Eklat bei Besuch im Krisengebiet

Laschets Lacher-Erklärung wird zu Bumerang: „Niemand zwingt ihn, Kanzler zu werden“

  • Felix Herz
    VonFelix Herz
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Im Epizentrum der Hochwasser-Katastrophe spricht Steinmeier den Opfern Hilfe und bekundet Solidarität. Im Hintergrund? Der herzhaft lachende Kanzlerkandidat Laschet.

Erftstadt – Die Hochwasser-Katastrophe in Nordrhein-Westfalen* und Rheinland-Pfalz kostete über 100 Menschen das Leben, zerstörte Existenzen und ganze Ortschaften. So wie Erftstadt, eine Stadt mit rund 50.000 Einwohnern in der Nähe von Köln: Der Ort wurde von den Fluten besonders hart getroffen wurde – für lange Zeit wird man ihn wohl mit dem durch einen Erdrutsch entstandenen Krater in Verbindung bringen.

Genau diesen Ort besuchten Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Kanzlerkandidat Armin Laschet. Im Erftstadter Ortsteil Liblar hält Steinmeier gerade eine Rede, verspricht Hilfen für die Opfer und beteuert sein Mitgefühl, als sich die Szene ereignet, über die seit dem Wochenende fast genauso viel gesprochen wird, wie über die Katastrophe selbst: Laschet, Anwärter auf die Nachfolge Angela Merkels als Bundeskanzler Deutschlands, steht einige Meter hinter Steinmeier und lacht. Ein herzhaftes, unbeschwertes Lachen, das im krassen Widerspruch zu den äußeren Umständen steht.

Weitere Reaktionen zum Laschet-Fauxpas – auch die internationale Presse äußert sich

Harsche Reaktionen aus Politik und Gesellschaft ließen nicht lange auf sich warten. In einem Versuch, sich zu erklären und zu rechtfertigen, spielte Laschet auch darauf an, dass er den ganzen Tag unterwegs gewesen sei. Das ließen aber einige Beobachter nicht gelten, der Politiker Christopher Lauer schrieb zum Beispiel auf Twitter: „Will man einen Bundeskanzler, der irgendein Fehlverhalten mit „Ich war den ganzen Tag unterwegs“ zu rechtfertigen versucht? Um Schäuble zu zitieren, If you can‘t stand the heat, get out of the kitchen. Niemand zwingt Armin Laschet dazu, Bundeskanzler zu werden.“ In Person von Fraktions-Vize Michael Theurer äußerte sich auch die FDP, der Bild am Sonntag sagte er: „Rheinische Frohnatur in Ehren, aber während der Bundespräsident der Opfer gedenkt, herumzualbern ohne Maske, wird dem Ernst der Lage nicht gerecht“.

Sogar international sorgte der Auftritt für Aufsehen. Während die britische BBC nüchtern die Situation beschreibt, twitterte Emmanuelle Chaze, Korrespondentin des Senders France24, dass nur ein weiterer Tag einen weiteren Laschet-Fauxpas mit sich gebracht hätte, als dieser sich während Steinmeiers Rede im Hintergrund „totlachte“.

Während aus dem Lager der CDU Erklärungsversuche kommen, lässt auch ein Großteil der heimischen Presse kein gutes Haar an Laschets Auftritt. Claus Strunz, Chefredakteur von Bild Live, bezeichnet in einem Video die Situation als „unsäglich“, Laschet habe sich vollkommen daneben benommen. Und Publizist Nikolaus Blome warnte bei n-tv, Laschets Lachen könne vor der Bundestagswahl zu einem großen Problem werden..

Armin Laschet: Die Reaktionen auf seinen Lacher – SPD hinterfragt Charakter

Scharf geschossen wird vor allem aus der SPD, die mit Finanzminister Olaf Scholz ins Rennen um das Kanzleramt geht. So schrieb SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil auf Twitter, er sei wirklich sprachlos – im Tweet verlinkte er das obige Video. SPD-Vizechef Kevin Kühnert teilte dasselbe Video, schrieb darüber nur: „Eine Frage des Charakters.“

Olaf Scholz selbst äußerte sich nicht zu dem Vorfall, auch Grüne-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock verzichtete auf kritische Worte in Richtung Laschet. In der breiten Öffentlichkeit sorgt die Situation dagegen für hitzige Diskussionen. Auf Twitter trendeten am Samstag die Hashtags „Laschetlacht“ und „LaschetDarfNichtKanzlerWerden“. Pianist Igor Levit sah in der Aktion „würdeloses Verhalten“, der ehemalige Vorsitzender des Deutschen Ethikrates, Peter Dabrock, kritisierte der Süddeutschen Zeitung zufolge fehlende Pietät gegenüber den Opfern.

Doch es gibt auch Unterstützung für den kritisierten Kanzlerkandidaten. So schreibt unter anderem der prominente Journalist Hasnain Kazim, er sei bei vielen Katastrophen vor Ort gewesen und dabei den Humor zu behalten sei unbezahlbar wichtig.

Kanzlerkandidat Laschet entschuldigt sich – und erntet weitere Kritik

Am Abend des umstrittenen Auftritts äußerte sich auch Armin Laschet zu dem Vorfall, er veröffentlichte eine Entschuldigung bei Twitter.

Viele Gemüter besänftigen konnte Laschet mit dieser Twitter-Entschuldigung nicht. Ulrich Reitz kommentierte bei Focus Online, nicht einmal die Entschuldigung habe Kanzlerformat und bezeichnete die Erklärungsversuche als provinzielle Schwurbelei. Bei der CDU ist man sich dagegen weitgehend einig, dass mit der Entschuldigung Laschets der Buße genüge getan wurde. So schreibt der ehemalige Bundestagsabgeordnete Ruprecht Polenz bei Twitter: „Laschet hat einen Fehler gemacht. Er hat sich entschuldigt. Jetzt wird kritisiert, er entschuldige sich nur für ‚den Eindruck‘. Der Eindruck, der entstanden ist: Laschet lacht über das Leid (so in zig Kommentaren zu lesen). Dieser Eindruck konnte entstehen - er war aber falsch.“

Merkel im Krisengebiet – und überzeugender Außendarstellung

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel, um deren Nachfolge die Spitzenkandidaten Armin Laschet, Annalena Baerbock und Olaf Scholz kämpfen, besuchte das Krisengebiet. Merkel zeigte sich sichtlich angefasst von dem Bild der Zerstörung, das die Hochwasser-Katastrophe hinterlassen hat, sie sprach von einer „surrealen, gespenstischen Situation“. Man werde jetzt gemeinsam handeln, um die Welt wieder in Ordnung zu bringen, erklärte Merkel und pries im selben Atemzug die überwältigende Hilfsbereitschaft der Menschen.

Bei einer öffentlichen Pressekonferenz von Merkel und Dreyer wird auch die Frage einer Bürgerin zugelassen – anders als beim Auftritt von Laschet und Steinmeier. Es sind diese Kleinigkeiten, die auf der einen Seite Merkels gekonntes Krisenmanagement und langjährige Regierungserfahrung zeigen, auf der anderen Seite verdeutlichen die Reaktionen, dass der Wahlkampf jetzt so richtig Fahrt aufnehmen wird. Eine möglichst auf Fehlervermeidung ausgelegte Kampagne Laschets, die sich auch in Zurückhaltung übt, wird nun auf jeden Fall schwieriger. (fh) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa | Marius Becker

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