Karl Lauterbach bei einer Sitzung des Deutschen Bundestages
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Karl Lauterbach bei einer Sitzung des Deutschen Bundestages

„Was soll das?“

FDP-Politiker wirft Lauterbach „Hass und Hetze“ vor - Riesiger Twitter-Zoff mit tausenden Posts folgt

  • Florian Naumann
    vonFlorian Naumann
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Kritik oder „Hass und Hetze“? FDP-Generalsekretär Volker Wissing hat über Ostern Karl Lauterbach ins Visier genommen - und tausende, größtenteils verständnislose, Reaktionen provoziert.

Berlin - Karl Lauterbach tut in der Corona-Krise unermüdlich Warnungen und Einordnungen zum Stand der Pandemie kund - so ist der SPD-Gesundheitspolitiker einerseits zu einer der meistbeachteten Stimmen in der Virus-Krise geworden. Andererseits schlägt dem Rheinländer aber auch einiges an offenem Hass entgegen. Erst vor wenigen Tagen hatte Lauterbach Morddrohungen gegen seine Person öffentlich kommentiert.

Die verbale Gewalt gegen Lauterbach sorgt auch bei politischen Wettbewerbern für Entsetzen. Allerdings teils mit Vorwürfen auch an die Adresse des SPD-Politikers versetzt: Eine vergiftete Mitgefühlsbekundung des FDP-Generalsekretärs Volkers Wissing schlug am Osterwochenende auf Twitter hohe Wellen.

Lauterbach kritisiert FDP-Chef Lindner - Generalsekretär kontert mit „Hass und Hetze“-Vorwurf

„Der Hass, der Karl Lauterbach entgegenschlägt, ist abscheulich und verwerflich. Und trotzdem betreibt auch er das Geschäft von Hass und Hetze“, schrieb Wissing am Karsamstag in dem Kurznachrichtendienst. Er fügte an, gerade Lauterbach „sollte es besser wissen“.

Der Kontext des Vorwurfs ergab sich aus dem von Wissing zitierten Tweet: Lauterbach hatte in Person von Parteichef Christian Lindner die Rolle der FDP in der Pandemie Stunden zuvor scharf kritisiert - und den Liberalen indirekt ein Spiel mit dem Leben vieler Menschen vorgeworfen. „Ich will mir gar nicht vorstellen, wie es uns jetzt ginge, wenn Christian Lindner in der Regierung schon unsere noch gelungene Arbeit in der ersten Welle torpediert hätte“, lautete Lauterbachs Urteil. Bei der Idee, „mit dem Virus zu leben“ handle es sich um „Kitsch“, der Menschen ihr einziges Leben hätte kosten können. Der SPD-Abgeordnete griff damit auch ein früheres Wortgefecht auf.

Lauterbach-Wissing-Streit ufert auf Twitter aus - mehrere tausend Kommentare über Osterfeiertage

Am Ostersonntag häuften sich dann die Beschwerden prominenter Politiker und Publizisten unter Wissings Posting - nicht nur aus Reihen der SPD. „Was hat sein Tweet mit Hass und Hetze zu tun? Sie wissen nicht, wovon Sie reden“, erklärte die frühere Grünen-Chefin Simone Peter. „Das betreibt Karl Lauterbach nun wirklich nicht. Ein FDP-Generalsekretär sollte besser auf seine Worte achten“, schrieb Ex-CDU-General Ruprecht Polenz. Die Grünen-Politikerin und Autorin Marina Weisband erkundigte sich: „Gegen wen oder was betreibt Karl Lauterbach das Geschäft von ‚Hass und Hetze‘? Was soll das?“ Bis Sonntagabend liefen unter den Postings Lauterbachs und Wissings mehrere tausend - größtenteils empörte - Kommentare auf.

Auch die beiden Protagonisten meldeten sich nochmals zu Wort: „Ich hasse niemanden. Sogar die Querdenker nicht. Geschweige denn Herrn Lindner“, wandte sich Lauterbach eher kühl an Wissing. Der verteidigte noch am Karsamstag seinen Vorwurf. Er habe „nichts gleichgesetzt“, erwiderte Wissing Kritik an seinem Angriff - und erneuerte seine Anklage in Richtung Lauterbach: „Gleichwohl bin ich enttäuscht, wenn jemand, der solchen Anfeindungen ausgesetzt ist, selbst auf Hetze und Polemik zurückgreift.“ Lindner selbst unterbrach seine digitale Osterruhe zunächst nicht, um sich zu Wort zu melden.

Eine Parteifreundin Wissings hatte ihre Kritik übrigens bereits zuvor etwas weniger zugespitzt auf den Punkte gebracht: „Sehr geehrter Herr Lauterbach - das war jetzt wirklich billigster Populismus“, antwortete Jacqueline Krüger, ehemalige FDP-Generalsekretärin in Brandenburg, auf Lauterbachs FDP-Schelte. (fn)

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