„Zeigt, wie verzweifelt er ist“

Lanz stellt junger CDU-Expertin simple Frage - ihre Antwort lässt Laschets Klimaplan auffliegen

  • Andreas Schmid
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Wie ernst nimmt Armin Laschet die Klimapolitik? Ein Expertenteam soll das Image des Klimaschutzbremsers aufpolieren. Bei Markus Lanz entsteht aber der Eindruck einer kurzfristigen Aktion.

Hamburg - Armin Laschet ist bislang nicht als ambitioniertester Klimapolitiker in Erscheinung getreten. Vor zweieinhalb Jahren konstatierte der nordrhein-westfälische Ministerpräsident noch: „Aus irgendeinem Grund ist das Klimathema plötzlich ein weltweites Thema geworden.“ Laschet wird von Kritikern wie den Grünen immer wieder vorgeworfen, als Klimaschutzbremser aufzutreten. Angeführt werden in diesem Zusammenhang etwa die großen Mindestabstände bei Windanlagen in Nordrhein-Westfalen. Dieses Image will der Kanzlerkandidat der Union abstreichen. Deshalb holte er sich Unterstützung in sein Wahlkampfteam.

Bundestagswahl: Laschet und die Klimapolitik - Expertenteam erst spontan gebildet?

Wiebke Winter, Laschets neue Klimaexpertin, zu Gast bei Markus Lanz.

Laschet hat mittlerweile – weniger als vier Wochen vor der Bundestagswahl – ein Klimaschutzteam vorgestellt. Unter anderem mit dabei ist die Bremer Bundestagskandidatin Wiebke Winter, die am Dienstag (31. August) beim ZDF-Talk Markus Lanz zu Gast war. Winter versuchte, den kritischen Fragen des ZDF-Moderators auszuweichen und Laschet als den richtigen Mann für Klimapolitik darzustellen. Das klappte nur bedingt, denn Lanz fragte schonungslos nach: „Wann wurden Sie eigentlich ins Wahlkampfteam geholt?“

Winter beantwortete die Frage zunächst nicht und betonte, dass Armin Laschet „ein absoluter Teamplayer“ sei. Nach weiterer Nachfrage musste sie aber zugeben, erst am Montag (30. August) offiziell ins Team geholt worden zu sein. „Mitte, Ende letzter Arbeitswoche wurde ich dann ganz konkret vom Konrad-Adenauer-Haus angesprochen.“ Wann die Idee des Klimateams konkret entstand? „Da müssen Sie Armin Laschet fragen.“ Ein lang geplanter Klimaplan sieht anders aus, monieren Kritiker.

Die Journalistin Eva Quadbeck, die ebenfalls in der Sendung zu Gast war, sagte: „Dass die im Klimateam vertretenen Personen lange nicht sichtbar geworden sind, liegt daran, dass für die Union die Klimapolitik nicht wichtig genug war.“ Wie glaubwürdig Laschet in puncto Klimaschutz sei, fragte Lanz in Richtung Winter. Die norddeutsche Politikerin erlebe den Kanzlerkandidaten als „jemandem, den das Thema wahnsinnig wichtig ist.“

Wiebke Winter bei der Vorstellung des CDU-Klimaplans.

Bundestagswahl: 25 Jahre alt und nun in Laschets Klimateam - wer ist Wiebke Winter?

Wiebke Winter ist 25 Jahre alt und Gründerin der KlimaUnion. Die gebürtige Kielerin ist außerdem Mitglied im Bundesvorstand der Union und strebt eine ambitioniertere Klimapolitik an. Sie war in der Vergangenheit immer wieder als Kritikerin der aktuellen Klimapolitik von CDU und CSU aufgetreten. „Warum wurde nicht früher gehandelt?“, fragte sie etwa in einem Videoporträt mit dem Spiegel. „Man kennt das Problem seit 1990 oder früher. Da war ich noch nicht einmal auf der Welt. Jetzt ist 2021 und ich sage, ich kandidiere für den Bundestag, weil wir die Klimapolitik ändern und die Welt retten müssen.“ Die Veränderung der Klimapolitik sei „das Thema, warum ich in den Bundestag will.“ Im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau* sagt die Jungpolitikerin: „Klimapolitik wird das Thema der nächsten Legislatur werden – das muss es sein.“

Winter selbst hatte im Rennen um den CDU-Vorsitz übrigens nicht Armin Laschet, sondern Norbert Röttgen unterstützt. Dass nun Laschet Parteivorsitzender und letztlich auch Kanzlerkandidat geworden ist, freue sie aber dennoch: „Ich war selbst am Anfang skeptisch, aber je mehr ich ihn (Laschet) kennengelernt habe, desto mehr habe ich gemerkt, dass er einem zuhört und wahnsinnig ernst nimmt.“, sagte sie bei Markus Lanz und ergänzte: „Wie großartig ist das, dass er meine Ideen annimmt und mich in sein Team holt, obwohl ich vielleicht nicht immer in seinem Team war“. Lanz konterte, das zeige womöglich auch, „wie verzweifelt er ist“.

Bundestagswahl: Laschet präsentiert Klimaplan - „erfolgversprechender als Verbote von SPD und Grünen“

Von Winter verspricht sich Laschet einen gestärkten Fokus auf die Klimapolitik. Zuletzt präsentierte der Kanzlerkandidat 15 Punkte, wie er Deutschland zum klimaneutralen Industrieland formen will. Bei der Vorstellung des Projekts dabei waren neben Winter auch Unionsfraktionsvize Andreas Jung und der Berliner Abgeordnete Thomas Heilmann. Das Konzept, sagt Laschet, sei „erfolgversprechender als die Verbote, die wir von SPD und Grünen gehört haben“.

Die Grünen reagieren derweil gelassen auf Laschets Klimateam. „Ich freue mich, wenn andere Parteien unser Wahlprogramm abschreiben“, sagte Bundesgeschäftsführer Michael Kellner auf einer Pressekonferenz. Wie ernst die Union ihre Klimapolitik meint, sei derweil unklar, meinte der Grünen-Politiker. In der Vergangenheit seien CDU und CSU eher mit dem Ausbremsen von Konzepten aufgefallen. Die Grünen bräuchten obendrein kein kurzfristig einberufenes Klimateam: „Wir gehen mit der gesamten Partei in den Wahlkampf.“ (as) *fr.de ist wie Merkur.de ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Rubriklistenbild: © Screenshot ZDF

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