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Nach hitzigem TV-Auftritt: Lauterbach prophezeit jahrelangen Corona-Kampf - und warnt vor neuen Beschränkungen

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Von: Patrick Mayer

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Bundesgesundheitsminister: Karl Lauterbach von der SPD.
Bundesgesundheitsminister: Karl Lauterbach von der SPD. © Wolfgang Kumm/dpa

In Deutschland werden in der Coronavirus-Pandemie weitreichende Lockerungen verkündet. Dennoch begründet Karl Lauterbach drohende Kontaktbeschränkungen. Kritik an Impfverweigerern inklusive.

München/Berlin - Corona-Lockerungen überall. Zuletzt war Baden-Württemberg an der Reihe. Das Bundesland ist nach Einwohnern mit 11,1 Millionen immerhin das drittgrößte der Bundesrepublik. Der sonst eher zurückhaltende Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) kündigte weitreichende Lockerungen in der Coronavirus-Pandemie* an. Clubs und Discotheken könnten auf Basis der 2G-Regel wieder öffnen, Ungeimpfte sollen die Tagesgastronomie unter Nachweis eines negativen Tests wieder nutzen dürfen.

Zuvor hatte bereits Bayerns Markus Söder (CSU) bei den Corona-Lockerungen aufs Tempo gedrückt. Söder, der sich gerne an der Spitze von „Team Vorsicht“ sieht. Einer aber bleibt auch jetzt unvermindert im „Team Vorsicht“: Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD)*. Wann kehrt Deutschland in die einstmals gekannte Normalität zurück, Lautet eine seit langem gestellte Frage. Zu denken sei hierbei in Zeiträumen von zehn Jahren, sagte der SPD-Politiker an diesem Freitag (18. Februar) in Berlin. 

Corona-Lockerungen in Deutschland: Karl Lauterbach (SPD) mahnt bei Sandra Maischberger

Lauterbach erklärte zu seiner These: Es gebe eine Gruppe in der Bevölkerung, bei der Impfungen allein nicht ausreichend wirkten, etwa bei Menschen mit Immundefekten und Patienten mit Krebs oder nach einer Chemotherapie. Lauterbach erläuterte, der nach der Pandemie angestrebte „endemische Zustand“ werde teils so dargestellt, als wäre dies etwas, „was wir feiern müssten“. Dies bedeute aber weiterhin, dass es immer wieder Ausbrüche und möglicherweise neue Varianten geben könne.

Corona in Deutschland: Karl Lauterbach (SPD) schließt künftige Kontaktbeschränkungen nicht aus

Schon zuvor hatte sich der Rheinländer ähnliche Thesen aufgestellt, jüngst im ARD-Talk „Maischberger. Die Woche“. Dort warnte Lauterbach in der Sendung vom 16. Februar etwa vor drohenden Kontaktbeschränkungen ab Herbst, sollte Deutschland bis dahin die Corona-Lage nicht im Griff haben.

Wenn wir die Impfpflicht nicht bekommen, müssen wir im Herbst wieder Kontaktbeschränkungen machen.

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD)

Maischberger fragte den Ressortchef, ob er geglaubt habe, dass die Corona-Pandemie mindestens zwei Jahre dauern werde. „Wenn ich ganz ehrlich sein soll: Ja! Ich habe ja damals schon gesagt, dass wir eine lange Strecke an Einschränkungen benötigen“, antwortete er und erklärte: „Hätten wir die Impfungen nicht bekommen, wäre es einfach weitergegangen. Weil diese Erkrankung tatsächlich so schwer ist, dass wir die Einschränkungen brauchen und gebraucht haben.“

Corona-Themen: Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) und Sandra Maischberger im Gespräch.
Corona-Themen: Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) und Sandra Maischberger im Gespräch. © Screenshot ARD/Maischberger

Corona: Karl Lauterbach redet sich wegen Impfverweigerern und „Freedom Day“ in Rage

Karl Lauterbach* redete sich in der Sendung moderat, aber dennoch strikt zeitweise sichtlich in Rage. Bei zwei Themen stieg seine Aufregung: Impfverweigerern und einem möglichen sogenannten Freedom Day, an dem alle Kontaktbeschränkungen fallen könnten. Der 58-Jährige mahnte stattdessen eindringlich - einmal mehr. „Wenn wir die Impfpflicht nicht bekommen, müssen wir im Herbst wieder Kontaktbeschränkungen machen. Die Debatte, die keiner mehr hören will, kommt dann erneut, und nur deshalb, weil es hier eine kleine Gruppe gibt, die nicht bereit ist, sich solidarisch einzubringen“, sagte er mit Blick auf die Impfverweigerer und die ins Stocken geratene Debatte über eine allgemeine Impfpflicht.

Beim Thema „Freedom Day“ wurde Lauterbach ebenfalls deutlich, teils in hörbar ablehnender Tonlage. „Ich benutze diesen Begriff überhaupt nicht. Und finde auch nicht, dass er angemessen ist. Erstens wissen wir nicht genau, was nach dem 20. März gilt. Ob wir tatsächlich die Erfolge erreichen können, die wir jetzt versuchen zu erreichen. Das wird sehr darauf ankommen, wie die Maßnahmen wirken“, erklärte er zu seinen Beweggründen.

Im Video: Karl Lauterbach warnt Länder vor Wettlauf bei Corona-Lockerungen

Zum Zweiten gebe es auch nach dem 20. März, dem möglichen „Freedom Day“, „immer noch Menschen, die gefährdet sind. Es gibt Menschen, die wir durch Impfungen nicht schützen können. Es gibt Ältere, wo die Impfungen nicht so gut wirken. Für diese Menschen wird es nie eine volle Freiheit geben“, sagte er im Gespräch mit Sandra Maischberger und meinte: „Ich finde es nicht richtig, so zu tun, als ob es für jeden komplett Normalität gäbe. Die Welt wird auch nach dem 20. nicht so sein wie vor der Pandemie. Wir haben eine zusätzliche Erkrankung. Ich weiß, dass viele das nicht gerne hören. Aber wir haben eine zusätzliche Krankheit, die auch nicht mehr weggeht, die ansteckender und tödlicher als die Grippe ist.“

Daher möge er es gar nicht, „wenn man sagt ‚Freedom Day‘“, meinte Lauterbach: „Das wäre, als würde man sagen, dass es den Status wie vor der Pandemie wieder gäbe.“ (pm) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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