Verfrühte Lockerungen

Weil Merkel-Runde patzte - Experte schlägt in der ARD Alarm: „Dritte Welle heftiger als alles bis jetzt“

  • vonDana Popp
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Expert:innen warnen schon lange vor der dritten Welle. Trotzdem wurden Anfang März Lockerungen bekannt gegeben. Jetzt steigen die Infektionszahlen wieder rapide an.

Berlin - CDU-Chef Armin Laschet (CDU) nannte Anfang März drei Kern-Punkte im Kampf gegen Corona: Testen, Impfen und Digitalisierung. Ganz besonders wichtig waren die, weil Bund und Länder gerade die schrittweise Öffnung des Landes bei ihrem letzten Corona-Gipfel beschlossen hatten. Doch genau in den von Laschet angeführten Bereichen hapert es, wie wenige Tage vor dem nächsten Bund-Länder-Treffen das ARD-Politikmagazin Kontraste skizziert.

Unterdessen nehmen die Infektionszahlen in Deutschland wieder an Fahrt auf. Dem Pandemie-Forscher Thorsten Lehr zufolge könnte bereits Anfang April eine 200er-Inzidenz drohen.

Corona-Krise: Experte sagt zu Ostern bereits eine Inzidenz von 200 vorher

„Das hat zwei Gründe: Zum einen haben wir Lockerungen, die jetzt seit dem 8. März gültig sind. Zum zweiten haben wir natürlich auch noch die Mutanten, die sich gerade relativ stark ausbreiten. Und da haben wir eine sehr explosive Mischung, die hier zusammenkommt und wirklich das Ansteigen dann sehr rasant vonstattengehen lassen wird“, so Lehr. „Diese dritte Welle, die jetzt kommt, die könnte heftiger werden als alles, was wir bis jetzt gesehen haben.“

Fehler Nummer eins der Politik sei der Mangel an Selbsttests, urteilt Kontraste in der Fehleranalyse. Die Tests seien erst von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) angekündigt worden - dann habe er es jedoch versäumt, ausreichende Stückzahlen zu beschaffen. Das sei beispielsweise für Schulen problematisch. „Mit zweimal testen, und das sagen die Modellierungen sehr klar, kann man Infektionen früh erkennen und die weitere Übertragung verhindern“, erklärte Claudia Denkinger, die Leiterin der Tropenmedizin am Universitätsklinikum Heidelberg im Interview mit Kontraste. Die nationale Teststrategie sehe jedoch nur einen Test pro Woche für Schüler:innen vor.

Corona-Krise: Zu langsames Impfen und scheiternde Digitalisierung

Auch das langsame Impfen sei ein Problem, hieß es in der ARD-Sendung. Erst die Hälfte der Über-80-Jährigen sei geimpft. Viele der gelieferten Impfdosen würden für Zweitimpfungen zurückgehalten. „Wir müssten jetzt impfen, impfen, impfen, die ganze Zeit. Und es wäre ein gutes und richtiges Signal, wenn wir sagen: Aller Impfstoff ist verimpft, es ist nichts mehr da und wir warten. Es ist absolut inakzeptabel, dass Impfstoff rumliegt, während gleichzeitig über 2000 Menschen die Woche sterben“, sagte der Notarzt und Politiker Janosch Dahmen (Grünen).

Ebenfalls negativ auf die Pandemie-Bekämpfung wirke die langsam voranschreitende Digitalisierung der Gesundheitsämter ein, analysiert Kontraste. Die Ämter sollten eigentlich mit dem Programm Sormas arbeiten. Den Recherchen des Magazins zufolge nutzten jedoch nur ein Viertel der rund 400 Gesundheitsämter die Software. „Im Grunde genommen, sind wir Mediziner. Wir sind keine IT-Experten, die die Einführung einer Software planen und durchführen können. Und das machen wir als Nebengeschäft. Da braucht man Unterstützung. Wir brauchen Leute, die uns an die Hand nehmen, die uns sagen, wie es geht“, so Peter Tinnemann, der Leiter des Gesundheitsamtes in Nordfriesland. (Dana Popp)

Rubriklistenbild: © Tobias Schwarz/dpa

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