Kanzlerkandidatur: CDU- oder CSU-Chef?

Laschet schickt bei „Markus Lanz“ gereizt Konter in Richtung Söder - „völlig unangemessen“

  • Cindy Boden
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Wer Macht will, wer Deutschland gestalten will, muss Kanzler werden. Laschet hat die Ambitionen. Doch Söder stichelt. Was dem CDU-Chef nicht gefällt.

Düsseldorf/München - Armin Laschet oder Markus Söder: Wer versucht sich denn nun als Kanzlerkandidat? Der Ton wird bereits rauer. Söder gegen Laschet, sozusagen. Oder doch: Laschet gegen Söder?

Die Beziehung zwischen den beiden ist schon lange zwiegespalten. Öffentlich betonen sie gern, wie freundlich sie miteinander telefonieren, wie sie manchmal Späße machen, gegenseitig bei Buchvorstellungen erscheinen und als Ministerpräsidenten eng zusammenarbeiten. Doch inhaltlich unterscheiden sie sich bei der Bekämpfung der Corona-Pandemie immer wieder.

Zuletzt rückte rund um ihre Sticheleien die Kanzlerin in den Fokus. Bei „Anne Will“ ließ Angela Merkel auf Nachfrage der Moderatorin erkennen, dass auch NRW zu den Bundesländern gehört, die sie kritisierte. Die Bund-Länder-Vereinbarungen würden bei steigenden Corona-Infektionszahlen nicht konsequent genug umgesetzt. Während Laschet seine Maßnahmen daraufhin verteidigte, stellte sich CSU-Chef Söder direkt wieder mit der Kanzlerin in eine Reihe. Die „Notbremse“ müsse umgesetzt werden, Merkel habe mit ihrer Sorge und ihrer Einschätzung zur Corona-Entwicklung recht.

Union vor der Entscheidung zu K-Frage: Söder findet Streit zwischen Laschet und Merkel „sehr seltsam“

Am Dienstag der nächste Satz in Richtung Laschet: Bei einer Pressekonferenz sagte Söder, er finde es „sehr seltsam, wenn der CDU-Vorsitzende mit der CDU-Kanzlerin ein halbes Jahr vor der Wahl streitet“. Das hat Laschet nicht überhört.

Am Abend kommt direkt seine Gelegenheit zu kontern. Laschet hat neben Markus Lanz Platz genommen. Laut dem Moderator ist er der Gast, „der im Moment unglaublich unter Druck steht“. Lanz greift Merkels Statement noch mal ausführlich auf, Laschet geht wieder in den Verteidigungsmodus. Der Journalist will wissen, wie sehr es ihn getroffen habe und warum die Kanzlerin ausgerechnet ihn anführte. „In einer solchen Pandemie, in einer solchen Krise muss es auch zwischen einem CDU-Chef und einer Kanzlerin mal einen unterschiedlichen Akzent in einem kleinen Detail geben“, findet Laschet.

CDU-Chef Armin Laschet bei „Markus Lanz“

Markus Lanz spricht CDU-Chef Laschet auf Merkels und Söders Aussagen an

Lanz schwenkt nach München, zu Söders Statement. Er zitiert einen Satz, den er neulich gelesen habe: „Der riecht das, wenn einer angeschossen ist.“ Als Laschet sein Glas hinstellt, antwortet er nur kurz: „Ja, ist auch nicht angemessen. Und, ich habe ein so gutes Verhältnis ...“, führt diesen Gedanken aber nicht zu Ende, weshalb Lanz nachfragt: „Sie haben ein gutes Verhältnis mit ...?“ Laschet geht dazwischen: „Wenn die CSU die Kanzlerin immer so gut behandelt hätte, wie die CDU-Landesverbände und ich das getan hätten, wäre uns manches erspart geblieben.“

Lanz wiederholt Söders Aussagen. Dass es eben nicht gut sei, wenn sich so kurz vor der Bundestagswahl CDU-Chef und Kanzlerin „zerfleischen“, dass der bayerische Ministerpräsident das sicher nicht zufällig sage. Laschet, der scheinbar gereizt immer wieder zum Glas greift, entgegnet: „Das ist wahr.“ Und schweigt.

Laschet bei „Markus Lanz“: „Ich würde nie anderen Ratschläge geben, was sie zu tun haben“

Lanz will ihn aber nicht in Ruhe lassen: „Wie finden Sie das?“ Laschet: „Ich finde es rund um diese Pandemie völlig unangemessen, irgendwelche parteipolitischen Spielchen oder Sticheleien zu machen. Ich habe das all das Jahr über nicht gemacht und werde das auch nicht machen. Es geht hier um Sachpositionen, wir ringen um den richtigen Weg.“ Er ergänzt: „Das ist keine parteipolitische Frage und insofern finde ich das nicht toll, wenn man versucht, darüber Punkte zu machen.“ Am Ende schüttelt Laschet nur noch den Kopf, wieder mit Glas in der Hand: „Glauben Sie, ich antworte jetzt auf jeden dieser Sticheleien und Treffer? Mir geht es hier um die Sache.“ Bei den Ergebnissen, welches Land durch die Pandemie gekommen ist, sei NRW nicht bei den schlechtesten Ländern, „um es mal ganz vorsichtig zu formulieren“. „Und ich würde nie anderen Ratschläge geben, was sie zu tun haben. So ist das.“ Jeder Ministerpräsident bemühe sich um sein Land, er brauche keine Belehrungen von anderen.

Nicht nur Markus Lanz gewinnt den Eindruck, dass Laschet angefasst ist: „Nein! ... Dass das nicht schön ist, dass das nicht nutzt, dass es auch der Pandemie-Bekämpfung nicht nutzt, wenn wir nicht mit einer Stimme politisch sprechen, ist doch völlig klar.“ Das wiederum, muss sich Söder jetzt anhören. (cibo)

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Rubriklistenbild: © Screenshot: ZDF/Markus Lanz

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