Schlimme Panne

Laschet lacht im Hochwassergebiet während Steinmeier-Rede - „Es ist nicht in Ordnung“

  • Anna-Katharina Ahnefeld
    VonAnna-Katharina Ahnefeld
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Während Bundespräsident Steinmeier angesichts der Unwetter-Katastrophe Trost spendet, lacht Laschet im Hintergrund. Ein ungünstiges Bild für einen Kanzlerkandidaten.

Update vom 18. Juli, 21.00 Uhr: Armin Laschet (CDU) hat sein Lachen während der Rede von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier als unpassend bezeichnet. „Ich war den ganzen Tag unterwegs, es gab emotionale Begegnungen, die mich auch wirklich erschüttert haben. Und deshalb ärgere ich mich umso mehr über diese wenigen Sekunden“, sagte der Unions-Kanzlerkandidat am Sonntagabend der „Aktuellen Stunde“ im WDR-Fernsehen. „Das war unpassend, es ist nicht in Ordnung, in einem solchen Moment zu lachen.“

Im WDR-Fernsehen erklärte er weiter, er habe kein Wort von dem verstanden, was der Bundespräsident gesagt habe. „Aber es ist trotzdem in einem solchen Moment unpassend, unangemessen. Ich ärgere mich darüber und es tut mir aufrichtig leid, weil ich gerade sehr viel Leid erlebe und mit so vielen Menschen gesprochen habe und dieses Bedauern mit aller Kraft ausdrücken möchte.“

Laschet lacht im Krisengebiet - folgenschwerer Fettnapf-Sprint mitten im Kanzlerkampf?

Meldung vom 18. Juli, 17.20 Uhr: Erftstadt – Der Auftritt von Armin Laschet (CDU) im Hochwasser-Gebiet bleibt Thema - ein für den Unions-Kanzlerkandidaten unangenehmes. Am Wochenende kursierte im Netz eine Videosequenz der Rede von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier im von der Unwetter-Katastrophe besonders betroffenem Erftstadt. Während Steinmeier angesichts der tragischen Situation seine Betroffenheit zum Ausdruck bringt, sieht man Laschet im Hintergrund mit Umstehenden lachen, offenbar scherzend. In den sozialen Medien wird kontrovers diskutiert: Hat der CDU-Chef das Format, die nächste Bundesregierung zu führen?

Auf Twitter trendeten am Samstag die Hashtags „LaschetDarfNichtKanzlerWerden“ und „Laschetlacht“. Bereits zuvor hatte ein WDR-Interview für Aufsehen gesorgt, in dem der nordrhein-westfälische Ministerpräsident mehrmals den Namen der Moderatorin vergaß – und die Maßgabe äußerte, dass man wegen eines solchen Tages nicht gleich die Politik ändere.

Laschet sorgt mit Lachen für Panne: Fettnapf-Sprint des Unions-Kanzlerkandidaten?

SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil setzte angesichts der Bilder zur Attacke an. „Wie Armin Laschet im Hintergrund rumalbert, während der Bundespräsident zu den Opfern spricht, ist ohne Anstand und empörend“, sagte er der Bild am Sonntag. Er wetterte: „In Krisenzeiten zeigt sich der Charakter, heißt es. Wer ohne Gespür in solch schwierigen Situationen herumfeixt, der disqualifiziert sich selbst.“

Zwar hat Armin Laschet am Samstagabend auf die Vorwürfe reagiert und sich entschuldigt. Doch die Kritik hält weiter an. Die patzigen Interview-Antworten gegenüber dem WRD, das Lachen im Hintergrund, all das fügt sich zu einem ungünstigen Bild angesichts der bevorstehenden Bundestagswahl zusammen. Die Diskussion trifft Laschet in einem schwierigen Moment. Denn in den Wählerumfragen ging es für die Union zuletzt wieder etwas bergauf.

Auch SPD-Kanzlerkandidat Scholz und Grünen-Kanzlerkandidatin Baerbock in Katastrophengebiet

Der Pianist Igor Levit schrieb nach dem Vorfall auf Twitter, ihm fielen zwei Kanzlerkandidaten ein, „denen solch würdeloses Verhalten nicht passiert wäre“. SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz, hat am Donnerstag mit Malu Dreyer, Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz, mit Betroffenen in Bad Neuenahr über die Folgen der Überflutungskatastrophe gesprochen. Am Sonntag reist er zu einem Termin mit Bayerns Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU) ins Berchtesgadener Land. Dort ist nach Starkregen ebenfalls der Katastrophenfall ausgerufen worden.

Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock hat ihr Mitgefühl zuerst nur schriftlich ausgedrückt. Sie ist später als andere Spitzenpolitiker und ohne Pressebegleitung in betroffene Regionen von Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen gefahren. Baerbock hat allerdings als einzige der drei Kanzlerkandidaten auch kein Regierungsamt inne.

Laschet entschuldigt sich für „Eindruck“ im Hochwassergebiet - CDU-Größe stützt den Kanzlerkandidaten

Laschet teilte später mit, er bedauere „den Eindruck, der durch eine Gesprächssituation entstanden sei“. Er räumte ein: „Dies war unpassend und es tut mir leid.“ Der CDU-Vorsitzende betonte: „Uns liegt das Schicksal der Betroffenen am Herzen, von dem wir in vielen Gesprächen gehört haben.“ Tatsächlich besuchte Laschet, nachdem Steinmeier abgereist ist, noch in eine Notunterkunft. Mit ernster Miene hörte er den Menschen zu, die von den Schrecken der vergangenen Tage erzählen.

Später meldete sich aus der Gruppe, die mit Laschet gelacht hat, der Landrat des Rhein-Erft-Kreises, Frank Rock. Er spricht von einer anstrengenden, emotional aufgeladenen Situation und erklärt: „Sollte ich damit die Gefühle von Menschen verletzt haben, entschuldige ich mich dafür ausdrücklich. Auch der Landrat ist nur ein Mensch und macht Fehler.“

Es gibt auch Menschen, die Laschet, der als Wahlkämpfer und Chef der Landesregierung im Katastrophengebiet unter enormem Druck steht, gegen Kritik verteidigen. Einer von ihnen ist der frühere CDU-Bundestagsabgeordnete Ruprecht Polenz. Er schreibt bei Twitter: „Laschet hat einen Fehler gemacht. Er hat sich entschuldigt. Jetzt wird kritisiert, er entschuldige sich nur für „den Eindruck“. Der Eindruck, der entstanden ist: Laschet lacht über das Leid (so in zig Kommentaren zu lesen). Dieser Eindruck konnte entstehen - er war aber falsch.“ Andere finden, ein Lachverbot dürfe es nirgendwo geben, auch nicht bei traurigen Anlässen. (aka mit Material von dpa)

Rubriklistenbild: © Marius Becker

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