Leiche vor türkischem Ferienort angespült

Foto von totem Flüchtlingsjungen am Strand erschüttert Europa

Bodrum - An einem Strand nahe des türkischen Ferienorts Bodrum ist die Leiche eines kleinen syrischen Flüchtlingsjungen angespült worden. Fotos der Leiche haben europaweit für Bestürzung gesorgt.

Nach Angaben der Rettungskräfte heißt der Junge Ailan Kurdi. Medienberichten zufolge war er drei Jahre alt, als er bei der Flucht über das Mittelmeer starb. Auch sein Bruder Galip überlebte die Überfahrt nicht. Die Familie war den Berichten zufolge vergangenes Jahr au der syrischen Stadt Kobane vor der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) in die Türkei geflohen.

Das Foto von Ailan ging um die Welt und sorgte für Bestürzung. Der kleine Körper des Jungen, bekleidet mit einem roten T-Shirt und einer kurzen blauen Hose, war an einen Strand im Süden der Türkei gespült worden. Ein junger Polizist nahm die Leiche in die Arme und trug sie davon. Auf einem Foto ist zu sehen, wie der Polizeibeamte den Kopf zur Seite dreht, so als wolle er dem traurigen Anblick der Kinderleiche entgehen.

"Ein Foto, um die Welt zum Schweigen zu bringen", kommentierte die italienische Zeitung "La Repubblica" das Foto von der im Sand liegenden Jungenleiche. "Der Untergang Europas", schrieb die spanische Zeitung "El Periodico" in ihrer Onlineausgabe. "Was, wenn nicht dieses Bild eines an den Strand gespülten syrischen Kindes, wird die europäische Haltung gegenüber Flüchtlingen ändern?", fragte die britische Zeitung "The Independent" auf ihrer Website. Im Kurznachrichtendienst Twitter wurde das Foto unter dem Hashtag in türkischer Sprache #KiyiyaVuranInsanlik verbreitet (Die fortgespülte Menschlichkeit).

Ailan saß vermutlich in einem von zwei Flüchtlingsbooten, die am Mittwochmorgen auf dem Weg von der türkischen Küste zu einer griechischen Ägäis-Insel sanken. Insgesamt zwölf tote Flüchtlinge aus Syrien, darunter fünf Kinder, wurden von der türkischen Küstenwache geborgen. 15 Flüchtlinge schafften es an Land. Drei Menschen wurden noch vermisst.

Der Notfall-Leiter der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch, Peter Bouckaert, erklärte, die Flüchtlinge seien "nahezu sicher gestorben, als sie versuchten, in Europa in Sicherheit zu gelangen, indem sie an Bord eines Schmuggler-Boots gingen. Stattdessen endeten sie als die neuesten Opfer von Europas armseliger Antwort angesichts einer wachsenden Krise."

Seit Jahresbeginn haben schon mehr als 350.000 Flüchtlinge die gefährliche Reise über das Mittelmeer gemacht, um in Europa ein besseres Leben zu finden. Oft schicken Schlepper völlig überladene und seeuntaugliche Boote auf den Weg. Dabei kommen immer wieder Menschen ums Leben.

AFP

Rubriklistenbild: © Symbolfoto: AFP

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