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Lanz entgleiten nach Corona-Geständnis die Gesichtszüge: „Das wissen wir seit Monaten, Herr Lauterbach?“

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Lanz fasst sich fassungslos ins Gesicht und schäumt: „Das wissen wir seit Monaten, Herr Lauterbach?“
Lanz fasst sich fassungslos ins Gesicht und schäumt: „Das wissen wir seit Monaten, Herr Lauterbach?“ © Screenshot ZDF-Mediathek

Am Abend vor der Bundestagsabstimmung über das Ende der epidemischen Notlage diskutiert die „Markus Lanz“-Runde emotional über das richtige Vorgehen.

Markus Lanz begrüßt am Mittwochabend den Politiker Karl Lauterbach (SPD) in seiner Sendung, um über die Corona-Pandemie zu sprechen. Der Talkmaster bittet den Gesundheitsexperten der Sozialdemokraten um eine Einschätzung der aktuellen Situation. Der erklärt seine Sicht: „Wir sind im Moment in einer katastrophalen Situation.“

Lauterbach dröselt auf, was das für die nächsten drei bis vier Wochen bedeuten werde: „Ob die Fallzahlen noch steigen, das weiß ich nicht genau. Ich weiß aber, dass sie nicht sinken werden. Wenn die Fallzahlen ungefähr in der Größenordnung bleiben, wo sie jetzt sind, dann werden wir jeden Tag ungefähr 200 bis 300 zusätzliche Erkrankte haben, die auf die Intensivstation müssen und wir haben dann mit irgendwo zwischen 100 und 150 Toten pro Tag zu rechnen. Das ist eine menschliche Katastrophe.“

Corona-Debatte bei „Markus Lanz“: Karl Lauterbach beklagt die vielen Ungeimpften

Der Intensivpfleger Ralf Berning stimmt dieser Einschätzung zu und lobt Lauterbach: „Ich halte auch sehr viel immer von den Aussagen und Prognosen von Herrn Lauterbach, weil ich glaube, dass er einer der wenigen Menschen in Deutschland und Berlin ist, die verstanden haben, wie die Lage ist. Wir sehen das auf den Intensivstationen auch.“ Lanz möchte von Lauterbach wissen, wie viele Ungeimpfte in Deutschland diese Lage herbeigeführt hätten. Dessen Antwort: „Wirklich gute Zahlen haben wir nicht, aber ich würde schätzen, dass wir 67, 68 Prozent der Bürger vollständig geimpft haben. Das heißt, uns fehlt, über den Daumen gepeilt, ein Drittel, da muss man die Kinder natürlich mitzählen, das ist keine Frage. Aber es ist schon viel zu viel.“

„Die meisten fragen sich ja: Wie kann die Pandemie jetzt so wüten, obwohl zwei Drittel geimpft sind?“, stellt sich Lauterbach die nächste Frage selbst. „Genau“, stimmt Gastgeber Lanz zu, woraufhin Lauterbach fortfährt: „Das kann man leicht erklären. Wir hatten vor einem Jahr, als noch keine Impfung da war, die Ursprungsvariante und jetzt haben wir die Delta-Variante. Die Delta-Variante ist sechsmal so ansteckend. Das heißt, wenn ich dann ein Drittel Ungeimpfte habe, also zwei Drittel weniger, dann infizieren sich aber trotzdem noch mehr, weil es eben sechsmal so ansteckend ist. Hätten wir die Ursprungsvariante letztes Jahr nicht gehabt, sondern die Delta-Variante, dann wäre das explodiert, dann hätten wir alles runterfahren müssen.“

Epidemische Lage nationaler Tragweite: Bundestagsabstimmung erhitzt die Gemüter

Dass der Bundestag beschließen will, die epidemische Lage nationaler Tragweite zum 25. November auslaufen zu lassen, kritisiert die Journalistin Helene Bubrowski: „Das Signal an die Bevölkerung lautet: Die pandemische Lage endet. Das halte ich wirklich in dieser Lage für einen großen Fehler. Und ich kann auch nicht verstehen, dass Herr Lauterbach hier sitzt und dieses Gesetz verteidigt.“ Bevor Lauterbach antworten kann, klinkt sich Politiker Christoph Ploß (CDU) ein: „Dass morgen möglicherweise der Deutsche Bundestag das Signal aussendet, die epidemische Notlage zu beenden, das ist doch angesichts der Schilderungen, die wir gerade auch gehört haben, absolut fatal. Es ist das völlig falsche Signal in das Land hinein. Deswegen werden wir als CDU/CSU-Fraktion beantragen, die epidemische Notlage zu verlängern und ich erwarte auch, dass Sie da zustimmen.“

Lauterbach kommt erneut nicht zum Antworten, denn Moderator Lanz kommt über Ploß‘ Erklärung ins Stutzen: „Jens Spahn ist in der CDU. Das ist ihr Mann. Der hat die pandemische Notlage für beendet erklärt. Das heißt, Sie stimmen morgen gegen ihren eigenen Bundesgesundheitsminister?“ Ploß antwortet: „Wir haben uns als Fraktion damit befasst und waren sehr einhellig der Meinung, dass die epidemische Notlage verlängert werden muss.“ Lanz lässt Ploß damit nicht davonkommen und fragt: „Als Fraktion, das heißt Jens Spahn war da auch dabei?“ „Ja klar, der ist ja auch in der Fraktion“, antwortet Ploß. Lanz: „Und der stimmt morgen auch gegen seine eigene Ansage?“ Ploß versucht, Spahn zu verteidigen: „Jens Spahn sagt ja nicht: ‚Im Moment ist alles vorbei, wir können jetzt einfach so weitermachen wie vor zwei oder drei Jahren.‘ Das hat Jens Spahn ja nie gesagt.“ Nach weiterem Hin und Her gibt sich Ploß geschlagen: „Ich kann ja jetzt nur dafür werben, was sinnvoll ist.“

„Markus Lanz“ - das waren seine Gäste am 17. November:

Ploß hofft, dass die Abstimmung anders ausgehe als erwartet, weil sie öffentlich sei: „Wir werden ja morgen eine namentliche Abstimmung darüber haben. Das heißt, jeder Bundestagsabgeordnete muss sich vorher fragen, will er jetzt das Signal senden, die epidemische Notlage zu beenden?“ „Herr Lauterbach, wie werden Sie denn morgen stimmen?“, erkundigt sich Talkmaster Lanz. „Ich stimme für das Gesetz, das wir morgen einbringen. In dem Gesetz, die epidemische Notlage zu beenden, sind zahlreiche Maßnahmen, die den Ländern helfen, die Pandemie zu bewältigen. Für diese Maßnahmen habe ich zum Teil selbst gesorgt, zum Beispiel in langen Gesprächen mit Olaf Scholz. Daher stimme ich für den Instrumentenkasten, den wir haben.“

„Dann nehmen Sie aber Instrumente weg“, entgegnet ihm Ploß, doch Lauterbach reagiert scharf: „Ich habe Ihnen eben geduldig zugehört. Ich habe mich wirklich bemüht. Ich finde das unsympathisch, wie die Parteipolitik jetzt wieder reinreißt. Wir sind in den ersten drei Wellen ganz gut klargekommen, weil wir Parteipolitik nicht gemacht haben.“ Der SPD-Politiker räumt jedoch ein: „Kommunikativ ist das ein Supergau. Aber ich bin Arzt und Politiker. Ich versuche doch, das Beste aus der Situation zu machen.“ Mit der Rolle der CDU geht Lauterbach hart ins Gericht: „Es wäre schön, wenn die CDU jetzt auch so staatstragend wäre und nicht versucht, zum 20. Mal billig abzukassieren, dass es ein Fehler war, die epidemische Lage zu beenden.“

Karl Lauterbach geht bei „Markus Lanz“ den Hamburger CDU-Chef Christoph Ploß an: „Das ist nicht seriös!“

Ploß hält allerdings an seiner Sicht fest: „Was jetzt passiert: Sie nehmen den Bundesländern Instrumente weg und das bedeutet, wir fahren in den harten Corona-Winter auf Sommerreifen. Und das kann doch nicht wahr sein.“ „Normalerweise sage ich so etwas nicht“, entgegnet Lauterbach, „aber das, was Sie jetzt sagen, das ist einfach unseriös.“ Sein Vorwurf an den Hamburger CDU-Chef: „Es ist unseriös zu sagen, bei einem Gesetz, wo man vielleicht der Meinung ist, dass das 80 Prozent enthält, das Gesetz enthält ja sogar auch Verschärfungen zum Beispiel am Arbeitsplatz. Aber dann so eine Metapher zu fahren: ‚Wir fahren mit Sommerreifen in den Winter.‘ Das ist nicht seriös.“

„Herr Lauterbach, man muss zu den Ausgangssperren eins sagen: Der Bürgermeister hier in Hamburg, SPD, der hat gesagt, er konnte nur mit Ausgangssperren die Corona-Krise bekämpfen vor einigen Monaten und dadurch sind die Zahlen heruntergegangen. Dieses Instrument nehmen Sie ihm jetzt weg“, hält Ploß dagegen. „Nein, ich nehme es ihm nicht weg“, antwortet Lauterbach zwar, verweist in seiner Antwort aber auf eine Prüfung der Gesetzeslage: „Dieses Instrument war ja angegriffen worden von den Juristen. Die Argumentation, weshalb das jetzt weggenommen wird, ist die, dass man so etwas machen kann, wenn noch keine Impfung da war. Und da hat das auch gewirkt. Und wenn die Impfung da ist und ich habe meinetwegen zwei Drittel der Bevölkerung geimpft, dann wäre es nicht mehr verhältnismäßig, dann wäre es nicht mehr haltbar.“ Gegen Ende einer intensiven Debatte wählt Lauterbach dennoch deutliche Worte: „Man muss ehrlich sein: Wenn 2G und 2G+ nicht funktioniert, wenn wir das nicht kontrolliert bekommen, dann können wir die Katastrophe nicht beherrschen.“

„Markus Lanz“ - Das Fazit der Sendung

Die „Markus Lanz“-Runde diskutiert am Mittwochabend über Deutschlands Lage in der Corona-Pandemie. Die Politiker Karl Lauterbach (SPD) und Christoph Ploß (CDU) stehen sich dabei unversöhnlich gegenüber. Markus Lanz und die Journalistin Helene Bubrowski nehmen nicht weniger emotional an der Diskussion teil. Der Intensivpfleger Ralf Berning hat für die parteipolitische Diskussion wenig Verständnis: „Ich glaube, wenn wir jetzt nicht langsam aus dem Diskutieren und dem Streiten herauskommen, sondern vernünftig versuchen, an der Situation jetzt was zu ändern, mit einem vernünftigen Maßnahmenkatalog – dann werden wir nicht mehr über 2G in Form von geimpft oder genesen reden müssen. Sondern wir werden in ein paar Monaten von 3G reden müssen und zwar von geimpft, genesen oder gestorben. Weil es dann einfach zu spät ist.“

Besonders aufschlussreich war dabei eine Szene, die sich zwischen Lauterbach und Talkmaster Markus Lanz abspielte. Im Fokus: Die Booster-Impfungen, die aktuell in aller Munde sind. Und deren Dringlichkeit zuletzt Noch-Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) betonte. Seit Monaten sei klar, so Lauterbach, dass jede erwachsene Person eine Auffrischungsimpfung erhalten müsse. Lanz kann seine Fassungslosigkeit nicht verbergen: „Seit ein paar Monaten ist das klar?“, fragt der Moderator. Und fasst sich ungläubig ins Gesicht. (Hermann Racke)

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