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Lauter! Greller! Schriller!

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Sorgtmit seinen Aussagen für eine hitzige Diskussion: Bundesbankvorstand Thilo Sarrazin (SPD). © dpa

München - Zur aktuellen Empörung die Aussagen von Thilo Sarrazin ein Kommentar von Lorenz von Stackelberg, Politikchef des Münchner Merkur.

Es ist das zweifelhafte Markenzeichen des Thilo Sarrazin, dass er seine bedenkenswerten Thesen auf eine Weise unters Volk bringt, die an die Jagd eines Süchtigen nach dem nächsten Kick erinnert: Lauter! Greller! Schriller!

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Grundsätzlich mag es zwar richtig sein, dass unbequeme Wahrheiten erst dann den Weg ins Bewusstsein breiter Massen finden, wenn sie in gezielte Provokationen verpackt werden; jetzt allerdings könnte der streitlustige Bundesbankvorstand selbst zum Opfer dieses Erfolgsrezeptes werden. Das Räsonieren über genetische Eigenschaften von Volksgruppen ausgerechnet unter Bezug auf die Juden trägt nichts zur Erhellung seiner Thesen bei, setzt dafür aber zuverlässig jenen Mechanismus einschlägiger Assoziationen in Gang, der Gegner in Massen mobilisiert und die Wohlmeinenden vor den Kopf stößt. Das war sie, die Überdosis.

Sarrazin: Der Provokateur redet Klartext

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Lorenz von Stackelberg ist Politik-Chef des Münchner Merkur. © Schlaf

Dem hartnäckigen SPD-Mitglied Sarrazin jetzt auch noch kalkuliertes Zündeln mit Rassentheorien zu unterstellen, um eine bestimmte Klientel zu bedienen, wäre allerdings absurd. Umso mehr wundert man sich, dass ein Faktenmensch wie der Ex-Finanzsenator ausgerechnet jene Schublade mutwillig geöffnet hat, die hierzulande unter Starkstrom steht, wie schon zahlreiche Politiker vor ihm schmerzhaft erfahren mussten.

Der Bekanntheitsgrad des selbsternannten Aufklärers dürfte zwar in den letzten 24 Stunden vor der heutigen Präsentation seines Buches noch einmal sprunghaft gestiegen sein, aber die erhoffte breite Debatte über eine angebliche Überfremdung durch integrationsunwillige Einwanderer aus islamischen Ländern wird von einem Sturm der Entrüstung fortgeblasen. Und das politisch korrekte Deutschland geht auf Distanz. Seinem Anliegen hat Sarrazin einen Bärendienst erwiesen.

Lorenz von Stackelberg

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