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Noch „zehn Jahre Covid“? Lauterbach warnt bei Maischberger erneut - und gerät in die Defensive

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Sandra Maischberger fühlt Karl Lauterbach in der ARD auf den Zahn - der Minister räumt ein Scheitern ein. Auch beim Thema Ukraine wird es turbulent.

Berlin - Für viele ist das eine gute Nachricht: Bund und Länder haben beschlossen, den Großteil der Corona-Beschränkungen bis zum 20. März auslaufen zu lassen*. Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) sieht dennoch keinen Grund zur Freude. Das Wort „Freedom Day“ benutze er nicht*: „Ich glaube, dass wir uns noch zehn Jahre lang mit Covid beschäftigen müssen“, warnt er im Talk zum Thema bei „Maischberger. Die Woche“ im Ersten.

Die Intensität werde abnehmen, so der Minister, doch die Welt werde „nicht mehr so sein wie vor der Pandemie“. Lauterbach stellt klar: „Wir haben eine Krankheit dazu bekommen“ und befindet mit Hinblick auf vulnerable Gruppen gar „für einige“ werde es „nie eine volle Freiheit“ geben.

Doch inzwischen findet diese Art der Kommunikation immer mehr Kritiker - vor Kurzem machte die Bezeichnung „Angstminister“ die Runde*. Auch Sandra Maischberger* konfrontiert Lauterbach mit den Vorwürfen und Welt am Sonntag-Chefredakteurin Dagmar Rosenfeld aus der Experten-Runde wendet ein, es sei nicht Aufgabe eines Gesundheitsministers „Worst-Case-Szenarien“ darzustellen, sondern „Vorsorge zu treffen“. Lauterbach, so Rosenfeld, sei „wortgewaltig“, aber in seiner Ministerarbeit „tatenungewaltig“. 

„Maischberger. Die Woche“ - diese Gäste diskutierten mit:

Als Experten: 

Lauterbach trifft der Vorwurf sichtlich. Er wettert gegen die „Springer-Presse“ und „Kampagnenjournalismus“ und verhaspelt sich mehrfach nach Worten suchend. Ob er nach zwei Jahren Kampf gegen die Pandemie erschöpft sei, will Maischberger* von Lauterbach wissen. Doch der versichert „Nein“, die Pandemie werde weiterhin „systematisch abgearbeitet“. Die Kritik an übertriebenem Pessimismus will er nicht gelten lassen. Lauterbach: „Das sind keine Worst-Case-Szenarien!“

Doch auch Maischberger ist kritisch und wirft Lauterbach die 2G-Regel für den Einzelhandel vor die Füße - die nicht medizinisch notwendig gewesen sei, sondern „Ungeimpfte zur Impfung“ hätte bewegen sollen. Ein Plan, der nicht aufging. „Ich sage ungerne, dass etwas gescheitert ist“, gibt der Minister zu. „Wir halten fest: Das hat nicht gewirkt“, bohrt Maischberger und der SPD-Politiker knickt ein: „Wenn Sie einen Misserfolg hören wollen: Genau!“ und verteidigt sich: Der sei bereits von der alten Regierung eingeleitet worden.

Lauterbach spricht RKI-Chef Vertrauen aus und dann doch von möglichem Rücktritt

Doch Lauterbach wartet auch mit ein paar guten Nachrichten auf: Wer geboostert ist, so verspricht der Gesundheitsminister in Bezug auf die Datenlage, sei auch gegen kommende Mutationen vor schweren Verläufen geschützt. Eine vierte Impfung ist möglicherweise auch nur dann notwendig, wenn man in einer neuen Welle auch eine Infektion ausschließen möchte. Außerdem verspricht der Minister: „Die Fallzahlen werden jetzt sinken“. Lauterbach betont, die aktuellen Lockerungs-Pläne seien in seinem Ministerium ausgearbeitet wurden.

Auf RKI-Präsident Lothar Wieler angesprochen, der durch die eigenmächtige Verkürzung des Genesenen-Status‘ in Kritik geraten ist, gibt sich Lauterbach verständnislos. Wieler genieße sein „vollstes Vertrauen“, so der Minister. Er davon aus, dass Wieler auch im Sommer noch im Amt sein werde. Maischberger hebt ungläubig die Augenbrauen: „Das bestimmt doch ihr Ministerium!“ Einen etwaigen Rücktritt Wielers habe er ja nicht zu verantworten, entgegnet Lauterbach.

Linken-Politiker verteidigt Putin - da greift der Ex-US-Botschafter John Kornblum ein

Streit gibt es auch im zweiten Teil der Sendung. Zum Thema Ukraine hat Maischberger ein kontroverses Gespann geladen. Die Linken-Politikerin Sevim Dağdelen positioniert sich wenig überraschend als Putin-Versteherin und vergleicht den russischen Truppenaufmarsch an der ukrainischen Grenze mit der Kuba-Krise. „Die USA“ hätten sich zum Höhepunkt des Kalten Krieges 1962 „nicht auf die Pelle rücken lassen“ wollen. Sie verstehe es deshalb nicht, „wie man nicht nachvollziehen kann, dass Russland ein Sicherheitsinteresse hat.“ Der „Westen“ so die Linken-Politikerin weiter, habe nach dem Untergang der Sowjetunion „versprochen“*, die Nato werde sich nicht nach Osten ausdehnen. Doch dann sei sie bis an Russlands Grenzen vorgerückt.

Maischberger versteht das Problem nicht: „Es war die souveräne Entscheidung der Polen, der Tschechen: Wir wollen Mitglieder der Nato sein“, wendet sie ein. Jeder könne natürlich einen Antrag stellen, so Dağdelen und wagt einen kruden Vergleich: Selbst „bei einem Taubenzüchterverein“ sei es auch so, dass „der Verein und die Mitgliederversammlung darüber entscheiden, ob der Antrag bewilligt wird oder nicht.“ Maischberger kommt sofort mit dem Zeigefinger: „Sie sagen, die Nato ist ein Taubenzüchterverein?“ Der ehemalige US-Botschafter in Berlin, John Kornblum, bremst die Politikerin aus. „Die große Bedrohung für Russland sind nicht die Waffen“, stellt er fest. „Die Vereinigten Staaten haben ihre Truppen von 300.000 auf 50.000 reduziert. Die große Bedrohung für Russland ist die Demokratie!“

Kornblum ist sicher: „Putin hat seine Spielchen gehabt“, Konfrontation wird nachlassen

Dem Vorwurf, es habe ein Versprechen der Nato gegeben, nimmt Kornblum mit einem einfachen Satz die Substanz: „Ich war dabei.“ In den Augen der Russen wurden die USA als Befreier vom Kommunismus empfangen. Der Anstoß zur Osterweiterung sei auch erst „später durch Staaten wie Polen“ gekommen, die Angst gehabt hätten, „Russland allein gegenüberstehen zu müssen.“

Der Diplomat stellt klar: „Die Russen fühlen sich nicht bedroht. Ihr Präsident fühlt sich bedroht.“ Russland sei eine Diktatur, eine Kleptokratie, in der ihr Präsident die „letzten 20 Jahre Krieg gegen sein eigenes Volk“ geführt habe. Mit der Ukraine habe sich Putin verzockt. Kornblum: „Putin hat seine Spielchen gehabt.“ Und ist sicher: Die Konfrontation wird abnehmen. (Verena Schulemann)

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