Ein Leben voller Frustrationen

Marion Trimborn: "Der Kampf um die Quote"; Politik 15. Mai

Wenn es nicht so traurig wäre, könnte man es schon als “Kuriosum der Geschichte” betrachten, falls man bedenkt, welcher Anstrengungen es bedurfte, um noch vor 200 Jahren schwarze Arbeitskräfte aus Afrika zu holen. Heute entfliehen diese Menschen freiwillig auf eigene Kosten und unter Lebensgefahr ihrem Heimatland in der Hoffnung, bei uns ein besseres Leben zu finden.

Doch was erwartet diese hier, die kaum über eine Schulbildung verfügen und als Wirtschaftsflüchtlinge wohl auch keinen verfassungsmäßigen Anspruch auf Asyl haben, aber auch nicht zurückgeschickt werden? Ein Leben voller Frustrationen, sobald ihre Illusionen wie Seifenblasen zerplatzt sind.

Sie werden auch unter Gewissenskonflikten leiden, denn die Verwandten und Bekannten daheim, die ihnen das Geld zur Flucht geliehen haben, erwarten eine mehr als großzügige Rückzahlung und werden kein Verständnis dafür aufbringen können, dass es hier im Land keine Arbeitsmöglichkeiten geben soll. Und selbst dann, wenn ihnen doch Asyl gewährt wird, steht für sie kein Wohnraum zur Verfügung.

80 Millionen sollen auf der Flucht sein, und in diesem Jahr sollen weitere 3000 Flüchtlinge nach Deutschland kommen. Was soll die Zukunft bringen? Ich hoffe, die Politiker Europas und insbesondere Deutschlands als dem Aufnahmeland Nr. 1 haben darauf eine Antwort. Schiffe allein, um die Schiffsbrüchigen vor dem Ertrinken zu retten, lösen das Problem nicht. Eine von Brüssel eingerichtete Anlaufstelle für Asylbewerber irgendwo in Nordafrika wird auch nichts nützen, da die abgelehnten Bewerber sich nicht davon abhalten werden lassen, sich Schleusern anzuvertrauen, um dennoch irgendwie aufs europäische Festland zu gelangen.

Falls es der Weltgemeinschaft nicht gelingt, für diesen Personenkreis würdige Aufenthalts- und Arbeitsmöglichkeiten in deren Stammländern zu schaffen, werden wir weiterhin mit diesem Problem zu tun haben.

Adi Schmidt

Grafing

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