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Londons Bürgermeister Sadiq Khan (re.) traf bei seinem Besuch in Brüssel auch seine dortigen Amtskollegen Yvan Mayeur.

Warnung vor harten Brexit-Verhandlungen

Londons Bürgermeister will „faire und geordnete Scheidung“ von EU

London - Londons Bürgermeister Sadiq Khan hat vor den Konsequenzen eines harten Kurses der EU gegenüber Großbritannien in den bevorstehenden Austrittsverhandlungen gewarnt.

"Ein schlechter Brexit-Deal, der London schadet, würde auch der EU schaden", sagte Khan am Dienstag in Brüssel, wo er unter anderen EU-Parlamentspräsident Antonio Tajani traf.

"Wir werden hart dafür arbeiten, eine faire und geordnete Scheidung zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich zu erreichen", sagte Tajani nach seinem Gespräch mit dem Londoner Bürgermeister. Großbritannien verlasse "die EU, aber nicht Europa".

Khan warb dafür, dass Premierministerin Theresa May die Rechte der drei Millionen in Großbritannien lebenden EU-Bürger schützen solle, von denen eine Million in der Hauptstadt wohnen. "Dies wäre eine perfekte Geste des guten Willens", sagte er.

Khan hebt Rolle Londons als Finanzplatz hervor

Als Bürgermeister einer "europäischen Stadt" bestärkte er darüber hinaus die EU, "selbstbewusst" zu handeln. Es gebe keinen Grund "für die EU, eine Botschaft der Angst auszusenden oder einzuflößen", in dem Großbritannien "bestraft" würde. Eine "stolze, optimistische und selbstbewusste Institution" sichere ihre Zukunft "nicht durch Angst".

Darüber hinaus hob Khan die Rolle Londons als Finanzplatz in der EU hervor: Die Stadt sei "zweifellos die Finanz- und Handelshauptstadt" und "das wichtigste Organ für Wachstum" in Europa. Ein harter Brexit würde die Europäische Union davon abschneiden. Finanzinstitute "werden nicht massenweise nach Paris, Madrid, Frankfurt oder Dublin umziehen", warnte er, sondern "Europa ganz verlassen, um nach New York, Singapur und Hongkong" zu gehen.

Die Einwohner Londons stimmten beim Referendum am 23. Juni 2016 mehrheitlich für den Verbleib in der EU, während landesweit eine knappe Mehrheit der Briten für den Austritt votierte. Das offizielle Austrittsgesuch aus London wird am Mittwoch in Brüssel erwartet. Damit wird ein Prozess nach Artikel 50 ausgelöst, der eine zweijährige Verhandlungsfrist für den Austritt aus der EU vorsieht.

AFP

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