Armin Laschet steigt auf der Rückbank in ein Auto ein und hält ein Handy in der Hand.
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So kennen wir ihn: Im normalen Leben hält CDU-Chef Armin Laschet keine Klemmbretter mit Moses-ähnlichen Geboten in den Händen.

Es geht um Windräder, Kohle oder Autos

Fiese Baerbock-Kampagne gekontert: Bewegung verwandelt auch „Lobby-Laschet“ in Moses und schaltet Anzeige

  • Marcus Giebel
    VonMarcus Giebel
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Wahlkampf ist auch, auf die Ungereimtheiten der anderen hinzuweisen. So verfuhr eine Lobbyorganisation mit Annalena Baerbock. So verfährt nun auch eine Bürgerbewegung mit Armin Laschet.

München - Freundlich grinsend steht er da und schaut dem Beobachter so fröhlich entgegen, das einem beinahe das Herz aufgehen könnte. Armin Laschet trägt Sakko und Hose in Dunkelgrün, ein helles Hemd, dunkle Krawatte. Schwarz sind Schuhe und Strümpfe. Am auffälligsten aber ist ganz eindeutig, was der CDU-Chef und Unions-Kanzlerkandidat in seinen Armen hält.

Dort befinden sich zwei große Klemmbretter. Mit wenigen, aber einprägsamen Worten beschrieben. Zehn Punkten. Sie erinnern an die Zehn Gebote, die Moses nach Überlieferung der Bibel einst auf Steintafeln verbreitete. In einer Zeit, in der weder an die CDU noch Armin Laschet zu denken war.

Laschet und die zehn Gebote: Direkter Konter auf Kampagne gegen Baerbock

Was aber nun hat es auf sich mit dem Politiker-Propheten-Vergleich? Kurz und knapp: Das Bildnis ist ein direkter Konter auf eine Werbeanzeige der Lobbyorganisation „Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft“ (INSM). Diese hatte in großen Zeitungen und auf Webseiten Politik gegen Grünen-Chefin Annalena Baerbock gemacht. Als Moses-Abbild offenbarte Laschets mutmaßlich größte Konkurrentin im Ringen um das Kanzleramt ihre „Zehn Verbote“.

Für diese Kampagne musste INSM viel Kritik einstecken. Ob sich Laschet still ins Fäustchen gelacht hat, ist dennoch nicht bekannt. Die nun ebenfalls in großen Zeitungen und im Internet veröffentlichte Reaktion nach dem Motto „Auge um Auge“ dürfte ihm angesichts des Rückenwinds der vergangenen Wochen dagegen gar nicht schmecken.

Laschet und die zehn Gebote: „Campact“ fordert „tatsächlich umgesetzte Politik“

Die Anti-Laschet-Kampagne stammt aus der Feder von „Campact“. Einer Bürgerbewegung, die nach eigenen Angaben für progressive Politik streitet und über sich behauptet: „Leere Worte lassen wir nicht gelten - unser Maßstab ist tatsächlich umgesetzte Politik. Finanziert durch Spenden verfolgen wir unsere Anliegen unabhängig von Parteipolitik und Wirtschaftsinteressen.“ Ihr Werkzeug seien Online-Appelle, aber auch Demonstrationen oder lokale Aktionen.

„Campact“, das sein eigentlich überwiegend rotes Logo ganz zeitgemäß in Regenbogenfarben getaucht hat, fordert auf dem Bild: „Wir brauchen keinen Klima-Blockierer.“ Ansonsten wird Laschet und damit auch der CDU vorgeworfen, „Windräder verhindern“, den „Kohleausstieg verschleppen“, das „Tempolimit vereiteln“ oder die „Massentierhaltung verteidigen“ zu wollen.

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Laschet und die zehn Gebote: „CDU/CSU blockieren beim Klimaschutz“

Die übergeordnete Kritik an der Regierungspartei und ihrem aktuellen Steuermann lautet: „Ihnen fehlt jeglicher Plan gegen die Klimakrise.“ Schlimmer noch: Vielmehr würden „Lobby-Laschet und die CDU/CSU beim Klimaschutz blockieren“. So würden konkrete Ausbauziele für Windkraft im noch ganz frischen Wahlprogramm ebenso fehlen die Hinweise zum schnelleren Kohleausstieg.

Zudem würde sich dieses beim Kampf um Jobs lediglich auf „hochqualifizierte industrielle Arbeitsplätze“ konzentrieren. Zu Elektro-Autos finde sich nur Unverbindliches. Auch im Hinblick auf den Co2-Preis mangele es an konkreten Lösungswegen.

Als kleinen Seitenhieb auf INSM versah „Campact“ seine Werbung mit dem Hinweis: „Diese Anzeige hat keine mächtige Industrielobby finanziert - sondern tausende Bürger*innen, die echten Klimaschutz fordern.“ Zwei Millionen Menschen sollen hinter der Bürgerbewegung stehen. Und sehr wahrscheinlich auch hinter der Kampagne, bei der Laschet so kurz vor der Bundestagswahl das Lachen vergehen dürfte. (mg)

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