„Vermittelt eine Sicherheit, die nicht da ist“

Wann ist der Lockdown vorbei? Experte zweifelt an Regierungs-Versprechen - und errechnet Ewig-Szenario

  • Moritz Bletzinger
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Harter Lockdown bis Mitte Januar. Dieses Corona-Szenario planen einige Bundesländer. Ein Experte rechnet nun vor, sie werden ihre Versprechen kaum halten.

  • Ein harter Corona-Lockdown ist in Deutschland wohl unumgänglich. Zahlreiche Politiker visieren ihn bis zum 10. Januar 2020 an.
  • Die Universität des Saarlands berechnet das Regierungs-Ziel als nahezu unmöglich. Experte Thorsten Lehr bezeichnet ein angekündigtes Ende sogar als gefährlich.
  • Hier finden Sie die grundlegenden Fakten zum Coronavirus und eine Karte mit den aktuellen Fallzahlen in Deutschland.

München - Bundesweit stehen scharfe Maßnahmen an. Trotz des Lockdown-„lights“ flacht die zweite Corona-Welle in Deutschland alles andere als ab. „Wir sehen heute: Das hat so nicht funktioniert“, räumt beispielsweise NRW-Ministerpräsident Armin Laschet ein, „wir brauchen einen Lockdown noch vor Weihnachten.“

Dringend müsse ein harter Lockdown verhängt werden, hatte die Wissenschaftsakademie Leopoldina zu Beginn der Woche gemahnt. Die Forderung stieß bei zahlreichen Politikern auf helle Ohren. Sie wollen sogar früher einschreiten als empfohlen. Eine Bund-Länder-Konferenz wurde für den 13. Dezember einberufen.

Coronavirus: Harter Lockdown in Deutschland - bis zum 10. Januar?

Dass Kanzlerin und Ministerpräsidenten beschließen werden, das öffentliche Leben in Deutschland noch vor Weihnachten radikal herunterzufahren und die bestehenden Regeln massiv zu verschärfen, gilt als absehbar. Das Ende der harten Maßnahmen aber immerhin auch - vermeintlich.

Söder, Bouffier, Merkel. Den 10. Januar visieren deutsche Politiker einhellig als Lockdown-Finale an, halten sie sich an das Papier der Leopoldina. Dieses Versprechen bezeichnet Pharmazie-Professor Thorsten Lehr im Gespräch mit Welt.de allerdings als gefährlich - und nahezu komplett unrealistisch.

Corona-Lockdown: End-Datum für harte Maßnahmen kursiert - Experte mahnt vor Deadline

„Das vermittelt eine Sicherheit, die nicht da ist“, erklärt der Experte Universität des Saarlands, „es ist gut, sich einen Meilenstein zu setzen. Die Politik sollte aber klar kommunizieren, dass das nicht der Tag ist, an dem der Lockdown vorbei ist.“ Vom öffentlich angepeilten End-Datum hält er nichts.

Wenn überhaupt, sei der Zielwert von 50 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner nur mit einem sofortigen und bundesweiten Lockdown zu erreichen, zeigen die Berechnungen der Universität. Greifen die Maßnahmen erst nach Heiligabend, zeigt das Modell keinen akzeptablen Inzidenzwert vor Ende Januar.

Coronavirus: Lockdown-Ende im Januar? Berechnung macht wenig Hoffnung - und ist sogar noch optimistisch

Selbst diese Szenarien seiner Fakultät bezeichnet Lehr als optimistisch. Der aktuelle Anstieg der Corona-Zahlen sei nicht einmal berücksichtigt und dennoch zeigt sich das Ziel am 10. Januar als nahezu unerreichbar. „Anfang Februar ist die Hauptinfektionszeit“, gibt er weiter zu bedenken. Es brauche außerdem dringend ein Konzept für die Zeit nach dem Lockdown. Dass es ansonsten schnell wieder zurückgehen kann, haben die vergangenen Monate gezeigt.

Ungeplante Verlängerungen der Corona-Maßnahmen wären derweil eher Usus als Novum. Im Frühjahr wurde der Lockdown erst von Mitte April bis Monatsende ausgeweitet. Schlussendlich dauerte es insgesamt 56 Tage bis Schulen und Restaurants wieder öffnen durften. Von Weihnachten bis zum 10. Januar sind es nur 17 Tage. (moe)

Rubriklistenbild: © Boris Roessler/dpa/Symbolbild

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