauen – bis 2019 sind das noch 850. Intern wurde in den vergangenen Monaten geprüft und geprüft. Gestern beschloss das Kabinett das Ergebnis: den „Bayernplan 2020“. Darin steht unter anderem, dass ab 2011 nicht mehr jedes Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten alle Leistungen anbietet. „Für die einzelbetriebliche Beratung fehlt das Personal“, erklärte Brunner gestern. Alle 47 Ämter behalten Kernaufgaben wie den Fördervollzug, die Abteilung „Bildung und Beratung“ wird jeweils ausgebaut. Zusätzlich erhält jedes Amt mindestens ein spezifisches Fachzentrum etwa für Rinderzucht, Almwirtschaft oder Schweinehaltung. Brunner vergleicht das Prinzip mit dem Verhältnis Allgemeinarzt-Facharzt: erst die allgemeine Diagnose, dann die Spezialbehandlung. Überlegt ein Landwirt etwa, ob er seinen Milchviehbetrieb aufstocken soll, berät ihn das Amt vor Ort. Geht es dann um die Frage, welchen Melkautomat er sich anschafft, bekommt er die Beratung im Fachzentrum – zum Thema Rinderhaltung künftig in Erding oder Traunstein. Das Konzept soll Ressourcen sparen, die Beratung professionalisieren und die „Eigenverantwortlichkeit des Betriebsleiters stärken“, so Brunner.

Er fordert die Landwirte auf, sich breit aufzustellen: Es werde immer wichtiger, sich Nischen und weitere Standbeine zu suchen. Brunner

Bessere Preis

Die Bauern rechnen mit einem Aufschwung nach dem wirtschaftlichen Einbruch. Das Durchschnittseinkommen sank 2009/10 auf 22 000 Euro – nach 23 700 Euro zuvor. Bauernpräsident Gerd Sonnleitner zeigte sich aber zuversichtlich. Auf fast allen Agrarmärkten hätten sich die Preise verbessert, sagte er. Der Preis für die Milchbauern lag im Oktober bei 32,6 Cent pro Liter – fast 10 Cent mehr als im Vorjahr. Die kräftigsten Einbußen gab es bei den Ackerbauern: Das Ergebnis pro Betrieb sank um 22 Prozent auf 32 300 Euro. Bei den Schweinehaltern ging das Ergebnis pro Hof um 11 Prozent auf 41 500 Euro zurück.

betonte, es gebe keine Patentlösung für den Hof der Zukunft. Möglichkeiten wären aber zum Beispiel Photovoltaik-Anlagen oder Direktvermarktung. Um zukunftsfähig zu sein, sei die Aus- und Weiterbildung der Betriebsleiter unverzichtbar. Brunner setzt große Hoffnungen auf den Trend zur gesunden Ernährung, dieser sei zukunftsträchtig. In Freising-Weihenstephan soll deshalb ein „Kompetenz-Zentrum“ für Ernährung entstehen. Um die Landwirte bei der Öko-Energieerzeugung zu unterstützen, soll in Straubing das dortige Zentrum für die erneuerbaren Energien gestärkt werden. Der Umbau der Landwirtschaftsverwaltung hatte erwartungsgemäß nicht nur Jubelschreie ausgelöst – oft musste Brunner in den vergangenen Monaten Bitten ausschlagen, dieses oder jenes Amt von der Reform zu verschonen. Dazu kommt: Manche Bauern kritisieren weite Wege zum nächsten zuständigen Fachzentrum. Für wenig Begeisterung wird zudem die Kürzung der Fördermittel sorgen. Zwar will die Staatsregierung trotz Sparkurs 2011 das Agrarförderprogramm für Investitionen wiederbeleben. Der Vorsitzende des Landwirtschaftsausschusses, Albert Füracker (CSU), rechnet damit, dass das Programm ab März wieder geöffnet werde: „Es wird wieder etwas kommen.“ Aber: Die Fördersätze sollen deutlich sinken.

Statt wie heuer mit über 60 Millionen werde das Agrarförderprogramm wohl mit 20 bis 30 Millionen Euro ausgestattet, sagte Füracker auf einer CSU-Veranstaltung in Maitenbeth (Kreis Mühldorf). Er riet Landwirten dazu, sich dann umgehend zu bewerben. „Das wird ein bisschen das Windhund-Prinzip werden“, sagte er. Heuer hatte das Geld nicht gereicht, das Ministerium hatte das Programm deshalb Ende August geschlossen. Kürzungen drohen auch bei anderen Förderungen, etwa dem Kulturlandschaftsprogramm (Kulap) „Da werden wir einschneiden müssen.“ Die Dorferneuerung, bisher 104 Millionen Euro, soll ebenfalls gekürzt werden, um das Einsparziel für den Landwirtschaftsetat zu erreichen. Zehn Millionen Euro weniger „könnten es schon sein“, sagte Füracker.

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