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Der Vorsitzende der Lehrergewerkschaft VBE, Udo Beckmann. Foto: Federico Gambarini

Aktuelle Studie

Jeder fünfte Schulleiter sieht mangelhafte Schulpolitik

Wenn Lehrer ihren Schulpolitikern Noten verpassen dürften, würde so mancher mit Rotstift "Versetzung gefährdet" schreiben. Schulleiter leiden unter wachsenden Aufgaben, Bürokratie und Seiteneinsteigern mit Lehrer-Crash-Kurs. Eine Studie gibt neue Einblicke.

Düsseldorf (dpa) - Zu wenig Fachpersonal und zu wenig Zeit für zu viele Aufgaben und zu viel Bürokratie - das sind die Hauptprobleme der Schulleiter in Deutschland.

Bei einer repräsentativen Befragung für den Verband Bildung und Erziehung (VBE) nannten 57 Prozent der 1200 befragten Schulleiter Lehrermangel als ihr größtes Problem.

Bei der Vorstellung der Studie beim Deutschen Schulleiterkongress in Düsseldorf verlangte VBE-Chef Udo Beckmann am Freitag Konsequenzen der Kultusministerkonferenz: Jedes Land müsse genügend Lehrer für den eigenen Bedarf ausbilden statt sich gegenseitig die Fachkräfte abzuwerben. Er forderte außerdem mehr Studienplätze, eine bessere Ausbildung und multiprofessionelle Teams an den Schulen - etwa mit Sozialarbeitern, Jugendhelfern und Psychologen.

Wie aus der Forsa-Befragung hervorgeht, fühlen sich bundesweit 23 Prozent vor allem mit der Inklusion Behinderter und der Integration von Flüchtlingskindern überfordert. Gewalt benennt dagegen nur ein Prozent aller Befragten als größtes Problem an ihrer Schule.

Im Mittel bewerteten die Schulleiter die Schulpolitik ihres eigenen Bundeslandes mit der Note 3,8. Jeder fünfte Schulleiter in Deutschland sieht die Schulpolitik als mangelhaft oder sogar "versetzungsgefährdet" (Note 6).

Rund 36 Prozent der deutschen Schulleiter gaben an, an der eigenen Schule akut mit Lehrermangel und unbesetzten Stellen zu kämpfen - an Gymnasien allerdings nur 25 Prozent. Im Durchschnitt sind laut Forsa-Befragung bundesweit sechs Prozent der Lehrerstellen an weiterführenden Schulen und sogar zwölf Prozent an Grundschulen nicht besetzt.

Rund 90 Prozent der Schulleiter klagen über wachsende Aufgaben und Verwaltungsarbeiten. Sie wünschen sich mehr Anrechnungsstunden auf ihre Leitungstätigkeit, um Aufgaben delegieren zu können.

Auffällig: An mehr als jeder dritten Schule sind Seiteneinsteiger beschäftigt, von denen nach Angaben der Schulleiter aber 65 Prozent keine systematische pädagogische Vorbereitung erhalten haben. "Das ist pädagogischer Wahnsinn", kritisierte Beckmann. Die Politik sei es den Kindern und den neu hinzukommenden Fachkräften gleichermaßen schuldig, Seiteneinsteiger über mehrere Monate praxisnah zu qualifizieren.

Trotz aller Probleme gehen 95 Prozent aller Schulleiter nach eigenen Angaben gerne zur Schule. Jeder vierte würde seinen Job "auf jeden Fall" weiterempfehlen - ebenso viele allerdings "auf keinen Fall".

Bei dem Kongress, der jährlich rund 2500 schulische Führungskräfte mit 120 illustren Referenten aus einem breiten gesellschaftlichen Spektrum zusammenführt, gab Ex-Fußballschiedsrichter Urs Meier den Schulleitern Tipps für den Alltag. "Ein Leiter pfeift nicht nur - pfeifen kann jeder", mahnte er. "Wir haben nicht nur Verantwortung für das, was wir tun, sondern auch für das, was wir nicht tun."

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