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Im Kisterl sind 98,7 Prozent: Gerda Hasselfeldt bei der Wahl. Ihre Stimmen schon abgegeben haben Horst Seehofer, Alexander Dobrindt und Dorothee Bär (v.l.).

Der liebe Horst vertraut den Frauen

München – Zum ersten Mal in ihrer Geschichte macht die CSU eine Frau zur Spitzenkandidatin für den Bundestag. Gerda Hasselfeldt erhält 98,7 Prozent. Im Duell auf den hinteren Plätzen siegt eine Nachwuchspolitikerin.

Er spielt den Löwen mit Samtpfoten. „Du hast jede Unterstützung von mir, liebe Gerda“, flötet Horst Seehofer vom Rednerpult aus. Einen Sonderapplaus holt er raus für die liebe Gerda und ihre Truppe, lobt ihre Arbeit, streichelt und preist. So nett und krallenarm sind sie nicht oft zueinander, aber das Ergebnis passt. Mit 98,7 Prozent wählt die CSU Gerda Hasselfeldt zur Bundestags-Spitzenkandidatin.

Keine Konflikte, keine Kratzer: Mit dieser Strategie versucht der Parteichef, die Listenversammlung über die Bühne zu bringen. Leicht ist das nicht. Im Vorfeld stritt seine Partei heftig um die Listenplätze, vereinbarte eine Kampfabstimmung, manche Kandidaten und Seehofer selbst wurden mit anonymen E-Mails diskreditiert. In seiner kurzen Rede vor den 240 Delegierten geht Seehofer darauf nicht konkret ein. „Gelassenheit“ predigt er wieder. Wenn sich eine Partei so um Listenplätze balge, gebe es bei der Wahl wohl was zu holen.

Weisungsgemäß gelassen sind nur die Bewerber, die eh mit Direktmandat abgesichert sind. Hasselfeldt hält eine für ihre Verhältnisse sehr gute, allumfassende Rede. „Das Dienen an den Menschen ist das Entscheidende“, sagt sie. Die Oberbayerin lästert über die „Abkassier-Orgie“ der SPD. „Ein Mensch, der seinen Zunge nicht im Zaum halten kann“, dürfe dieses Land nicht regieren. Sie meint Peer Steinbrück.

Natürlich hat auch sie bei Bedarf Samtpfoten: „Es macht Spaß mit Dir, lieber Horst.“ Viel herzlichen Beifall bekommt die 62-Jährige. Auf die weiteren Plätze wählen die Delegierten im Block Hans-Peter Friedrich, Peter Ramsauer, Alexander Dobrindt und Marlene Mortler.

Gekämpft wird auf hinteren Plätzen bei den Kandidaten ohne Wahlkreis. Den ersten Netto-Platz holt sich die Chefin der Jungen Union , Katrin Albsteiger. Sie siegt mit 144:119 gegen die Spitzenkandidatin der Frauen-Union, Barbara Lanzinger. Weitere Netto-Plätze gehen an Silke Launert und Tobias Zech. Auch Seehofers CSU-Büroleiter Reiner Meier, eines der Opfer der anonymen Schmutzeleien, wird gewählt.

„Abstimmungen gehören zur demokratischen Normalität“, beruhigt Seehofer seine Partei. Für wen er votierte im Duell JU gegen Frauen, sagt er nicht, läuft aber hochzufrieden zu Albsteiger. „Voll im Schuss, diese Truppe“, sagt er, was ein Kompliment sein soll. Albsteiger gelobt, die JU werde unüberhörbar und mit klarer Kante wahlkämpfen.

Der Blick richtet sich nun erst mal auf die Landtagswahl. Nächste Woche stellen die Oberbayern um Ilse Aigner dafür ihre Liste auf. Zudem laufen die Beratungen über das Landtags-Wahlprogramm zwischen Seehofer und seinen Ministern an. Es soll ein kurzes, kerniges Programm werden, stark vom Chef geprägt. „Keine Bleiwüste von über 100 Seiten“, sagt Seehofer spöttisch mit Blick auf die Programme von SPD, Grünen, FDP. Ein Drittel davon dürfte es werden, mit zwei Seiten Einleitung.

Der Parteichef verlangt, dass alle Forderungen im Programm ohne Schulden finanzierbar sein müssen. Er will zudem den Neuzuschnitt der Ministerien festschreiben mit jeweils einem Zuständigen für Themen wie Heimat, Energie sowie Digitalisierung. Auch der Abbau von Bürokratie wird ein Schwerpunkt.

CHRISTIAN DEUTSCHLÄNDER

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