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Laschets Wahlkampf lässt Söder und die CSU brodeln

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Von: Andreas Schmid

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Armin Laschet, CDU-Chef (v.) und Markus Söder, CSU-Chef
Im Blick: Die CSU und Markus Söder (hinten) beobachten den Wahlkampf von Armin Laschet genau. © Michael Kappeler/dpa (Archivbild)

Innerhalb der CSU scheint man überzeugt, Söder wäre der bessere Kanzlerkandidat. Der aktuelle Kurs ist eine brodelnde Mischung aus Laschet-Unterstützung und -Kritik.

München - Erst stagnierten, nun sinken sie. Die Umfragewerte der Union befinden sich im Tiefflug. Auf die Frage, wer für die Situation in erster Linie verantwortlich sei, entscheiden sich laut einer aktuellen Forsa-Umfrage 9 Prozent für die Antwort „Markus Söder - wegen seiner Kritik am Wahlkampf der CDU und am Kanzlerkandidaten“. 68 Prozent meinten hingegen, es liege an „Kanzlerkandidat Armin Laschet“. Unter den Anhängern der CDU sehen 80 Prozent die Verantwortung bei Laschet und acht Prozent bei Söder, unter den Anhängern der CSU ist das Verhältnis 90 zu fünf. Die Christsozialen scheinen äußerst unzufrieden mit dem gemeinsamen Kandidaten aus dem Rheinland.

Bundestagswahl: Attacken und Lob - Söders Strategie im Wahlkampf?

Dieses Bild ergibt sich derzeit auch aus Aussagen einzelner CSU-Akteure. Zwar betonten führende Politiker wie CSU-Generalsekretär Markus Blume immer wieder, man arbeite Hand in Hand mit der CDU und unterstütze den gemeinsamen Kandidaten. Doch in der bayerischen Landeshauptstadt hätten sich viele freilich Markus Söder als Kanzlerkandidat gewünscht. Söder verlor den Kanzler-Streit an seinen Konkurrenten aus Aachen.

Der CSU-Chef indes stichelt in diesen Tagen immer wieder gegen seinen Widersacher. Stets subtil, doch wer zwischen den Zeilen liest, erkennt klare Attacken. Laschet sei dennoch ein „sehr guter Kanzlerkandidat“, den er „ohne Groll“ unterstütze, meint Söder. Das mag man dem Franken sogar glauben, dennoch schwingt stets ein gewisser Unterton mit: Ich wäre der bessere Kandidat. Diese Botschaft kommt mittlerweile auch in der CDU an. (Mit unserem brandneuen Politik-Newsletter bleiben Sie im Endspurt Richtung Bundestagswahl stets auf dem laufenden Stand.)

Bundestagswahl: CSU unzufrieden mit Laschet - „So fahren wir voll an die Wand“

Unterstützung erhält der bayerische Regierungschef in dieser Position erwartungsgemäß von der CSU. Im Franz-Josef-Strauß-Haus scheint man Söder-Aussagen wie „es geht nicht darum, sich mit Schlafwagen ins Kanzleramt zu fahren“ gerne zu hören – weil man derselben Meinung ist.

Teile des CSU finden Armin Laschet im Wahlkampf nicht präsent genug. Während die Grünen sowie die SPD bereits in die heiße Wahlkampfphase gestartet sind, hat die Union ihren Wahlkampfauftakt in Rust jüngst erst verschoben. „So fahren wir voll an die Wand“, meint ein nicht namentlich genannter CSU-Politiker gegenüber der Bild. „Das überzeugt niemanden“, sagt selbst CDU-Mann Daniel Günther. Schleswig-Holsteins Ministerpräsident setzte sich im Kanzler-Streit mit am stärksten für Laschet ein.

Bundestagswahl: JU Bayern übt Kritik an Laschets Wahlkampf - „Man merkt aktuell noch zu wenig“

„Die Umfrageergebnisse erfüllen derzeit nicht unsere Erwartung“, sagt Christian Doleschal, Vorsitzender der Jungen Union Bayern, gegenüber dem Münchner Merkur. „Der Wahlkampf ist noch nicht gestartet und unter Corona-Bedingungen so herausfordernd wie selten zuvor. Wahlkampf bedeutet Streit um die besten Ideen für unser Land – davon merkt man aktuell noch zu wenig.“

Damit es in Zukunft besser wird und die Union nicht aus der Regierungsverantwortung fliegt, fordert Doleschal: „Wir dürfen uns nicht im Klein-Klein verlieren, wir haben ein starkes Programm; das muss Armin Laschet jetzt mit Leben füllen. Seine Aufgabe ist es nun den Kurs vorzugeben und die Union am 26. September zum Erfolg zu führen. Dafür ist er angetreten.“ Hilfe gebe es dahingehend auch aus dem Freistaat. „Die Junge Union Bayern als Wahlkampfmotor der CSU unterstützt ihn dabei nach Kräften.“

Bundestagswahl: Aigner über Stimmung in Bayern - „Das kann kein Laschet-Wahlplakat ausgleichen“

Ilse Aigner, Präsidentin des Bayerischen Landtags, führt die Laschet-Politik gar auf die derzeit ebenfalls nicht berauschenden Umfragewerte der CSU zurück. „Dass Markus Söder nicht Kanzlerkandidat der Union geworden ist, hat natürlich für eine gewisse Enttäuschung hier in Bayern gesorgt“, sagte die frühere stellvertretende Ministerpräsidentin dem Spiegel. „Das kann kein Wahlplakat mit Armin Laschet darauf ausgleichen.“

Aigner, die sich einst mit Söder um die Seehofer-Nachfolge als Regierungschef duellierte, scheint insgesamt wenig von Laschet begeistert. Dass Söder in den Umfragen deutlich weiter vorne liegt, überrascht sie nicht. „Die Stimmung der Unionsbasis war meines Erachtens immer pro Markus Söder.“ Warum es dennoch Laschet wurde? „Die Wucht von Markus Söder war und ist vielen in der Schwesterpartei CDU suspekt.“

Innerhalb der CDU scheint man sich derzeit ebenfalls nicht wirklich einig ob der Zufriedenheit mit dem aktuellen Wahlkampf. Einige Politiker forderten von Laschet mehr Power sowie einen generellen Kurswechsel und ein prominenteres Wahlkampfteam. Die größte Rückendeckung erhält der nordrhein-westfälische Ministerpräsident derweil aus Düsseldorf. NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst (CDU) stellt Laschets Pluspunkte in den Vordergrund und ist die Belehrungen aus Bayern obendrein ziemlich leid: „Das Remake des Theaters ‚Strauß gegen Kohl‘, das wir aus Bayern da gerade geboten kriegen, wirkt etwas bemüht.“ (as)

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