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Günter Grass hat Oskar Lafontaines Austritt aus der SPD als "schmierigen Verrat" bezeichnet

Attacke gegen Ex-SPD-Chef

"Schmieriger Verrat": Grass greift Lafontaine an

Berlin - Literaturnobelpreisträger Günter Grass hat den ehemaligen SPD- und späteren Linkspartei-Chef Oskar Lafontaine scharf kritisiert. Er warf ihm einen "schmierigen Verrat" an seinen Genossen vor.

Der Literatur-Nobelpreisträger Günter Grass hat die SPD zur Aufgeschlossenheit gegenüber der Linken aufgerufen und zugleich den Ex-Vorsitzenden beider Parteien, Oskar Lafontaine, scharf kritisiert. "Es gab in der Geschichte der sozialdemokratischen Partei keinen schmierigeren Verrat wie den von Oskar Lafontaine an seinen Genossen", sagte der 85-Jährige in einem von der "Süddeutschen Zeitung" vom Dienstag veröffentlichten Gespräch.

Eigentlich müsse es im Interesse beider Parteien liegen, sich anzunähern. Ein "Hemmnis auf dem Weg dahin" sei aber Oskar Lafontaine, sagte Grass in dem Gespräch für das Buch "Was würde Bebel dazu sagen?", das von dem Publizisten Manfred Bissinger und Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) herausgegeben wird. Gleichzeitig alle Ämter niederzulegen, eine Wende um 180 Grad zu inszenieren, die eigene Partei in der Presse anzugreifen, "dazu gehört eine Charakterlosigkeit ohnegleichen".

Lafontaine: "Grass bekommt viele Dinge nicht mehr mit"

Lafontaine wies die Vorwürfe zurück. "Grass bekommt viele Dinge nicht mehr mit, sonst wüsste er, dass ich der SPD immer wieder angeboten habe, mit der Linken die Bundesregierung oder Länderregierungen zu bilden", sagte er. "Die SPD verweigert sich bis heute", fügte der 69-Jährige hinzu, der sich weitgehend von der Bundespolitik zurückgezogen hat und im saarländischen Landtag die Linksfraktion führt.

"Seit bekannt ist, dass Grass Sozialdemokraten wie Karl Schiller bedrängt hat, ihre Nazivergangenheit offenzulegen, während er die eigene Zugehörigkeit zur Waffen-SS verschwieg, sollte er sich zu Charakterfragen besser nicht mehr äußern", forderte Lafontaine. Grass hatte erst 2006 öffentlich gemacht, dass er mit 17 Jahren der Waffen-SS angehört hatte.

Grass: Die Nato muss reformiert werden

Lafontaine war 1999 wegen seiner Differenzen mit dem damaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder zurückgetreten und hatte später die Linkspartei mit aufgebaut.

Grass sagte, gegen Koalitionsgespräche der SPD mit der Linken sei nichts einzuwenden. Vor einer Koalition müssten aber "ganz entscheidende Dinge geschehen". Die Forderung der Linken, Deutschland solle die Nato verlassen, "gehe natürlich so einfach nicht". Richtig sei aber, dass die Nato reformiert werden müsse.

Oskar Lafontaine: Seine politischen Stationen

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Grass übte zugleich Kritik an den Sozialdemokraten: "Die SPD tut sich schwer damit zu erkennen, dass ihre Stunde geschlagen hat, dass wir eine soziale Situation, nicht nur in Deutschland, sondern insgesamt haben, die längst die Stunde der Sozialdemokratie hätte werden müssen."

Allerdings hätten auch alle anderen Konzepte versagt, sagte Grass. "Sie sind am Ende." Der Kommunismus sei "ausverkauft, auch durch den Verrat an der sozialistischen Idee, der durch die Kommunisten permanent betrieben worden war". Aber auch "der Kapitalismus als Ideologie ist dabei, sich selbst zu zerstören", sagte Grass.

AFP

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