+
"Ich denke, für Deutschland ist es an der Zeit, mehr Vertrauen in sich selbst zu haben und nicht dauernd zurückzublicken und nach historischen Empfindlichkeiten zu suchen", sagt Litauens Präsidentin Dalia Grybauskaite und fordert eine Führungsrolle Deutschlands in Europa. Foto: Michael Kappeler

Litauens Präsidentin fordert militärische Führungsrolle Deutschlands

Die Nato will bei ihrem bevorstehenden Gipfel eine Truppenverlegung nach Osten beschließen. Hunderte deutsche Soldaten sollen nach Litauen. Die Präsidentin des kleinen Baltenstaats freut sich - verlangt aber noch mehr vom bevölkerungsreichsten EU-Staat.

Vilnius (dpa) - Kurz vor dem Nato-Gipfel hat die litauische Staatspräsidentin Dalia Grybauskaite eine militärische Führungsrolle Deutschlands in Europa gefordert.

"Ich denke, für Deutschland ist es an der Zeit, mehr Vertrauen in sich selbst zu haben und nicht dauernd zurückzublicken und nach historischen Empfindlichkeiten zu suchen", sagte sie in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur. Nur ein großes und wirtschaftlich starkes Land wie Deutschland könne die zusätzliche politische und militärische Verantwortung übernehmen, die in Europa jetzt notwendig sei.

"Es ist eine neue Ära, eine neue Epoche mit neuen Aufgaben für Europa, sich selbst zu verteidigen", sagte Grybauskaite mit Blick auf die Konfrontation zwischen der Nato und Russland. "Deutschland bleibt kaum eine andere Wahl, als eine Führungsrolle einzunehmen." Europa könne sich in Verteidigungsfragen nicht mehr alleine auf die USA verlassen.

Die Staats- und Regierungschefs der Nato kommen am Freitag in Warschau zusammen, um über ihre Abschreckungsstrategie gegenüber Russland zu beraten. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gibt dazu an diesem Donnerstag im Bundestag eine Regierungserklärung ab.

Litauen zählt zu den Nato-Mitgliedstaaten, die an Russland grenzen. Auf dem Gipfel soll die Stationierung jeweils eines Nato-Bataillons mit etwa 1000 Soldaten in Polen sowie den baltischen Staaten beschlossen werden. Das Bataillon in Litauen soll von der Bundeswehr mit mehreren hundert Soldaten angeführt werden.

"Wir sind sehr glücklich, dass Deutschland zugestimmt hat, eine Rahmennation in Litauen zu sein", sagte Grybauskaite dazu. Historisch begründete Vorbehalte mit Blick auf den Zweiten Weltkrieg wies sie zurück. Für Litauen sind nach ihren Worten die historischen Erfahrungen mit Russland entscheidend: "Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges wurden wir von Russland besetzt", sagte sie. "Wir möchten nicht vom gleichen Nachbarn erneut besetzt werden."

An eine langfristige Konfrontation glaubt Grybauskaite nicht. "Aber ein Zurück zum Business-as-usual ist nicht möglich, solange Russland Besatzer und Aggressor ist und militärische Aktivitäten auf dem ukrainischen Territorium ausübt", betonte sie.

Von dem geplanten Treffen des Nato-Russland-Rats nach dem Warschauer Gipfel verspricht sie sich nichts. "Weil es seitens Russland keine Bereitschaft gibt, sein Verhalten zu beenden. (...) Beide Seiten werden darauf hinweisen, wie sie über die Beziehungen denken - und das ist alles."

Nato-Homepage

Nato-Mitgliedsländer

Der Nordatlantikvertrag

Ständige Vertretung Deutschlands bei der Nato

Bundesverteidigungsministerium zur Nato

Auswärtiges Amt zur Nato

Bundeszentrale für politische Bildung zur Nato

Nato zu den Beziehungen zur EU

Nato zu den Beziehungen zu Russland

Nato-Russland-Rat

Nato-Russland-Grundakte von 1997

Bundeswehr zur Luftraumüberwachung im Baltikum

Nato-Internetseite zum Gipfel in Warschau

dpa-Twitterliste zum Nato-Gipfel

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Lebensstil der Trumps kommt Amerikaner teuer zu stehen
Washington - Amerikas neue First Family ist ungewöhnlich groß. Und das bekommen die Steuerzahler zu spüren. Denn überall, wohin es die Angehörigen des Trump-Clans zieht, …
Lebensstil der Trumps kommt Amerikaner teuer zu stehen
Agenda 2010: Schulz kratzt an Schröders Erbe
Bielefeld - SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz will an Kernstücke von Gerhard Schröders Agenda 2010 ran. Bei der SPD-Arbeitnehmerkonferenz in Bielefeld äußerte sich …
Agenda 2010: Schulz kratzt an Schröders Erbe
Kommentar: Weltgewandt und und kraftlos - Die zwei Merkels
Merkel erscheint derzeit wie zwei Personen: Als Fels in der globalen Brandung und als kraftlose Parteivorsitzende. Das könnte auch an ihrem politischen Umfeld liegen, …
Kommentar: Weltgewandt und und kraftlos - Die zwei Merkels
Bayern-SPD: Mentor gegen Schüler - und eine lachende Dritte?
Neben Florian von Brunn und Generalsekretärin Natascha Kohnen tritt Klaus Barthel bei der Mitgliederbefragung um den Landesvorsitz der Bayern-SPD an. So stehen die …
Bayern-SPD: Mentor gegen Schüler - und eine lachende Dritte?

Kommentare