Georg Anastasiadis, Chefredakteur des Münchner Merkur, Kommentar.
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Kommentar

Laschets Kompetenzteam: Ein starkes Aufgebot – aber auch das letzte

  • Georg Anastasiadis
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Überlebenskünstler Armin Laschet kämpft. Doch sein Kompetenzteam kommt spät - oder vielleicht sogar schon zu spät? Ein Kommentar von Georg Anastasiadis.

Im spät und hastig aus dem Hut gezauberten „Team Laschet“ steckt ein Eingeständnis, das den eigensinnigen Unions-Kanzlerkandidaten heftig schmerzen muss: Er selbst kann gegen den populären Olaf Scholz die Wahl nicht mehr gewinnen. Noch härter formuliert: Um seiner selbst willen wird Laschet nicht gewählt. Die (parteiinternen) Siege über Merz und Söder hatten in ihm eine Selbstgewissheit reifen lassen, die nicht übereinstimmte mit der Beurteilung durch die Wähler. Die allenfalls halbherzige Unterstützung durch Merkel und Söder erwies sich als ebenso wenig hilfreich. Etwas früher präsentiert, wäre das durchaus namhafte Expertenteam ein Zeichen von Souveränität gewesen. So ist es das letzte Aufgebot.

Dennoch ist es richtig, dass Laschet die Kompetenz der Union in ihrer ganzen Breite ins Schaufenster stellt, angeführt von Merz und dem renommierten Terrorexperten Peter Neumann. Der NRW-Chef zielt damit auf den wunden Punkt von Olaf Scholz. Der kann schließlich schlecht mit Esken und Kühnert kontern. Viele Bürger vertrauen Scholz, aber nicht seiner Partei. Das ist der letzte Trumpf der Union. Allerdings führt für CDU und CSU kein Weg an der Erkenntnis mehr vorbei, dass es schon eines Kunststücks bedarf, um den Verlust des Kanzleramts jetzt noch abzuwenden. In den demoskopisch befeuerten Wahlkampfendspurts der letzten Jahre war es selten so, dass sich Trends in letzter Minute noch umkehren ließen, und die (Brief-)Wahl läuft ja schon. Nichts ist so sexy wie der Erfolg. Und dieses Momentum liegt aktuell klar bei Scholz, der zunehmend auch Stimmen aus dem Lager der Grünen-Wähler anzieht, die damit sicherstellen wollen, dass der Auftrag des Bundespräsidenten zur Regierungsbildung zunächst an Scholz und nicht an Laschet geht. Aus dem Triell ist ein Duell geworden. Und Laschet muss zuerst ziehen, wenn er seine letzte Chance wahren will.

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