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Horst Seehofer gönnt der FDPkeine CSU-Stimmen.

Seehofer kritisiert Zeil

„Leihstimmen sind verlorene Stimmen“

München - Nach dem bitteren Abend von Hannover grenzt sich die CSU schärfer von der FDP ab – allen voran Parteichef Horst Seehofer, der den Liberalen in Bayern keine Hoffnungen mehr auf Welpenschutz macht.

In der Union wächst die Angst vor der eigenen Klugheit. Mit einer verdeckten Leihstimmen-Kampagne hatten vor allem örtliche CDU-Politiker die niedersächsische FDP nahe an die zehn Prozent gehievt. Ungefähr 100.000 konservative Wähler votierten für die Liberalen. Die gemeinsame Regierung aber ist abgewählt, die CDU geschwächt. Und die Union beschließt als Lehre aus dem bitteren Wahlabend: Nie wieder Leihstimmen.

Jeder kämpft für sich allein, gibt vor allem die CSU im Jahr der für sie allesentscheidenden Landtagswahl und der Bundestagswahl aus. In München tagt am Vormittag die Parteispitze, Teilnehmer berichten von kräftigem Gebrummel über den Umgang mit der FDP. Allen voran der Chef: Es habe sich gezeigt, „dass Leihstimmen innerhalb des bürgerlichen Lagers verlorene Stimmen sind“, sagt Horst Seehofer schwer verschnupft, und das nicht nur wegen seiner Erkältung. Sie führten unter Umständen „direkt in die Opposition“. Er wirft der FDP vor, ihr fehle es an Substanz. „Nur zu schauen, dass man von der Union etwas abknapst, reicht für das bürgerliche Lager nicht.“

Führende CSU-Politiker hatten mehrfach auf Niedersachsens Noch-Ministerpräsident David McAllister eingeredet: Er solle den Koalitionspartner FDP nicht mit Zweitstimmen aufpäppeln, sondern zu einem strikt liberalen Kurs raten, der enttäuschte Nichtwähler zurückholt. Beherzigt wurde der Rat nicht. Trotz steigender Wahlbeteiligung aktivierte die FDP nur 12.000 Nichtwähler, der Rest strömte von der CDU herbei. Für das bürgerliche Lager steht im Ergebnis netto kein Gewinn, Rot-Grün siegte. Das „Verschieben der Stimmen“ bringe nichts, ärgert sich Bayerns Innenminister Joachim Herrmann.

Im Freistaat kann das noch zum Koalitionskrach führen. FDP-Spitzenkandidat Martin Zeil nämlich hat es hier zur Strategie ausgerufen, einen „Binnenwettbewerb“ mit der CSU zu führen. Mehrere Liberale piesacken Seehofer derzeit mit Anspielungen auf seine Wankelmütigkeit. „Ich halte die Strategie für fragwürdig“, grollt der Ministerpräsident dazu. Intern heißt es, die FDP brauche auf keinen weiteren Welpenschutz zu hoffen: „Keine Rücksicht mehr auf die“, sagt ein hohes Vorstandsmitglied.

Seehofer selbst ändert nun auch seine Wortwahl über das Wahlziel. Bisher gab er tapfer aus, man wolle in München die Koalition mit der FDP fortsetzen. Nun sagt er, die CSU kämpfe um die „maximale Stärke“. Falls man auf einen Partner angewiesen sei, habe die FDP erste Priorität. „Hauptgegner“ sei Rot-Grün, am Ende könne man aber mit allen Parteien reden. Dazwischen dürften übrigens, was Seehofer namentlich nicht erwähnt, die Freien Wähler liegen, die in Niedersachsen 1,1 Prozent holten.

In einer Sachfrage dürfte die Niedersachsen-Wahl der Landespolitik übrigens weiteren Schwung geben: Eine rot-grüne Regierung in Hannover wird die Studienbeiträge wohl abschaffen. Bisher sträubt sich die FDP in Bayern gegen einen solchen Schritt. „Nach menschlichem Ermessen sind wir dann das letzte Bundesland“, stichelt Seehofer. „Muss man das weiter ausführen?“

Christian Deutschländer

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