Susanne Hennig-Wellsow steht mit Mirko auf der Bühne beim Online-Bundesparteitag der Linken.
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Susanne Hennig-Wellsow vor ihrer Wahl beim Online-Bundesparteitag der Linken.

„Wo sind wir noch...?“

Blamage zum Auftakt: Linken-Chefin will Bundeswehreinsätze beenden - nur welche?

  • Anna-Katharina Ahnefeld
    vonAnna-Katharina Ahnefeld
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Ein blamabler Auftritt für Susanne Henning-Wellsow. In einem aktuellen Interview zeigt sie sich bei einem wichtigen Thema ahnungslos. Reaktionen kommen sofort.

Berlin - Die neue Linken-Chefin Susanne Hennig-Wellsow will Kampfeinsätze der Bundeswehr beenden. Aus dem Mund einer Linken-Politikerin eine wenig überraschende Äußerung, lautet doch das Credo ihrer Partei, dass deutsche Soldat:innen im Ausland nichts verloren haben. Nur welche Einsätze genau sie meint, kann sie nicht beantworten. Und das überrascht dann doch etwas.

Am Donnerstag blamierte sie sich im Youtube-Format „Jung & Naiv“ des Journalisten Tilo Jung, als der zum Thema Auslandseinsätze überging. Der Clip wurde in den sozialen Medien vielfach geteilt und kommentiert. Denn Henning-Wellsow erweckt den Eindruck, dass sie gar nicht weiß, gegen was sie sich da so entschieden positioniert.

„Da muss ich ehrlich sagen, die hab ich nicht alle einzeln im Blick“, antwortet sie auf Jungs Frage, gegen welche Einsätze sie denn genau sei. Und kommt ins Straucheln, denn der Journalist kennt in seinem herausfordernden Format wenig Erbarmen. Ob sie wisse, wie viele Einsätze aktuell laufen würden. „Ne.“ Doch es geht weiter, sie soll ein Beispiel nennen. Also versucht sie es. „Afghanistan“, antwortet sie, und wird dann doch sogleich unsicher. Aber da sei man auf jeden Fall mal gewesen. Sie dreht sich in ihrem Stuhl, die Arme verschränkt, kommt sichtbar unter den Fragen ins Schwanken.

Faktencheck: Heiko Maas hat sich im Februar für eine Verlängerung des Einsatzes der circa 1300 Soldat:innen ausgesprochen.

Linken-Politikerin Susanne Henning-Wellsow - Frage bei „Jung&Naiv“ bringt sie ins Stolpern

Und Jung lässt sie einfach nicht von der Angel. „Kannst du mir noch einen anderen nennen?“, will er jetzt wissen. „Wo sind wir noch, Martin?“, wendet sich Henning-Wellsow an einen Mitarbeiter im Hintergrund. Ihren „Spickzettel“. Doch anders als in „Wer wird Millionär“ gibt es bei „Jung & Naiv“ keinen Telefon-Joker, sie muss da jetzt alleine durch. „Es gibt todsicher mehr.“ Und damit ist klar: Welche es gibt, weiß die Linken-Politikerin offenbar nicht.

Es ist ein Auftritt, der beim Zuschauen etwas weh tun kann. Tilo Jung selbst twitterte den Ausschnitt des insgesamt mehr als zweistündigen Gespräch und kommentiert: „Ahnungslos: Die Linke will Kampfeinsätze der Bundeswehr beenden - nur welche damit gemeint sind, kann die neue Parteivorsitzende Hennig-Wellsow nicht sagen..“ Der Tweet löst viele Reaktionen aus, unter anderem bei Grünen-Politikerin Steffi Lemke: „Gott ist das peinlich. Wir haben die Grüne Partei über diese Frage mehrmals fast zerlegt - weil es eine der schwierigsten politischen Fragen ist - und diese Kollegin schwadroniert als Vorsitzende komplett wissensfrei rum. Kann ich nicht mal mehr fremdschämen.“

Die Linken: Ausschnitt aus Video geht auf Twitter viral - Henning-Wellsow verteidigt sich mit Tweet

Am 27. Februar 2021 wurde Henning-Wellsow gemeinsam mit Janine Wissler beim Bundesparteitag der Linken zur Partei-Vorsitzenden gewählt. Sie ist also gelinde gesagt, neu im Berliner-Politikbetrieb - kommt frisch aus dem Thüringer Parlament als Landespolitikerin. Das Problem nur: Das Thema Auslandseinsätze ist ein Knackpunkt in der Frage einer möglichen Regierungsbildung mit SPD und den Grünen.

Auf Twitter reagierte die Partei-Vorsitzende ebenfalls auf Tilo Jungs Tweet. Und antwortet: „Es gibt nur eine richtige Antwort auf die Frage, wie viele Kampfeinsätze der Bundeswehr es geben sollte: null. Egal wie viele es gibt. Punkt. Kann übrigens jeder googeln, wieviele es wo sind derzeit ;)„ Das kommt dann leider doch: Etwas zu spät. Das Thema Bundeswehreinsätze kam während des zweistündigen Interviews kurz vor Schluss auf. Für ihren Aussetzer entschuldigte sich die Politikerin danach, ebenfalls auf Twitter: „Beim Eisschnelllauf hab ich mir manche Beule geholt. Nun hab ich meinen 1. blauen Fleck in Berlin. Ich war im Interview mit Tilo Jung einfach platt. Das gibt’s nun mal. Ich wünsche es niemandem. Sorry dafür! Aber vor allem gilt: Jeder Bundeswehreinsatz im Ausland ist 1 zu viel.“(aka)

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