Aufbruch in Termes: Deutsche Soldaten besteigen eine Transall auf dem Flugfeld in Usbekistan. Foto: dpa

Afghanistan-Einsatz

Der letzte deutsche Soldat darf Usbekistan verlassen

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München - Mit über 100 Millionen Euro an ein sehr umstrittenes Regime hatte Deutschland den Stützpunkt an der afghanischen Grenze aufgebaut.

Militärisch war es der „Strategische Lufttransportstützpunkt Termez“. Politisch war es ein blinder Fleck. Mit einer dreistelligen Millionensumme für ein zweifelhaftes Regime hat sich die Bundesrepublik über 13 Jahre einen sicheren Landeplatz knapp vor der afghanischen Grenze erkauft. Jetzt zieht sich die Bundeswehr von dem heiklen Geschäft zurück – in diesen Tagen werden die letzten deutschen Soldaten aus Usbekistan abgezogen. Das bestätigte die Deutsche Botschaft in der Hauptstadt Taschkent.

In Termez betrieb die Bundeswehr praktisch einen kleinen Flughafen für den Afghanistan-Einsatz. Alle Maschinen aus Deutschland, die nicht gegen Raketenbeschuss gesichert waren, landeten dort. Den vergleichsweise kurzen Weg über die afghanische Grenze ins Krisenland traten dann die geschützten Transalls oder die CH-53- Hubschrauber an. Soldaten, Politiker, Journalisten – wer auch immer nach Afghanistan reiste, stieg meist in Termez um. Zu Zeiten der Kontingentwechsel war extrem viel los auf dem Stützpunkt.

Für die Lösung sprach das Sicherheitsbedürfnis – dagegen politische und moralische Bedenken. Der Standort in Termez war teuer erkauft mit Millionen an das usbekische Regime, das wegen der Menschenrechtslage – politische Gefangene, Folter-Vorwürfe – international in der Kritik steht. Die genaue Summe, die nach Taschkent floss, ist unbekannt. In Medienberichten werden über 120 Millionen Euro genannt. Allein 20 Millionen versickerten irgendwie in angeblichen Investitionen im Airport-Gelände. Die Verträge dazu sind geheim, der Nutzen ist zweifelhaft. Die Erfahrungen vor Ort waren oft arg unerfreulich. Die Flüge wurden streng reglementiert, jede Genehmigung teuer bezahlt, auch nicht nachvollziehbare Papiere und schikanöse Pass- und Visakontrollen. Soldaten berichten zudem von einer miesen Infrastruktur. Im Sommer 2009 soll eine deutsche Maschine ein Stück in den Beton auf dem Vorfeld eingesunken sein. Soldaten mussten vor der Einreise nach Afghanistan oft eine Nacht in Termez verbringen – in Zelten neben der Startbahn, ein auch akustisches Erlebnis.

Andere Staaten scheuten Usbekistan. Selbst die nicht so zimperlichen USA zogen sich 2005 von einem Stützpunkt in dem zentralasiatischen Land zurück. Die Grünen beklagten wiederholt die fehlende Transparenz und verwiesen auf die Menschenrechts-Vorwürfe. Union und SPD trugen die Verträge jedoch mit. „Der Stützpunkt in Usbekistan war notwendig und sinnvoll für unsere Einsatzlogistik“, sagt der CSU-Verteidigungspolitiker Tobias Zech. „Wie ein Zahnarztbesuch: Tut weh, ist aber unerlässlich.“

Für das Ende der heiklen Kooperation sorgte am Ende offenbar nicht Einsicht in Berlin oder fehlender Bedarf – sondern Forderungen aus Taschkent. Das „Bundeswehr journal“ berichtet, die usbekische Regierung habe versucht, die Pachtgebühr auf 72,5 Millionen Euro pro Jahr hochzuschrauben.

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