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„Es geht alles schief“: CDU entscheidet sich in Nacht-Sitzung für Laschet - mit Chaos und zahlreichen Pannen

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Von: Philipp Fischer

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Nach tagelangem Ringen hat sich der CDU-Vorstand für Armin Laschet als Kanzlerkandidaten entschieden. Doch wie kam es zu dieser Entscheidung? Ein Rückblick.

Berlin - Der Machtkampf zwischen Armin Laschet (CDU) und Markus Söder (CSU) um die Kanzlerkandidatur in der Union scheint sein Ende gefunden zu haben. Der CDU-Vorstand hat sich mit einer Mehrheit hinter den CDU-Vorsitzenden Armin Laschet gestellt. In einer digitalen Sitzung der CDU-Spitze stimmten in der Nacht 31 von 46 Vorstandsmitgliedern für eine Kandidatur Laschets. Neun Stimmen entfielen auf Söder, weitere sechs enthielten sich. Doch wie kam es zu dieser Entscheidung?

K-Frage: Laschet und Söder befanden sich seit Tagen in einem Machtkampf

Startpunkt für den Endspurt um die Kanzlerkandidatur ist der Sonntag. Bei einem kurzfristig anberaumten Treffen wollen die beiden Rivalen zu einer Entscheidung kommen. Nach stundenlangen Verhandlungen gibt es jedoch immer noch keinen Kanzlerkandidaten. Söder verlässt Berlin. Die Entscheidung ist erneut vertragt.

Am Montag geht Laschet dann in die Offensive. Eine Sitzung des CDU-Vorstands soll die Frage der Kanzlerkandidatur endgültig klären. Söder kündigte am Montagnachmittag auf einer Pressekonferenz an, die Entscheidung in die Hände der CDU zu legen. „Wir als CSU und auch ich respektieren jede Entscheidung.“

K-Frage: Das stundenlange Ringen um die Kandidatur beginnt

Statt der erhofften starken Offensive wird die abendliche Sondersitzung am Montag für Laschet zu einer Zitterpartie. Im Laufe des Abends gibt es immer wieder Stimmen, die an der Eignung von Laschet für die Kandidatur zweifeln. Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff wies etwa nach Angaben aus Teilnehmerkreisen auf eine große Unterstützung der Parteibasis für CSU-Chef Söder im Osten hin. Darüber hinaus spricht sich Norbert Röttgen für eine Kandidatur von Söder aus. Auch Wirtschaftsminister Peter Altmaier verwehrt Laschet in der Sitzung seine Unterstützung. Altmaier hält fest, dass man die Stimmung außerhalb des Gremiums im Blick halten müsse. Er kenne praktisch keinen Landesverband außer Nordrhein-Westfalen, der Laschet als Kandidaten möchte.

Laschet gerät im Laufe des Abends immer weiter unter Druck. Dann folgt der Rettungsversuch. Die Basis soll die Entscheidung bringen. Man könne über eine Kreisvorsitzkonferenz nachdenken, aber erst, nachdem der Vorstand für ihn votiert habe. Diese Entscheidung stößt bei vielen auf großes Unverständnis. „Da sind Hasardeure am Werk“, sagt ein CDU-Bundestagsabgeordneter im Interview. Wenige Minuten nachdem diese Informationen aus der Sitzung in die Öffentlichkeit gedrungen sind, soll es eine geheime Abstimmung im CDU-Bundesvorstand geben. Aus Teilnehmerkreisen heißt es, dass der Vorstand darüber abstimmt, ob es eine Kreisvorsitzendenkonferenz vor der Entscheidung über die Kanzlerkandidatur geben soll.

Nach Mitternacht ist immer noch unklar, wie weiter verfahren werden sollen. Wie Welt und Bild berichteten stehen grundsätzliche Fragen jetzt im Raum. Wie soll überhaupt abgestimmt werden? Und wer darf seine Stimme abgeben? Der Vorstand oder auch die Landesvorsitzenden und Ministerpräsidenten? Am Ende verzögert dann noch die streikende Technik die Abstimmung weiter nach hinten. Einige Teilnehmer werden immer ungeduldiger. „Es geht alles schief“, ruft etwa Wolfgang Schäuble nach Informationen des Spiegels.

K-Frage: Die Entscheidung steht fest, Laschet soll es sein - doch akzeptiert Söder?

Dann, nach kräftezehrendem stundenlangem Ringen, steht die Entscheidung fest: Von 46 stimmberechtigten Vorstandsmitgliedern in geheimer Wahl sind 31 für eine Kandidatur Laschets. 9 stimmten für Söder, 6 enthielten sich. Doch das Ergebnis verfehlt seine erhoffte befreiende Wirkung. Es ist weder ein eindeutiges Ergebnis für Laschet noch eine klare Absage an Söder. Und es gibt noch ein weiteres Problem. Nach der Sitzung wird bekannt, dass man gar nicht beschlussfähig war. Denn offenbar wurde nicht satzungsmäßig zu der Sondersitzung eingeladen. (phf)

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