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Stöhr über „Lauterbachs Corona-Panik“: „Maske tragen und Abstand halten, ist nicht notwendig“

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Von: Max Müller

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Im IPPEN.MEDIA-Interview attackiert Virologe Klaus Stöhr Gesundheitsminister Karl Lauterbach. Sein Vorwurf: Panikmache. In einem Punkt sind sie sich allerdings einig.

Berlin – Klaus Stöhr erneuert seine Kritik an Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD). „Aktuell ist die Bundesregierung eher im Panikmodus unterwegs. Um es ganz klar zu sagen: Masken tragen und Abstand halten ist gegenwärtig nicht notwendig“, sagte er im IPPEN.MEDIA-Interview. Vor ein paar Tagen stand Lauterbach bereits im Zentrum einer Kritik des 63 Jahre alten Virologen.

Grundsätzlich würden wichtige Daten zur Corona-Lage in Deutschland fehlen, so Stöhr. Dabei habe es entsprechende Anfragen von Forschungsgruppen gegeben. Die habe das Gesundheitsministerium aber abgelehnt. Man müsse wissen, wie viele Vulnerablen keinen Impfschutz haben. „Die haben das größte Risiko, im Herbst schwer zu erkranken und das Allgemeinwohl zu belasten“, sagte Stöhr. Andere Länder seien besser über ihre Immunlücke informiert.

Klaus Stöhr befürwortet Reduktion von Corona-Schnelltests

Lauterbachs Vorschlag, das Angebot für kostenlose Schnelltests zurückzufahren, unterstützt Stöhr hingegen. „Wir sollten bei den Tests zur Normalität zurückkehren. Die Normalität ist: Man führt einen Test bei Erkrankten durch, wenn das Ergebnis relevant für die Therapie ist. Eine Ausnahme sind die Krankenhäuser und Pflegeheime, wo es auch um die Vermeidung von Infektionen geht und den Schutz vulnerabler Gruppen.“

Klaus Stöhr steht auf einer Wiese, während rechts neben ihm eine Maske zu sehen ist.
Die Maske braucht man aktuell nicht, sagt Virologe Klaus Stöhr. © Frank Rumpenhorst/Sven Hoppe/dpa (Montage)

Stöhr monierte, dass man nicht allen Menschen eine vierte Impfung anbieten sollte. Nicht jeder könne den Impfstoff bekommen, den er möchte – das sei auch eine Frage der Kosten. „Es geht beim Impfschutz um den Schutz des Allgemeinwohls. Hier spielt meiner Meinung nach auch die Frage eine Rolle, was eine Maßnahme kostet. Denn das belastet auch das Allgemeinwohl. Nicht ohne Grund muss man zum Beispiel die Influenza-Impfung selbst bezahlen, wenn man unter 60 Jahre alt ist“, sagte er.

Klaus Stöhr zu Corona-Infektionen: „Wird man nicht verhindern können“

Mit Blick auf den Winter sagte Stöhr: „Dass im Winter Atemwegserkrankungen zunehmen, mit steigender Belastung auf den Intensivstationen, ist nicht erst seit 2020 so. In heftigen Wintern müssen auch mal Patienten in andere Krankenhäuser verlagert werden. Das wird auch in diesem Winter so sein.“ Deswegen sei es umso wichtiger, dass die vulnerablen Gruppen vorher geimpft sind. „Im nächsten Jahr werden die meisten Menschen eine natürliche Immunität haben, wenn sie sich zwangsläufig nach der Impfung ein paar mal angesteckt haben.“

Dass Menschen sich infizieren, werde man nicht verhindern. Der Zeitpunkt sei zweitrangig, wie Stöhr an seiner eigenen Person erläutert. „Ich bin dreimal geimpft und habe mich zweimal infiziert. Ich werde mich wieder infizieren, das ist unvermeidbar. Wann ich mich infiziere, ist für den Verlauf nahezu irrelevant. Denn ich habe einen bestimmten Gesundheitsstatus und eine Immunlage, die den Verlauf der künftigen Infektion bereits jetzt determinieren.“ Wichtig sei, dass man das Gesundheitssystem nicht überlaste, sonst „steigt die Gefahr, dass der Peak im Winter größer wird“. (Max Müller)

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