+
Sahra Wagenknecht: "Es zeigt sich einfach, dass der Euro nicht funktioniert."

"Euro erzeugt wirtschaftliche Ungleichgewichte"

Linke-Politikerin Wagenknecht stellt Euro infrage

Berlin  - Die Linke ist sich uneins, wie es mit dem Euro weitergehen soll. Das Ehepaar Wagenknecht/Lafontaine stellt die Gemeinschaftswährung generell infrage. Parteichef Riexinger sagt, es gebe keine Forderung „Raus aus dem Euro“.

Innerhalb der Linkspartei ist ein Streit um die Zukunft des Euro entbrannt. Die designierte Fraktionschefin Sahra Wagenknecht stellte den Euro als europäische Gemeinschaftswährung generell infrage. „Es zeigt sich einfach, dass der Euro nicht funktioniert, sondern immer größere wirtschaftliche Ungleichgewichte erzeugt“, sagte Wagenknecht der Tageszeitung „Die Welt“ (Freitag). Damit erntete sie sofort Widerspruch von Parteichef Bernd Riexinger. Er betonte, dass die Linke den Euro behalten wolle.

Wagenknecht begründete ihre Ansicht mit der Gesamtentwicklung in der Eurozone, was sich „am dramatischsten“ in Griechenland zeige. „Die Währungsunion verengt die Spielräume der einzelnen Regierungen bis zur Handlungsunfähigkeit, das ist eine europaweite Abschaffung der Demokratie durch die Hintertür.“ Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende ist Wortführerin des linken Parteiflügels. Im Oktober soll sie gemeinsam mit Dietmar Bartsch den scheidenden Fraktionschef Gregor Gysi beerben.

Unterstützung bekam Wagenknecht vom ehemaligen Partei- und Fraktionschef Oskar Lafontaine, der auch ihr Ehemann ist. Lafontaine machte sich in der Tageszeitung „Junge Welt“ (Samstag) für eine schrittweise Abkehr vom Euro stark. „Ich plädiere für die Rückkehr zu einem Europäischen Währungssystem (EWS), das die Erfahrungen, die mit diesem Währungssystem gemacht wurden, berücksichtigt und seine Konstruktion im Interesse aller teilnehmenden Länder verbessert.“

Parteichef Riexinger hingegen warnte in der „Frankfurter Rundschau“ (Samstag) ebenfalls: „Wenn nicht gegengesteuert wird in Form eines stärkeren wirtschaftlichen und sozialen Ausgleichs, höhlt das den Euro aus.“ Er fuhr aber fort: „Deshalb ziehen wir in der Linken aber nicht die Schlussfolgerung: Raus aus dem Euro! Sondern wir sagen: Wir brauchen eine andere Politik in Europa, die bei uns die Exportüberschüsse abbaut.“

dpa

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Lindner mit Spitze gegen Grüne: „Interessieren sich nur für Kohlekraftwerke“
Die Jamaika-Sondierungsgespräche gehen am Samstag in eine weitere Runde. Einzelgespräche sollen helfen, um bis Sonntag fertig zu werden. Im News-Ticker bekommen Sie alle …
Lindner mit Spitze gegen Grüne: „Interessieren sich nur für Kohlekraftwerke“
Ärger über Gabriel: Riad ruft Botschafter aus Berlin zurück
Nach zwei Wochen Spekulationen über sein Schicksal ist der libanesische Premier in Frankreich eingetroffen. Bundesaußenminister Gabriel hatte die Außenpolitik …
Ärger über Gabriel: Riad ruft Botschafter aus Berlin zurück
CSU-Führungsdebatte: Terminsuche für Revolution
Die CSU verschiebt ihre Führungsdebatte um ein paar Tage – zumindest die Auflösung. Weil die Jamaika-Sondierer nachsitzen, ist die explosive Sitzung der Landtagsfraktion …
CSU-Führungsdebatte: Terminsuche für Revolution
Beschwerden über sexuelle Belästigung bei Klimakonferenz
Bonn (dpa) - Bei der Weltklimakonferenz in Bonn haben sich einige Teilnehmer über sexuelle Belästigung beschwert. Es gehe um etwa fünf bis zehn Fälle, sagte der Sprecher …
Beschwerden über sexuelle Belästigung bei Klimakonferenz

Kommentare