Beatrix von Storch (AfD) zu Gast bei Sandra Maischberger (ARD)
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Beatrix von Storch (AfD) zu Gast bei Sandra Maischberger (ARD)

ARD-Talk 

Von Storch vs. Ali bei „Maischberger. Die Woche“: „Wir haben einfach ein völlig anderes Menschenbild“ 

„Maischberger. Die Woche“ diskutiert den NATO-Abzug aus Afghanistan, bevor der Bundestagswahlkampf in den Mittelpunkt rückt. 

„Maischberger. Die Woche“ beschäftigt sich am Tag nach der endgültigen Taliban-Machtübernahme eingangs mit dem Thema Afghanistan. Der Kabarettist Jochen Busse erzählt zu Beginn deshalb von einer Begegnung, die er vor 20 Jahren mit dem Nahost-Experten Peter Scholl-Latour hatte: „Da hat der zu mir gesagt, wir saßen zusammen und warteten auf einen gemeinsamen Auftritt, das ist völliger Unsinn, was die Amerikaner da machen. Dieses Land ist nicht zu bekriegen. Das ist anders strukturiert, als wir denken.“

Die Journalistin Ann-Kathrin Müller nimmt die deutsche Bundesregierung mit in die Pflicht: „Man kann nicht einen Rückzug nur der Soldaten planen und die Ortskräfte zurücklassen und sich jetzt hinstellen und sagen: Ja, aber die Nachrichtendienste haben uns nicht gut genug informiert. Selbst wenn das Vorrücken der Taliban länger gedauert hätte, wäre es zu spät gewesen.“ 

„Maischberger. Die Woche“-Runde diskutiert Afghanistan-Abzug 

Die Journalistin Dagmar Rosenfeld stellt sich dagegen vor Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU): „Weil sie die Einzige in dieser Regierung ist, die bereit ist, Verantwortung für das zu übernehmen, was geschehen ist, für dieses Desaster. Sie hat ihre politische Karriere und ihr Amt damit verknüpft, was diese Aufarbeitung des Einsatzes bringen wird und gesagt, für die Fehler wird sie einstehen. Das haben alle anderen nicht getan, das hat noch nicht einmal die Kanzlerin in ihrer Regierungserklärung zu diesem Afghanistan-Einsatz getan, sondern sie hat gesagt, im Nachhinein ist man immer klüger – und das finde ich ein bisschen wenig für das Desaster, was da angerichtet worden ist.“ 

Den Politikwissenschaftler Christian Hacke überrascht das Debakel wenig, Amerika brauche angesichts des Kräftemessens mit China seine Ressourcen an anderer Stelle: „Das ist eigentlich der Schlusspunkt einer Entwicklung, die wir seit 20 Jahren schrittweise schon erlebt haben. Mich wundert eigentlich umgekehrt eher, dass jetzt alle aufwachen und sagen, das ist sozusagen der Niedergang der USA.“ Darüber hinaus geht Hacke davon aus, dass zwar die Truppen abgezogen seien, der Krieg aber weitergehen werde, „nur mit anderen Mitteln“. Der per Video aus Washington zugeschaltete Ex-US-Sicherheitsberater John Bolton verteidigt den Einsatz dagegen und glaubt, die US-Truppen hätten in Afghanistan bleiben sollen: „Es war ein Fehler, sich aus Afghanistan zurückzuziehen, nicht wegen des gescheiterten Nation Buildings, obwohl das der falsche Ansatz war, sondern weil wir jetzt eine strategische Entscheidung ohne Grund umkehren.“ 

Trumps ehemaliger Berater Bolton hätte die militärische Mission in Afghanistan fortgesetzt 

Dass US-Präsident Joe Biden den Abzug als erfolgreiche Mission darstelle, hält Bolton für „wahnsinnig“. „Der Kampf gegen den Terrorismus ist nicht einseitig beendet, die Terroristen kämpfen weiter“, warnt der Republikaner. Seine Befürchtung: „Das wird uns schaden, wenn die Taliban die Kontrolle wiederhergestellt haben und terroristische Gruppen einladen, mit internationalen Bestrebungen, die dann im Land operieren können.“ Als Talkmasterin Maischberger sich erkundigt, warum Ex-Präsident Donald Trump nicht auf seinen Ratschlag, in Afghanistan zu bleiben, gehört habe, muss Bolton lachen und sagt: „Die Frage könnte ich zu vielen Themen aufwerfen.“ Die Verantwortung für das Ende des Einsatzes möchte Bolton weder Trump noch Biden exklusiv zusprechen: „Ich glaube, es war ein gemeinsamer Fehler der beiden.“ 

„Maischberger. Die Woche“ - diese Gäste diskutierten mit: 

  • John Bolton (Republikaner) – US-Politiker 
  • Christian Hacke – Politikwissenschaftler 
  • Amira Mohamed Ali (Linke) – Politikerin 
  • Beatrix von Storch (AfD) – Politikerin 
  • Jochen Busse – Kabarettist 
  • Dagmar Rosenfeld – Journalistin 
  • Ann-Kathrin Müller – Journalistin  

Im Wahlkampf-Part von „Maischberger. Die Woche“ treffen nach einer Kommentatoren-Analyse des TV-Triells vom Sonntag zwei politische Extreme aufeinander: Amira Mohamed Ali (Linke) und Beatrix von Storch (AfD) schenken sich von Beginn an nichts. Von Storch sagt, es gebe zwar, etwa beim Afghanistan-Einsatz, Übereinstimmungen der Positionen, doch die Konsequenz sei jeweils eine andere: „Die Linke sagt jetzt eben, jeder, der aus Afghanistan wegwill und nach Deutschland möchte, soll auch kommen, er muss auch bleiben dürfen und er soll 1.200 Euro netto bekommen und an der Stelle unterscheiden wir uns.“ Ali wehrt sich: „Die AfD hat den Einsatz in Afghanistan aus vollkommen unterschiedlichen Gründen kritisiert, als die Gründe, wegen denen wir ihn kritisiert haben.“ Von Storchs Furcht vor Migration kann Ali nicht verstehen: „Wenn Menschen sich auf den Weg zu uns machen und aus Krieg und Not fliehen, dann existieren nun mal die Menschenrechte. Und diesen Menschen muss natürlich geholfen werden.“ 

„Jeder Mensch hat Menschenrechte, aber er hat nicht das Recht, in Deutschland zu leben und nach deutschen Ansprüchen hier sein Leben zu führen“, widerspricht von Storch. „Das ist das“, legt sie nach, „was Sahra Wagenknecht zutreffenderweise als völlig weltfremd bezeichnet.“ In Bezug auf die afghanischen Ortskräfte meint sie: „Wir haben eine Verpflichtung für die Ortskräfte, die sind ganz genau zu bezeichnen. Die sind mit Vertrag bei der Bundeswehr gewesen. Alle anderen haben Menschenrechte, aber Deutschland ist nicht verpflichtet und auch nicht in der Lage, sie alle herzuholen.“ Wenig später spricht sie von 38 Millionen Menschen, die nach Vorstellung der Linken aus Afghanistan nach Deutschland zu bringen seien, was ihr eine Rüge von Talkmasterin Maischberger einbringt: „Frau von Storch, Sie wissen, mit den Übertreibungen: Lassen wir‘s einfach.“ 

Wahlkampf bei „Maischberger. Die Woche“: Ali und von Storch sitzen nebeneinander, könnten aber nicht weiter voneinander entfernt sein 

„Ich weiß, dass die AfD natürlich ein reges Interesse daran hat, im Wahlkampf eine Angst vor einer neuen Flüchtlingswelle zu schüren, weil das ist ja ihr Thema“, erwidert Ali. „Ich weiß auch ehrlich gesagt gar nicht“, fährt sie fort, „wo Sie es immer herholen: Die ganze Welt will nach Deutschland kommen. Das ist erkennbar auch nicht der Fall. Und natürlich ist es auch völliger Blödsinn, zu sagen: Alle Menschen auf der Welt sollen nach Deutschland kommen. Das macht doch gar keinen Sinn, das ist doch auch gar nicht gewünscht. Wir haben aber trotzdem als Europäische Union eine Verpflichtung.“ Ali fordert stattdessen Konsequenzen für die Länder Europas, wie Österreich, Polen und Ungarn, die sich gegen eine Aufnahme afghanischer Flüchtlinge sperren. 

Dass die Politik der AfD sich nicht prioritär am wissenschaftlichen Konsens orientiert, stellt von Storch in der weiteren Debatte unter Beweis. So habe der Mensch keinen Einfluss auf den sich beschleunigenden Klimawandel: „Das menschliche Handeln hat darauf keinen Einfluss. Deshalb macht es keinen Sinn, uns dagegen zu wehren oder zu versuchen, sinnlose Maßnahmen zu machen.“ Gleichzeitig beruft sie sich auf den internationalen Klimarat IPCC, der den Bau von Kernkraftwerken wegen ihrer Emissionsfreiheit unterstütze: „Und da sind wir dabei“, sagt von Storch. Talkmasterin Maischberger versucht, von Storch aufzuzeigen, dass es sich dabei um einen Widerspruch handelt: Wenn der Mensch keinen Einfluss habe, mache doch auch der Bau von Atomkraftwerken keinen Unterschied. Doch von Storch windet sich aus der Frage und auch auf mehrmalige Nachfrage heraus: „Ich glaube an Gott und nicht an den Klimawandel.“ 

„Maischberger. Die Woche“ - Das Fazit der Sendung 

Die Themen Afghanistan und der Bundestagswahlkampf beherrschen „Maischberger. Die Woche“. Das Kommentatoren-Trio bestehend aus den Journalistinnen Dagmar Rosenfeld, Ann-Kathrin Müller und dem Kabarettist Jochen Busse ist sich darin einig, dass es sich beim Ende des Einsatzes um ein Desaster handelt. Ähnlich sieht das auch der Politikwissenschaftler Christian Hacke, der den Afghanistan-Krieg aus der Sicht eines Transatlantikers analysiert. Mit ganz anderen Tönen meldet sich Ex-US-Sicherheitsberater John Bolton aus Washington – er hätte die Mission gerne fortgeführt. Im Wahlkampf-Duell zwischen Amira Mohamed Ali (Linke) und Beatrix von Storch (AfD) treffen zwei politische Welten aufeinander, die Ali beim Thema Menschenrechte und Migration so zusammenfasst: „Da haben wir einfach ein völlig anderes Menschenbild.“ 

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