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Laschet kanzlerunfähig, Merz „zu schwach“: Expertin sieht bei „Markus Lanz“ nur eine Unions-Rettung

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Markus Lanz und seine Gäste am 7. Oktober 2021
Markus Lanz und seine Gäste am 7. Oktober 2021 © Screenshot: ZDF-Mediathek / Markus Lanz

Markus Lanz debattiert das Thema Laschet. Minister Altmaier scheitert an der Deutung seines Parteichefs. Eine Expertin sieht nur noch eine Rettung für Union und Jamaika.

Hamburg - Armin Laschet scheint seine Rückzugsbereitschaft angedeutet zu haben - der Redebedarf bei „Markus Lanz“ am Donnerstagabend ist groß. Der aus Berlin per Video zugeschaltete Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) fasst die Ereignisse zusammen: „Armin Laschet hat heute seine Person ein Stück weit zurückgenommen. Er hat sich bereiterklärt, eine Lösung der Erneuerung mitzutragen. Und das ist ein trauriger Moment natürlich, weil wir uns alle gewünscht hätten, die Wahl erfolgreicher zu bestehen, aber es war auch ein notwendiger Schritt.“

Markus Lanz im ZDF: Armin Laschet deutet Rückzug an - Altmaier kann nicht erklären, was das bedeutet

„Wir brauchen die personelle Erneuerung, wir brauchen aber auch eine inhaltliche Neuaufstellung als Volkspartei“, meint Altmaier. „Und Armin Laschet hat heute den ersten Schritt gemacht und das verdient Respekt und Anerkennung.“ Was Laschet konkret vorhat, ist allerdings unklar. Auch Altmaier kommt im ZDF-Talk über Vermutungen nicht hinaus: „Was das für seine Person bedeutet, hat er nicht endgültig konkretisiert. Aber trotzdem haben es alle so verstanden, dass er sich den notwendigen Änderungen nicht in den Weg stellen möchte, wenn es in der Partei dafür eine Mehrheit gibt.“

Gastgeber Markus Lanz zeigt sich verwirrt: „Was heißt das übersetzt? Also Armin Laschet hat ja nicht gesagt: Ich ziehe mich zurück. Aber Sie deuten es als Ankündigung eines Rückzugs und Sie wirken erleichtert dabei.“ Altmaier kommt ins Schlingern: „Es ist das Angebot eines Rückzugs.“ Lanz bohrt weiter: „Und nehmen Sie das an?“ „Nun“, laviert der Minister weiter, „das wird natürlich jetzt die Diskussion sein“. Er gehe davon aus, dass Laschet bereit sei, zum Teil der Lösung zu werden. Altmaier fordert „weitere Schritte“.

Altmaier verweist bei „Lanz“ auf den CDU-Stolz - Parteifreund warnt

Dass Altmaier am Mittwoch per Tweet erklärt hatte, dass der „Ampel-Zug den Bahnhof verlassen“ habe, deutet Lanz als Absage an eine Jamaika-Koalition. Doch der Wirtschaftsminister widerspricht: „Wir haben erklärt: Wenn die Ampel-Koalition nichts wird, sind wir natürlich zu Gesprächen bereit. Aber wir stehen jetzt nicht am Spielfeldrand und sagen bitte, bitte lasst uns aufs Spielfeld, wir möchten mitspielen. Wir haben eine klare Entscheidung der FDP. Es ist das erste Mal seit 41 Jahren, dass ernsthaft zwischen FDP und SPD verhandelt wird. Und das müssen wir zur Kenntnis nehmen. Ansonsten flüchten wir uns vor der Realität.“ Später ergänzt Altmaier: „Wir haben auch unseren Stolz.“

„Markus Lanz“ - das waren seine Gäste am 7. Oktober

Hamburgs junger CDU-Chef Christoph Ploß weicht Lanz’ Nachfrage, ob es auch für ihn ein trauriger Tag sei, aus: „Das sind für uns alles natürlich sehr bewegte Stunden.“ Ploß, der Laschet weder als Parteivorsitzenden noch als Kanzlerkandidat unterstützt hatte, sieht in Laschets Angebot zum Rückzug ein Aufbruchssignal und versucht, es zu nutzen: „Ich denke im Moment vor allem darüber nach, wie die CDU wieder zur Stärke kommen kann, wie wir ein Team werden können. Was mir im Moment Sorgen macht ist, dass einige Kollegen öffentlich übereinander herfallen. Dass einige öffentlich versuchen, andere unter Druck zu setzen.“

Söder statt Laschet? Journalistin sieht nur noch eine Chance für Jamaika - und verreißt heftig den Unions-Wahlkampf

Hart ins Gericht mit den Unions-Parteien und dem Kandidaten Laschet geht taz-Journalistin Ulrike Herrmann. „Eine Partei hatte die Idee - und die ist einfach wahnsinnig - Wahlkampf gegen die eigene Partei zu machen und gegen die Wähler.“ Auf diese Idee sei die Union im Gedanken gekommen, „dass ihnen Deutschland gehört“. „Herr Laschet ist ein sehr netter Mann und Herr Laschet ist auch teamfähig, aber Herr Laschet ist nicht in der Lage, der Kanzler Deutschlands zu sein“, urteilt sie. Ploß stimmt indirekt sogar zu - bei der Kandidatenkür hätten Fragen wie „Zugriffsrechte“ oder Größen von Landesverbänden eine Rolle gespielt. So denke aber die Wählerschaft nicht.

Später bricht Herrmann auch noch eine Lanze für einen schnellen Schwenk hin zu einem Unions-Leader Markus Söder. In die Koalitions-Debatte könnte nur noch einmal Schwung kommen, wenn die CDU und CSU schnell den Bayern zum Kanzlerkandidaten ausrufen. „Söder würde man zutrauen, dass dann Ruhe herrscht.“ Dass der bayerische Ministerpräsident nicht offizieller Kandidat war, werde in der Union letztlich niemand stören, meint sie. Mit Politikern wie Friedrich Merz, Norbert Röttgen oder Jens Spahn gebe es jedenfalls keine Chance auf ein Jamaika-Comeback - alle drei seien „zu schwach“, um FDP und Grüne ins Boot zu ziehen. Ploß sagt die Debatte schnell wieder ab: Die Wahrscheinlichkeit von Jamaika liege in seinen Augen nur bei fünf bis zehn Prozent, erklärt er.

Ampel-Koalition wird sondiert, Lambsdorff betont bei „Markus Lanz“ aber: „Jamaika bleibt eine Option“

FDP-Politiker Alexander Graf Lambsdorff relativiert direkt Altmaiers Rechtfertigung: „Wir sind ja nicht die einzigen, die sagen, dass Jamaika noch auf dem Tisch liegt. Auch Robert Habeck hat ganz klar gesagt: Der Keks ist noch nicht gegessen. Die internen Klärungsprozesse in der Union – dazu will ich nichts sagen, das will ich nicht kommentieren.“

„Aber Sie sind ja betroffen“, hakt Lanz mit Blick auf die Querelen in der Union ein. Lambsdorff pflichtet bei: „Sicher sind wir betroffen, die Grünen sind betroffen. Das ist vollkommen klar, dass insgesamt das Land betroffen ist, wenn es in einer Partei wie der Union einen Tag gibt wie heute. Aber Tatsache ist für uns ganz klar: Wir sind jetzt in den Gesprächen mit den Grünen und den Sozialdemokraten. Dass das aber keine Absage unsererseits an Jamaika war, hat Christian Lindner in großer Klarheit gesagt, das hat Robert Habeck in genau so großer Klarheit gesagt.“

„Markus Lanz“ - Das Fazit der Sendung

Die „Markus Lanz“-Runde debattiert am Donnerstagabend über das Dauerthema Laschet. Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) begrüßt dessen Angebot zum Rückzug, sein Parteikollege Christoph Ploß ebenso: Laschet ermögliche dadurch die Erneuerung der Union. Taz-Journalistin Ulrike Herrmann hat im Gegensatz zu den beiden kein Mitleid mit Laschet und der Union, schließlich habe man sich vor der Wahl für den schlechtesten Kandidaten entschieden - gegen den Willen von Wählerschaft, Basis und weiten Teilen der Partei. Der Journalist Gregor Peter Schmitz weist darauf hin, dass die internen Querelen der Union ebenfalls ihren Anteil gehabt hätten. FDP-Mann Alexander Graf Lambsdorff hält sich aus der Diskussion um Laschet und die Union heraus.

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